'Costa Allegra': Amateurvideos zeigen Zustände an Bord

11. Juli 2012 - 10:33 Uhr

Passagiere zurück in der Heimat erwartet

Ein Teil der Passagiere des im Indischen Ozean havarierten Kreuzfahrtschiffes 'Costa Allegra' wird heute zurück in der Heimat erwartet. Etwa 30 Prozent der 627 Urlauber hatten sich entscheiden, von der Seychellen-Hauptinsel Mahé noch am Donnerstagabend zurück nach Hause zu fliegen.

Die Passagiere des havarierten Kreuzfahrtschiffes 'Costa Allegra' werden in der Heimat erwartet.
Chaos nach der Ankunft der 'Costa Allegra' auf Mahé. Zwischen Journalisten und Kamerateams versuchen die Urlauber ihr Gepäck zu finden.
© dpa, Laurent Levy

Der Rest der Passagiere nahm ein Angebot der Reederei an und verbringt noch einen ein- bis zweiwöchigen Urlaub auf Kosten des Unternehmens in dem Inselparadies. Von den 38 deutschen Gästen wollten 15 unmittelbar zurück nach Hause, wie der Sprecher von 'Costa Kreuzfahrten' in Deutschland, Werner Claasen, mitteilte.

Drei Tage und drei Nächte ohne Strom und ohne Klimaanlage haben die Passagiere hinter sich. Amateurvideos zeigen die provisorischen Schlafgelegenheiten an Deck, das Essen und auch die gewöhnungsbedürftigen sanitären Anlagen. Die Reise hat bei einigen Passagieren tiefe Spuren hinterlassen. So berichtet ein deutscher Passagier gegenüber RTL-Reporter Roger Saha von einer "katastrophalen Situation" an Bord. Es sei sogar zu Prügeleien gekommen. "Unter Deck konnte man sich gar nicht aufhalten, denn die Luft stank", sagte er.

Rettung nach drei Tagen auf hoher See

Einige Passagiere hätten dem psychischen Druck nur schwer standhalten können. Man habe Angst gehabt, zu kentern. Es sei schon alles für das Verlassen des Schiffes vorbereitet worden und die Passagiere hätten an den Sammelpunkten für die Rettungsbote gestanden. Als dann wieder Ruhe einkehrte, kam die Angst vor Piraten dazu.

Menschen aus 25 Ländern hatten auf dem havarierten Schiff Urlaub gemacht, insgesamt waren etwa 1.000 Menschen an Bord, als am vergangenen Montag nach einem Brand im Maschinenraum Antrieb und Stromgeneratoren ausfielen. Bei tropischer Hitze versagten auch Klimaanlagen, Toiletten und die Wasserversorgung den Dienst. Zwei Schlepper und ein französischer Fischtrawler nahmen die manövrierunfähige 'Costa Allegra' auf den Haken und schleppten sie drei Tage und Nächte lang in den Hafen von Mahé.

Dort warteten auf die Unglücks-Passagiere bereits Busse, die sie in vorgebuchte Hotels brachten. Viele von ihnen fächelten sich wegen der Hitze Luft zu, als sie das Unglücksschiff verließen. Die 26-Tage-Seereise sollte eigentlich von Mauritius über Madagaskar durch den Suezkanal bis Savona in Italien führen.