Cyber-Attacke auf Google

Unbekannte, vermutlich aus China, haben sich in hunderte Konten des Google-E-Mail-Diensts gehackt.
© REUTERS, BOBBY YIP

02. Juni 2011 - 16:56 Uhr

Anbieter warnt seine Nutzer

Google gerät in die Schusslinie von Hackern: Ein weiteres Mal sollen Unbekannte aus China nach Angaben des Internetkonzerns in hunderte Konten seines E-Mail-Dienstes 'Gmail' eingedrungen. Zu den Geschädigten sollen auch ranghohe US-Regierungsmitarbeiter, chinesische Regimegegner, Journalisten, Militärs sowie Amtsträger aus Asien, vor allem aus Südkorea gehören.

Die Angreifer hätten sich mit einem Trick die Passwörter erschlichen und dann vermutlich den E-Mail-Verkehr ausspioniert, teilte Google-Sicherheitsexperte Eric Grosse im firmeneigenen Blog mit. Google habe die Attacke bemerkt und weitere Zugriffe verhindert. Die Geschädigten seien informiert und ihre Konten gesichert worden. Zudem habe Google die Behörden informiert.

Die Attacke soll aus der chinesischen Stadt Jinan heraus geführt worden sein, schrieb Google-Fachmann Grosse weiter. Er forderte alle Nutzer von 'Gmail', das in Deutschland 'Googlemail' heißt, zur Wachsamkeit auf. Sie sollten ihre Konten auf ungewöhnliche Einstellungen etwa bei der E-Mail-Weiterleitung überprüfen und sichere Passwörter verwenden. "Wir können nicht sagen, wer dafür verantwortlich ist", räumte Google-Sprecher Kay Oberbeck ein.

Die chinesische Regierung wies nun jede Mitschuld an der neuerlichen Attacke auf den Internetkonzern Google und seine Nutzer zurück. "Es ist absolut inakzeptabel, China die Schuld für diese Probleme zuzuschieben", sagte Außenministeriums-Sprecher Hong Lei in Peking. "Diese Hacker-Vorwürfe sind komplett haltlos und mit einem Hintergedanken gemacht worden."

US-Regierung: Kein Angriff auf Regierungs-Postfächer

Die USA gehen derweil nicht davon aus, dass beim Hackerangriff auf Google auf E-Mail-Postfächer der Regierung zugegriffen wurde. Es gebe keinen Grund für die Annahme, sagte ein Regierungssprecher in Washington. Die Regierung bemühe sich derzeit, alle Fakten zusammenzubekommen. Auch das FBI wurde eingeschaltet. Die Ermittlungsbehörde arbeite mit Google zusammen, teilte eine Sprecherin mit. Google hatte angegeben, dass unter anderem seien hochrangige US-Regierungsvertreter geschädigt worden.

Es ist nicht das erste Mal, dass Google und seine Nutzer das Ziel einer Cyberattacke aus China werden. Der Konzern war nach eigenen Angaben 2009 massiv angegriffen worden. Damals hatten Hacker versucht, E-Mail-Konten von Regimegegnern zu knacken und in Google-Systeme einzudringen. Google prangerte den Vorgang öffentlich an und ging auf Konfrontationskurs mit der chinesischen Führung.

Der Konzern wollte sich nicht mehr an die Zensur-Vorgaben Pekings halten. Erst nach langen Verhandlungen und einem Kompromiss wurde Googles Lizenz für die Volksrepublik verlängert. Der neue Fall dürfte das Verhältnis zwischen dem Internet-Konzern und den chinesischen Behörden wieder belasten. Google-Sprecher Oberbeck machte aber klar, dass sich die beiden Fälle klar voneinander unterscheiden: "Diese Kampagne hatte nicht die internen Systeme von Google zum Ziel, sondern sollte Passwörter von Nutzern abfangen", so Oberbeck.