Er wäre eigentlich erst später an der Reihe gewesen

Heimlich vorgedrängelt: Bürgermeister in Cottbus schon gegen Corona geimpft

Der Oberbürgermeister der Stadt Cottbus, Holger Kelch (CDU), spricht von "schmerzhaften Einschnitten für die Lausitz und Cottbus". Foto: Ralf Hirschberger
Der Oberbürgermeister der Stadt Cottbus, Holger Kelch (CDU), spricht von "schmerzhaften Einschnitten für die Lausitz und Cottbus". Foto: Ralf Hirschberger
© deutsche presse agentur

08. Februar 2021 - 15:03 Uhr

Bürgermeister von Cottbus nur in Impfgruppe 3

Der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch hat sich heimlich impfen lassen. Der 53-Jährige ohne Vorerkrankungen ist in Impfgruppe 3, trotzdem wurde ihm, sowie dem Ordnungsdezernenten Olaf Berger, schon am 8. Januar eine Impfdosis verabreicht – unberechtigter Weise.

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Corona-Impfstoff vor der Vernichtung gerettet?

Es handelte sich dabei um einen Restimpfstoff, der bei einer mobilen Impfung in einem Cottbuser Altenheim ungeplant übrigblieb. Auf RTL-Anfrage sagt Kelchs Sprecher Jan Gloßmann: "Durch eine kurzfristige Initiative des mobilen Impfteams konnte erreicht werden, dass nicht eine einzige begrenzt haltbare Impfdosis vernichtet werden musste."

Die Impfverordnung des Bundes regelt ganz klar, dass auch bei übriggebliebene Impfdosen "zwingend Priorisierungsvorgaben einzuhalten" sind. Der Oberbürgermeister wäre also unberechtigterweise bevorzugt geimpft worden.

In Cottbus allerdings fehlen klare Regeln. Die Verteilung der Impfreste wird laut "Lausitzer Rundschau" mit dem Zufallsprinzip gerechtfertigt. Viele Cottbuser haben aber kein Verständnis für die Bevorzugung des Bürgermeisters, einige fordern sogar den Rücktritt, wie die Stadtverwaltung bestätigt. Sprecher Jan Gloßman sagt dazu: "Dieser Unmut ist verständlich angesichts der aktuellen Impfsituation, allerdings wäre die Alternative gewesen, Impfstoff zu vernichten. Das kann dann auch nicht die Lösung sein."

DRK-Chef wurde gefeuert

Ernsthafte Konsequenzen hatte ein ähnliches Vorgehen beim Chef des Deutschen Roten Kreuzes in Hamburg-Harburg, Harald Krüger (63). Er, sowie weitere Angestellte, die nicht im Außendienst tätig waren, hatten sich eigennützig impfen lassen. Krüger wurde daraufhin entlassen.

Wie es eigentlich laufen sollte, wenn bei Impfaktionen Impfdosen übrig bleiben, zeigt ein RTL-Reporter in Köln. Hier wurden im Januar Pflegekräfte und Ärzte aus den umliegenden Krankenhäusern über Restbestände informiert und ließen sich spontan impfen - und zwar ganz der Priorisierung entsprechend. Inzwischen regelt eine Ethikkommission, wer kurzfristig verfügbare Impfungen erhalten darf.

Inzwischen hat der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch übrigens auch seine zweite Impfung erhalten, wie die Stadtverwaltung auf RTL-Anfrage mitteilte. Ob es sich dabei ebenfalls um eine Restimpfung handelt, blieb offen.