Costa-Concordia-Unglücks-Kapitän Schettino: Wahl zwischen Tod oder Rettungsboot

Vor Gericht in Grosetto gab Costa-Concordia Francesco Schettino erneut seiner Crew die Hauptschuld an der Katastrophe.
Vor Gericht in Grosetto gab Costa-Concordia Francesco Schettino erneut seiner Crew die Hauptschuld an der Katastrophe.
© Jennifer Lorenzini / Splash News

11. Februar 2015 - 20:25 Uhr

Havarie-Kapitän glaubt: "30 Sekunden" fehlten zur Rettung

Francesco Schettino hat vor Gericht eine Mitschuld an der Havarie des Unglücksschiffes eingeräumt, zugleich aber seine Flucht von der Costa Concordia gerechtfertigt. "In jenem Moment zwischen sterben, untertauchen oder hinunterfallen, bin ich auf das Rettungsboot gegangen", sagte der umstrittene Kapitän vor Gericht im toskanischen Grosseto. Er sei bereit, einen Teil der Verantwortung zu übernehmen, so Schettino. Jedoch prangerte er erneut das Verhalten der Crew auf der Kommandobrücke an.

Hätte er die richtigen Daten bekommen und "30 Sekunden" mehr zur Verfügung gehabt, wäre das Rettungsmanöver gelungen. Nicht zum ersten Mal gab er der Besatzung des Schiffs eine Mitschuld. So hatte er in der Vergangenheit bereits Kommunikationsprobleme auf dem Schiff beklagt.

Verständigung mit Besatzung teilweise nur mit Gesten möglich

"Wenn ich mich als der einzige Schuldige sehen würde, wäre ich nicht zu einer Verhandlung wie dieser gegangen." Schettino sagte, der indonesische Rudergänger habe Befehle der Offiziere nicht verstanden. Die Sprache an Bord sei eigentlich Italienisch gewesen, aber mit vielen Besatzungsmitgliedern habe man sich nur mit Gesten verständigt.

Der Kapitän muss sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Die Costa Concordia war am 13. Januar vor drei Jahren vor der italienischen Insel Giglio auf einen Felsen gefahren und gekentert. 32 Menschen, darunter 12 Deutsche, starben. Schettino wird auch vorgeworfen, dass Schiff zu schnell verlassen zu haben.