Virus ist unter den Tieren mutiert

Dänemark tötet aus Corona-Sorge Millionen Nerze

05. November 2020 - 21:23 Uhr

Notschlachtung auf Nerzfarmen nach Corona-Ausbrüchen

Das Tragen von Echtpelz ist bei vielen Menschen verschrien – trotzdem ist die Nachfrage danach weiter hoch. Der größte Produzent von Nerzfell, das in der Pelzindustrie besonders begehrt ist, liegt mitten in Europa: Das Land Dänemark. Dort müssen jetzt aber Millionen von Tieren notgeschlachtet werden – denn auf Nerzfarmen im ganzen Land gab es mehrere Corona-Ausbrüche. Das Nagetier steht im Verdacht, das Virus auch auf Menschen zu übertragen – und so die Wirksamkeit eines möglichen Impfstoffs zu gefährden.

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Alle Tiere im Umkreis von acht Kilometern um einen Infektionsherd werden getötet

Wie der Dänische Rundfunk "DR" berichtet, sollen in Dänemark knapp 1,5 Millionen Tiere getötet werden. Das Notschlachten ist bereits in vollem Gange. Nerzfarmen mit infizierten Tieren müssen demnach ihren Bestand vollständig töten, doch auch gesunde Nerze werden geschlachtet – wenn sie auf einer Farm leben, die weniger als acht Kilometer von eine Farm entfernt ist, welche mit Corona-Fällen belastet ist. So sieht es die Entscheidung der dänischen Regierung vor.

Der Verband der Nerzzüchter in Dänemark trägt die Entscheidung zwar mit – kritisiert aber trotzdem: Die Entschädigung, die die Nerzzüchter enthalten sollen, seien zu wenig, sagte Tage Pedersen von dem Verband.

Am Donnerstag hat die dänische Regierung weitreichende Beschränkungen in der betroffenen Region Nordjütland erlassen. Man könne von einem reellen Lockdown in Nordjütland sprechen, sagte die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Dies sei notwendig, weil ein mutiertes Coronavirus das Risiko mit sich bringe, die Wirkung eines kommenden Impfstoffes zu beeinflussen. Alle Bürger in den betroffenen Kommunen werden aufgefordert, einen Corona-Test zu machen.

Für die Pelzgewinnung werden Nerze in kleinen Gitterkäfigen gehalten. Nerzfarm Rahden 2012
Auf vielen Nerzfarmen herrschen katastrophale Lebensbedingungen für die Tiere.
© Jan Peifer

Ausbrüche auf Nerzfarmen könnten Coronavirus mutieren lassen

Anders als bei anderen Tieren konnten Forscher unter Nerz-Populationen eine besonders hohe Corona-Rate feststellen. Die Sorge der Forscher: Die Farmen könnten zu waren Virusherden werden. Bei hohen Infektionszahlen könnte das Virus mutieren und sich in neuen Formen nicht nur unter den Tieren, sondern auch von Tier zu Mensch verbreiten – und damit auch weiter in der Bevölkerung.

Einige der Impfstoffe, die gerade mit Hochdruck entwickelt werden, könnten dadurch nutzlos werden, so Anders Fomsgaard vom dänischen Zentrum für Infektionskrankheiten im "DR". Denn möglicherweise wirkten sie nicht gegen die neu entstandenen Mutationen – ein Ende der Pandemie würde in weite Ferne rücken.

Niederlande verbietet Pelztierzucht vorzeitig

Auch in den Niederlanden wurden Tausende Nerze wegen Corona-Infektionen getötet. Die Niederlande haben darum beschlossen, ganz mit dem Züchten der Tiere aufzuhören. Die Regierung kündigte vor Kurzem das vorzeitige Ende der Pelztierzucht an. Bereits zum 1. März 2021 müssen alle Zuchtbetriebe dort stoppen.

Ob auch die dänische Regierung diesen drastischen Schritt erwägt, ist derzeit noch nicht klar. Sollte es wirklich so weit kommen, könnte es trotz Millionen toter Tiere ein Schritt in Richtung Ende der Pelzfarmen und damit auch Ende des Leids für die Tiere sein.

Nerzfarmen und Echtpelz seit Jahren in der Kritik

Nerzfarmen werden seit Jahren von Tierschutzorganisationen wie PETA kritisiert. Viele der Tiere müssen unter unwürdigsten Bedingungen leben und sterben. In zu kleinen Käfigen und oft mit viel zu vielen Artgenossen werden sie auf engstem Raum gehalten, um schließlich mit Kohlenmonoxid getötet zu werden. Eine Methode, die zwar den wertvollen Pelz schützt, viele Tiere jedoch nicht tötet, sondern nur betäubt. Oft wird den Nerzen anschließend bei lebendigem Leib der Pelz vom Körper gezogen.

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