Costa Concordia: Kapitän "mit Sicherheit" schuld

13. Januar 2013 - 9:36 Uhr

Hafenamt: Bei einem raschen Alarm hätten wohl alle überlebt

Die gegenseitigen Schuldzuweisungen nach der Havarie des Luxusliners vor der italienischen Insel Giglio nehmen zu, und sowohl das zuständige Hafenamt als auch die Reederei haben ihren Schuldigen gefunden. Bei einer Anhörung des Senats in Rom haben sie Francesco Schettino schwer belastet.

Kapitän "mit Sicherheit" schuld
Für Francesco Schettino wird es immer enger.

Die Verantwortung für den Schiffbruch liege "mit Sicherheit" bei Schettino, sagte der Generalkommandant des Hafenamtes, Admiral Marco Brusco. Bei einem rechtzeitigen Alarm hätte es wahrscheinlich keine Toten gegeben. Der Kapitän habe bei der Havarie vor zwei Wochen eine "kostbare Stunde" für die Rettung der etwa 4.200 Passagiere und Crewmitglieder verstreichen lassen.

Auch die Costa-Reederei widersprach Schettino, der gesagt hatte, ein Manager habe die Unglücks-Route nahe der Insel Giglio verlangt. "Dieses Manöver war nicht autorisiert. Wir waren darüber nicht informiert", erklärte Costa-Chef Pierluigi Foschi. Der Kapitän habe das allein entschieden. Costa-Manager Roberto Ferrarini gab sogar an, Schettino habe ihn gebeten, eine gemeinsame Version für den Ablauf der Ereignisse den Behörden gegenüber abzustimmen: Der Kapitän habe angeben wollen, dass das Schiff nach einem Stromausfall auf Grund gelaufen sei. Dies habe er abgelehnt, erklärte Ferrarini.

Die Ermittlungsrichterin legte in dem Beweissicherungsverfahren eine erste Anhörung auf den 3. März. Wegen des erwarteten Andrangs wird ein Theater in Grosseto der Schauplatz für den Termin sein, teilte Valeria Montescarchio mit. Dabei dürfte es vor allem um die Blackbox gehen, die auch die Kommunikation auf der Kommandobrücke am Abend der Havarie vom 13. Januar aufgezeichnet hat.

Viertes deutsches Todesopfer bestätigt

Ein Amateurvideo zeigt jetzt, wie unkoordiniert es nach der Havarie auf dem Luxusliner zuging. Familie Zara aus Sardinien macht sich gerade auf den Weg zum Abendessen. Die Videokamera läuft und der Vater ahnt nicht, was er an diesem Abend filmen wird. Dann, kurze Zeit später, bricht im Restaurant des Kreuzfahrtschiffs plötzlich Chaos aus. Das Schiff liegt in Schräglage.

Während die verängstigten Gäste von überforderten Kellnern nach draußen gewiesen werden, packen die Barkeeper in Seelenruhe die Flaschen zusammen. Familie Zara bahnt sich ihren Weg nach draußen. Die Kinder haben Angst. Niemand weiß in diesem Moment, was eigentlich los ist.

Dann kommt eine Durchsage: "Bitte bleiben Sie ruhig. Die Situation ist unter Kontrolle. Wir hatten ein Problem an den Generatoren. Deshalb hatten wir einen Blackout. Die Techniker arbeiten an dem Problem." Doch es herrscht Ratlosigkeit, bis schließlich die Rettungsaktion anläuft. Alle drängeln. Eltern mit kleinen Kindern versuchen, vorgelassen zu werden. Schließlich hat es auch Familie Zara geschafft. Sie ist in Sicherheit und wird an Land gebracht. Doch für viele andere an Bord geht das Unglück der Costa Concordia an diesem Abend nicht so glimpflich aus.

Heute geht die Suche nach den Vermissten weiter. 16 Todesopfer sind geborgen. Laut Auswärtigem Amt sind vier tote Deutsche identifiziert. Nach Polizeiangaben sind eine 52 Jahre alte Frau aus Mittelfranken, ein 66-jähriger Berliner und ein 74 Jahre alter Mann aus Hessen darunter. Acht Deutsche werden noch vermisst. Das Abpumpen von etwa 2.300 Liter Schweröl kann voraussichtlich nicht vor Samstag beginnen.