Dänemark will abgelehnte Asylbewerber auf Ostseeinsel Lindholm schicken

1. Dezember 2018 - 13:08 Uhr

Dänemark will straffällig gewordene Asylbewerber auf eine unbewohnte Insel umsiedeln

Die Mitte-Rechts-Regierung in Dänemark hat die Vorschriften für abgelehnte Asylbewerber deutlich verschärft und eine kontroverse Entscheidung getroffen: Abgelehnte Asylbewerber, die straffällig geworden sind und das Land bald verlassen müssen, sollen auf eine Insel in der Ostsee geschickt werden. Wo die Menschen bald leben sollen, sehen Sie im Video.

Ausreisepflichtige Asylbewerber sollen ab 2021 auf der Insel wohnen

(ARKIV) Statens Veterinaere Institut for Virusforskning paa oeen Lindholm i Stege Bugt. Lindholm i Stege Bugt skal huse nogle af de udlaendinge, der tidligere har holdt til paa Kaershovedgaard. Det skriver Ritzau, fredag den 30. november 2018.. , KAL
Laut dänischer Regierung soll die Insel kein Gefängnis für die Geflüchteten sein.
© imago/Ritzau Scanpix, SOEREN STEFFEN, imago stock&people

Ab 2021 soll auf der sieben Hektar kleinen Ostseeinsel Lindholm ein Zentrum für ausreisepflichtige sowie kriminelle Asylbewerber entstehen. Darauf einigte sich am Freitag die liberal-konservative Minderheitsregierung unter Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen mit der populistischen Dänischen Volkspartei (DF).

"Jetzt sagen wir den Menschen vom ersten Tag an, dass sie nicht für den Rest ihres Lebens in Dänemark bleiben können", sagte der Fraktionsvorsitzende der DF, Peter Skaarup und führt fort: Die Flüchtlinge bekommen nun eine vorübergehende Unterkunft, bis sie nach Hause zurückkehren können.

Regierung betont: "Es ist kein Gefängnis"

(ARKIV) OEen Lindholm i Stege Bugt, fotograferet fra luften den 6. april 2017. // Kortnummer: 2017_85_53_1_5326_0003549 // DENMARK ONLY //Kriminelle udlaendinge, der egentlig skal udvises, men som Danmark ikke kan sende hjem, skal fremover opholde si
Eine Luftaufnahme der Insel Lindholm, wo die Flüchtlinge ab 2021 untergebracht werden sollen.
© imago/Ritzau Scanpix, Styrelsen for Dataforsyning og E, imago stock&people

Bisher beherbergt die Insel laut "Bild"-Bericht nur einen Außenposten der Technischen Universität Dänemarks. Forscher beobachten dort in isolierter Lage Tierseuchen wie Tollwut oder Schweinepest.

Laut dänischen Medien ziehen die Forscher im kommenden Januar ab und übergeben die Einrichtung dem Staat. Finanzminister Kristian Jensen stellte aber klar: "Das ist kein Gefängnis, aber man muss nachts dort sein." Tagsüber sorgt eine Fähre für die Anbindung der Insel ans Festland.

Außerdem beschlossen die Regierung und die Dänische Volkspartei die Einführung einer Obergrenze für Familienzusammenführungen.

Wie Dänemark unattraktiv für Asylbewerber werden will

20.11.2018, Berlin: Lars Lokke Rasmussen, Ministerpräsident von Dänemark, spricht während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Bundeskanzleramt zu den anwesenden Journalisten. Foto: Gregor Fischer/dpa +++ dpa-B
Der dänische Ministerpräsident Rasmussen setzt seit Jahren auf einen harten Flüchtlingskurs.
© dpa, Gregor Fischer, fis fpt

Dänemark ist für seinen harten Kurs gegen Flüchtlinge bekannt. Ministerpräsident Rasmussen hatte bereits im Sommer angekündigt, dass abgewiesene Asylbewerber an "nicht sonderlich attraktive" Orte in Europa und somit außerhalb Dänemarks untergebracht werden sollen.

"Es würde einen großen Unterschied machen, wenn man ein Lager einrichten könnte, das nicht in den attraktiven Asylländern liegt, sondern anderswo", sagte er laut dem Sender "DR". Der Vorschlag der liberal-konservativen Regierung sei mit Österreich und anderen Ländern besprochen worden, die er nicht weiter nennen wolle, sagte Rasmussen damals.

Nun scheint er einen passenden Ort dafür gefunden zu haben.