Heftiges Statement vom WWF zum Coronavirus

COVID-19 nur ein Vorgeschmack?

08. April 2020 - 20:32 Uhr

Experten erkennen an, dass die Ursache der Coronakrise unter anderem in einem problematischen Umgang mit der Natur liegt. So drastisch wie der WWF hat es aber bisher niemand formuliert.

„Das ist eine Krise mit Ansage“

Eberhard Brandes, Vorstand beim WWF Deutschland, erklärt: "COVID-19 ist eine globale Gesundheitskrise, verbunden mit dramatischen Einschnitten in unserem Alltagsleben. Doch zur bitteren Wahrheit gehört auch: Das ist eine Krise mit Ansage. Seit Jahren warnen Mediziner wie Umweltschützer, dass durch massive Naturzerstörung und den illegalen Wildtierhandel nicht nur die Gesundheit unseres Planeten, sondern auch unsere eigene Gesundheit in Gefahr ist."

Eberhard Brandes, Geschäftsführender Vorstand des WFF Deutschland
Eberhard Brandes, Geschäftsführender Vorstand des WWF Deutschland
© WWF Deutschland

Analyse des WWF zeigt bedrohliche Entwicklung

Das Statement erfolgt im Zusammenhang mit der Veröffentlichung einer WWF-Analyse zum Thema Pandemien und Biodiversität. Der WWF warnt vor wachsenden globalen Gesundheitsrisiken aufgrund von Umweltzerstörung.  So nimmt laut dem Papier die Gefahr weiterer Zoonosen zu – also von Krankheitserregern, die von Wild- und Haustieren auf Menschen überspringen.

Ausbrüche anderer Infektionskrankheiten, wie etwa Malaria, stehen zudem im direkten Zusammenhang mit Waldrodungen. Im schlimmsten Fall sei COVID-19 nur ein Vorgeschmack drauf, was uns drohen könnte, so die Warnung des WWF.

Intakte Natur als „Bollwerk gegen neue Krankheitserreger und Pandemien“

Der WWF-Vorstand fordert daher die Bundesregierung auf, im Sinne der nationale Gesundheitsvorsorge zu handeln, und sich für den Erhalt von Lebensräumen einzusetzen.

Entwicklungs- und Schwellenländern bräuchten technische wie finanzielle Unterstützung, um eine Schließung des illegalen und unregulierten Wildartenhandels und ein effektivere Kontrolle des legalen Handels, etwa mit Wildfleisch, umzusetzen.

Breite Zustimmung für Schließung von Wildtiermärkten

Hoffnungsvoll stimmen die Ergebnisse einer aktuellen WWF-Umfrage aus fünf betroffenen Ländern in Asien, darunter Thailand und Vietnam. Über 90 Prozent der Befragten würden es unterstützen, wenn ihre Regierungen die dortigen Wildtiermärkte schließen. Entsprechende Maßnahmen haben also die Unterstützung breiter Mehrheiten in diesen Ländern.

Die repräsentative Umfrage durch GlobeScan im Auftrag des WWF wurde zwischen dem 3. und 11. März in Hong Kong, Japan, Myanmar, Thailand und Vietnam durchgeführt.

Umweltministerin Svenja Schulze: Naturschutz als Lebensversicherung

German Environment Minister Svenja Schulze attends a news conference, on the coronavirus disease (COVID-19), in Berlin, Germany, April 2, 2020. REUTERS/Fabrizio Bensch
Umweltministerin Svenja Schulze bei einer Pressekonferenz zum Coronavirus.
© REUTERS, FABRIZIO BENSCH, MDA

Bundesumweltministerin Svenja Schulze sieht die Situation ähnlich wie der WWF. Rund 70 Prozent der bekannten Erreger, stammten ursprünglich aus dem Tierreich, darunter HIV, Ebola und SARS, sagte die SPD-Politikerin am 2. April in Berlin. Wenn Menschen und Tiere unnatürlich eng zusammenrückten, etwa auf Wildtiermärkten oder weil natürliche Lebensräume von Tieren zerstört würden, könne es "sehr gefährlich" werden. Naturschutz könne daher "zu einer Art Lebensversicherung" werden.

Schulze schlug vor, dass der Weltbiodiversitätsrat das Wissen zu diesen Fragen sammeln und der Politik zur Verfügung stellen solle. Sie mahnte, der illegale Wildtierhandel müsse mit "wirklich allen verfügbaren" Mitteln bekämpft werden.

TVNOW-Doku: Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus

Das Corona-Virus hält Deutschland und den Rest der Welt in Atem. Im zweiten Teil der TVNOW-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus" werden verschiedene Maßnahmen gegen das Virus vorgestellt.