Covid-19-Infektionen steigen sprunghaft: Schulschließungen

14. März 2020 - 11:32 Uhr

Tausende Schüler in Mecklenburg-Vorpommern bleiben von Montag an zu Hause, weil ihre Schule zum Schutz vor der Ausbreitung des Coronavirus geschlossen wird. Betroffen sind alle Schulen in Rostock und im Landkreis Ludwigslust-Parchim, wie Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Freitag in Schwerin ankündigte. Auch die Kitas und Horte bleiben dort zu.

Von Donnerstag bis Freitagnachmittag ist die Zahl der nachgewiesenen Infektionen mit Covid-19 in Mecklenburg-Vorpommern von 23 auf 33 gestiegen - ein Plus von 43 Prozent binnen eines Tages. Ein Grund, zur Eindämmung des Virus die Gangart zu verschärfen: Die Kirchen sagten ihre Gottesdienste ab, Theater viele Vorstellungen. Besuche in Kliniken und Altenheimen sind vielerorts untersagt.

Die Rostocker Kreuzfahrtreederei Aida Cruises stellt die Fahrten ihrer 14 Schiffe umfassenden Flotte wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zunächst bis Anfang April ein. In den kommenden drei bis vier Tage beenden die Schiffe geordnet ihre Fahrten an geeigneten Standorten, von denen die Passagiere nach Hause gebracht werden können, wie ein Aida-Sprecher am Freitag der Deutschen Presse-Agentur sagte. In Rostock schließt der Zoo für zwei Wochen.

Am Samstag tritt das Kabinett in Schwerin mit Vertretern der kreisfreien Städte und der Landkreise zusammen, um weitere Maßnahmen zu besprechen. Dabei könnten flächendeckende Schul- und Kitaschließungen beschlossen werden. Schwerins Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) sagte am Freitag: "Zu den Schul- und Kitaschließungen haben wir uns mit der Staatskanzlei auf ein möglichst landeseinheitliches Vorgehen verständigt, über das wir am morgigen Samstag gemeinsam mit den anderen Landräten und Oberbürgermeistern beraten werden." Der Landesschülerrat Mecklenburg-Vorpommern sprach sich bereits für die flächendeckende Schließung der Schulen in MV aus - wie in anderen Bundesländern bereits geschehen.

Allein im Landkreis Ludwigslust-Parchim gibt es 20.000 Schüler und 14.500 Kinder in Tagesbetreuung, wie ein Sprecher des Landkreises sagte. Eine Notbetreuung sei nicht geplant. "Wir wissen, dass dies eine Herausforderung für die Eltern ist", räumte Landkreissprecher Andreas Bonin ein. Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) sagte, er setze bei der Betreuung der Kinder und Jugendlichen auf ein "Netzwerk der Möglichkeiten" im Familien- und Freundeskreis.

Unter den neu festgestellten Fällen vom Freitag ist auch ein Bewohner der Asylbewerber-Erstaufnahmeeinrichtung im Schweriner Stadtteil Stern-Buchholz. Der 24-jährige Syrer habe bislang keine Symptome, so das Landesamt für Gesundheit und Soziales. Er sollte in eine Kommune umziehen und war deshalb getestet worden. Der junge Mann wurde in einem Einzelzimmer unter Quarantäne gestellt. Das Gesundheitsamt Schwerin ordnete einen Aufnahme- und Verlegungsstopp für die Erstaufnahme-Einrichtung an.

Der Landkreis Ludwigslust-Parchim schloss vorsorglich seinen Standort in Ludwigslust mit rund 600 Mitarbeitern. Sie sollen von zu Hause arbeiten. An der Universität Rostock wurde mit Ausnahme der Uni-Medizin der Betrieb bis 13. April eingestellt. Vorlesungsbeginn sei dann am 20. April, hieß es. Die Stadtvertretung Neubrandenburg verschob ihre für kommenden Donnerstag geplante Sitzung, die Kunstsammlung bleibt zunächst bis Mittwoch zu. Der Landkreis Vorpommern-Rügen untersagte von Samstag an alle Veranstaltungen mit mehr als 50 Teilnehmern.

Quelle: DPA