Covid-Fälle: Ärzte und Rettungsdienste am Ende der Kräfte

Geräte stehen und hängen in einem leeren Zimmer auf einer Corona-Intensivstation. Foto: Fabian Strauch/dpa/Symbolbild
Geräte stehen und hängen in einem leeren Zimmer auf einer Corona-Intensivstation. Foto: Fabian Strauch/dpa/Symbolbild
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29. November 2021 - 18:00 Uhr

Cottbus/Frankfurt (Oder) - Ärzte und Rettungsdienste in Brandenburg haben in der Corona-Pandemie nach eigenen Schilderungen die Belastungsgrenzen überschritten. "Die Mitarbeiter sind nach anderthalb Jahren in der Pandemie ausgelaugt, es sieht schlecht aus", sagte der Geschäftsführer des Cottbuser Carl-Thiem-Klinikums (CTK) Götz Brodermann der Deutschen Presse-Agentur am Montag. "Ärzte und medizinisches Personal ist über Monate überbelastet worden, die Belastung mit Covid-Patienten und Regelversorgung ist hoch", berichtete auch der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg Peter Noack. Auch Rettungsdienste sind am Limit. Das Gesundheitsministerium sieht eine Zuspitzung der Lage.

Mit Stand Montag werden laut CTK-Geschäftsführer Brodermann 50 Covid-Patienten betreut, 13 von ihnen seien auf der Intensivstation. Das Klinikum ist einer der größten Versorger in Brandenburg. "Wir haben kontinuierlich steigende Fallzahlen an Covid-Patienten im Klinikum und auch in umliegenden Krankenhäusern". Belastend komme hinzu, dass es in den letzten acht Wochen zwei Corona-Ausbrüche im Klinikum gegeben habe. Patienten werden getestet, entwickelten aber teilweise erst drei Tage später Symptome. Darauf werde dann schnell reagiert. "Wir brauchen Maßnahmen, um die Kontaktbeschränkungen durchzusetzen und als zweites: Impfen, Impfen,Impfen", forderte der CTK-Geschäftsführer. Die Einrichtung ist Schwerpunktversorger im Süden, der derzeit Corona-Hotspot ist.

Nach Daten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin sind 532 von 625 Intensivbetten im gesamten Land derzeit belegt. Aktuell werden 591 Patienten mit Covid-19 in Kliniken behandelt, davon 138 auf Intensiv-Stationen.

Die Corona-Lage in Brandenburg spitze sich täglich weiter zu, sagte Ministeriumssprecher Dominik Lenz. Die Intensivbettenbelegung mit Corona-Patienten sei im gesamten Land mit 19,5 Prozent kurz vor der roten Linie, die bei 20 Prozent liegt. "Nach wie vor sind Kinder und Jugendliche in hohem Maße von Neuinfektionen betroffen", sagte Lenz.

In den vergangenen zwei Wochen seien 50 Patienten innerhalb des Landes verlegt worden, berichtete Ingolf Zellmann, Leiter der Leitstelle Lausitz. Dort ist die Zentrale Koordinierungsstelle für Luftrettung angesiedelt (ZKS). "Wir sind deutlich am Limit", beschrieb er die Lage. Die Rettungsdienste hätten längere Fahrzeiten, weil Patienten in nahen Krankenhäusern nicht mehr untergebracht werden können. Die übliche Versorgung laufe größtenteils nicht mehr.

Auch der Rettungsdienst in Frankfurt (Oder) ist überlastet. Einsätze müssten nach Dringlichkeit priorisiert werden, teilte die Stadt mit. Oberbürgermeister René Wilke (Linke) hat für Rettungsdienst und Feuerwehr den unbefristeten Ausnahmezustand erklärt. Damit ist es möglich, Rettungsmittel unter Heranziehung von Beschäftigten der Berufsfeuerwehr zu erhöhen.

Landesweit stieg die Sieben-Tage-Inzidenz auf 725,6. Damit liegt Brandenburg nach Angaben des Robert Koch-Instituts hinter Sachsen und Thüringen auf dem dritten Rang der Bundesländer und weit vor Berlin mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 371,5. Den höchsten Wert in Brandenburg verzeichnete weiter der Landkreis Elbe-Elster mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 1637,2.

Unterdessen richten die Kommunen mehr Impfstellen ein. So können sich etwa in Cottbus an einem Drive-In-Standort im Stadtteil Sachsendorf Interessierte impfen lassen. Ab Dienstag ist in der Stadthalle eine Impfstation eingerichtet, wie die Stadt mitteilte. Geimpft wird mit dem Impfstoff Moderna. Ab Dienstag in einer Woche (7.12) wird die überregionale Impfstelle in der Messehalle in Betrieb gehen.

Cottbus gehört wie auch Frankfurt (Oder) und fünf Landkreise zu den Corona-Hotspots. Dort gelten nächtliche Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte, weil die Inzidenzen an drei aufeinanderfolgenenden Tagen über dem Wert von 750 lagen.

KVBB-Chef Noack übte Kritik er an der Drosselung des Impfstoffs Biontech/Pfizer durch den Bund. Die Kassenärzte hätten das Ziel von 100.000 Impfungen pro Woche mit dem Land vereinbart. In der vergangenen Woche seien bereits 94.000 Impfungen erreicht worden. Seine Forderung an den Bund: "Bringt den Impfstoff und dann wird das Impfen in Brandenburg dynamisch weitergehen." Das Land hat eine Lieferung von 10.500 Moderna-Impfstoff-Dosen beim Bund bestellt.

Die seit Montag in vielen Jahrgangsstufen ausgesetzte Präsenzpflicht in den Schulen wegen der angespannten Corona-Lage wird nach Einschätzung des Bildungsministeriums zunächst nur von wenigen Schülerinnen und Schülern genutzt. "Nach unserer Einschätzung haben nur einige Eltern von dem Recht Gebrauch gemacht, ihre Kinder zuhause zu lassen", sagte Ministeriumssprecherin Ulrike Grönefeld am Montag.

Der Vorsitzende des Landeselternrats, René Mertens, sprach von einer klaren Entscheidung der meisten Eltern. Abfragen bei einigen Schulen hätten ergeben, dass jeweils nur eine Handvoll Schüler zuhause geblieben sei. "Die Eltern wollen ihre Kinder in der Schule haben, denn zuhause lernen sie nichts", sagte Mertens.

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Quelle: DPA