Countdown zur Bundestagswahl: Wissen Sie, wen Sie wählen?

Ausgang offen

Wissen Sie schon, wem Sie in zwei Tagen Ihre Stimme geben sollen? Oder haben Sie am Sonntag schon etwas Besseres vor? Bundespräsident Joachim Gauck jedenfalls appellierte noch einmal an die Wähler und Wählerinnen, ihr Recht auf eine Stimmabgabe wahrzunehmen: "Unsere Demokratie lebt davon, dass wir eine Stimme haben. Und diese Stimme nutzen. Sie lebt davon, dass Bürger andere Bürger auf Zeit damit beauftragen, die öffentlichen Dinge zu regeln. Und sie lebt davon, dass die Gewählten ihren Auftrag ernst nehmen."

Wahlkampf
Wahlkampf: Verzweifelter Endspurt der FDP auf Kosten der Union?
dpa, Peter Steffen

Also auch ein Appell an die, die um Ihre Stimme werben, an die Parteien und die Kandidaten. Denn die sind auf jede Stimme angewiesen, die letzten Umfragen vor der Wahl prognostizieren ein offenes Rennen: Schwarz-Gelb knapp vor oder gleichauf mit Rot-Rot-Grün. Das Problem dabei für Schwarz-Gelb: Die FDP kratzt mal von unten, mal von oben an der Fünf-Prozent-Hürde. Es könnte sein, dass die Liberalen den Einzug in den Bundestag nicht schaffen. Dann verlöre die Union ihren 'Lieblingspartner'.

Um diese Schmach zu verhindern, wirbt die FDP derzeit massiv für die Zweitstimmen der Unionswähler: 'Zweitstimme ist Koalitionsstimme' lautet ihr Motto. Das gefällt den Christdemokraten und Christsozialen überhaupt nicht. Sie kontern: Zweitstimme ist Kanzlerstimme. Fakt ist: Zwei Tage vor der Wahl streiten die Koalitionspartner miteinander um die Wähler.

Es ist genauso Tatsache, dass die FDP in Niedersachsen extrem erfolgreich war und unerwartet stark in den Landtag einzog – auf Kosten der CDU und der Regierungsverantwortung. Das soll auf jeden Fall diesmal verhindert werden.

Union: Zweitstimmenstreit mit FDP

"Ich rate uns allen, sich in den letzten Stunden vor der Bundestagswahl mit dem politischen Gegner auseinanderzusetzen und sich nicht gegenseitig die Stimmen streitig zu machen", sagte CSU-Chef Horst Seehofer der 'Welt'. Es gebe in Deutschland ein ausreichendes liberales Wählerpotenzial von deutlich über fünf Prozent. "Mit den richtigen Themen und dem richtigen Stil kann die FDP ihr eigenes Potenzial auch ausschöpfen", sagte Seehofer.

Zum Wahlkampfende hat die Union folglich noch einmal mehr als fünf Millionen Briefe verschickt, in denen sie um beide Stimmen der Wähler wirbt und die Zweitstimmenkampagne der FDP kontert. Zum Problem könnte am Ende die neue euro-kritische Partei Alternative für Deutschland (AfD) werden. Sollte sie den Einzug in den Bundestag schaffen, ist eine schwarz-gelbe, regierungsfähige Mehrheit unwahrscheinlich.

Und so kämpfen auch SPD, Grüne und Linke noch um die unentschlossenen Wähler. Bei einer Wahlkampfkundgebung auf dem Berliner Alexanderplatz sagte SPD Kanzler-Kandidat Peer Steinbrück: "In drei Tagen haben Sie es in der Hand einen Regierungswechsel in der Bundesrepublik Deutschland herbeizuführen. Sie allein haben es in der Hand. In drei Tagen können Sie die los sein."

"Wir werden alle dafür kämpfen, dass der Wechsel am Sonntag gelingt", betonte Katrin Göring-Eckardt von den Grünen, Steinbrücks erklärtem Wunschpartner. Die Linke hofft ebenfalls auf ein gutes Abschneiden: "Wenn sie der herrschenden Politik die rote Karte zeigen wollen, dann bitte wählen Sie Rot, aber richtig Rot, nämlich die Linke."

61,8 Millionen Wähler sind am Sonntag zur Stimmabgabe aufgerufen. Und natürlich wünschen sich alle Parteien, dass möglichst viele davon dies auch tun, denn, wie der Bundespräsident sagt: "Demokratie passiert nicht einfach, sie wird gemacht: von uns."