Italien nach rasanter Ausbreitung abgeriegelt

Coronavirus: Was passiert bei einer Infektionskette in Deutschland?

Welche Folgen hätte eine Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland?
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27. Februar 2020 - 10:37 Uhr

In Italien gibt es bisher über 200 Infizierte und fünf Tote

Abgeriegelte Städte, menschenleere Gassen, rasant steigende Infektionszahlen - jedoch nicht in China, sondern in Italien. Die Ausbreitung des Coronavirus hat dort ein überraschendes Ausmaß erreicht, bisher gibt es über 200 Infizierte und sieben Tote (Stand 25.02., 10.30 Uhr). Damit steigt das Risiko einer Pandemie in allen anderen europäischen Ländern, so auch in Deutschland. Doch was passiert, wenn die Corona-Welle nach Deutschland schwappt?

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Ausbreitungsrisiko wie in Italien hierzulande moderat bis hoch

Mit der Vielzahl nachgewiesener Infektionen in Italien steigt wegen des Reiseverkehrs auch das Risiko einer Einschleppung von Covid-19 nach Deutschland. Das Risiko, dass anderswo in Europa ähnliche Cluster wie in Italien auftreten könnten, werde zurzeit als moderat bis hoch betrachtet, hieß es am Sonntagabend von der europäischen Präventionsbehörde ECDC. Einmal eingeschleppt könne sich das Virus schnell übertragen. ECDC-Direktorin Andrea Ammon erklärte, man rechne damit, dass es in den kommenden Tagen weitere Fälle in Italien sowie möglicherweise auch in anderen Teilen der EU geben werde.

EU-Währungskommissar Paolo Gentiloni zufolge ist die steigende Zahl der Infektionen in Italien kein Grund zur Panik. Die EU habe vollstes Vertrauen in die italienischen Behörden und die Entscheidungen, die sie träfen, sagte er. "Wir sorgen uns auch um mögliche Infektionen, aber es gibt keinen Grund zur Panik."

Bekämpfungsstrategie wird schrittweise angepasst

"Falls mehrere Fälle auftreten, die nicht mehr auf einen bereits bekannten Fall zurückgeführt werden können und deutlich würde, dass die Verbreitung auf Dauer nicht zu vermeiden ist, wird die Bekämpfungsstrategie schrittweise angepasst." Weiter heißt es in einer Mitteilung des Robert-Koch-Instituts (RKI): "Welche Auswirkungen eine mögliche Ausbreitung von SARS-CoV-2 auf die Bevölkerung in Deutschland haben würde, hängt von verschidredenen Faktoren ab, die heute noch nicht einschätzbar sind - unter anderem davon, wie schnell die Ausbreitung in Deutschland erfolgt, wie viele Menschen zeitgleich betroffen sind und wie schwer die Erkrankungen verlaufen."

"Grenzschließungen gehören im Moment nicht zu unseren Überlegungen"

"Grenzschließungen und ähnliche Maßnahmen gehören im Moment nicht zu unseren Überlegungen." Oliver Ewald vom Bundesministerium für Gesundheit fügte hinzu: "Wir haben es in Deutschland bisher geschafft, Infizierte zu isolieren und zu behandeln und so eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Das bleibt weiter unser Ziel."

Vom RKI hieß es, Ziel in Deutschland sei es, eine Erkrankungswelle hinauszuzögern, um zu vermeiden, dass die Covid-19- und die derzeitige Grippewelle zusammenfallen. "Wir müssen mit angemessenem Aufwand versuchen, die Ausbreitung zu verlangsamen, um einen intensiven Belastungspuls auf das Gesundheitssystem abzumildern", erklärte Prof. Dr. Christian Drosten vom RKI. "Die Zahl der Infektionen sollte über eine möglichst lange Zeit ausgedehnt werden."

Wie Sie sich vor einer Ansteckung schützen können, erklären wir hier.

Virus hat eine lange Inkubationszeit und wird deshalb erst spät bemerkt

In immer mehr Ländern fällt erst auf, dass das Virus längst große Kreise gezogen hat, wenn Menschen schwer erkranken oder sterben. So war es im Iran, so war es in Südkorea, so ist es nun auch in Italien. Und auch in etlichen anderen Ländern könnten längst Ausbrüche um sich greifen, von denen bisher niemand ahnt - auch in Deutschland. "Irgendwann wird es wahrscheinlich dazu kommen, dass unbemerkte Infektionen plötzlich bemerkt werden", erklärte Drosten.

Die wichtigsten Fragen zum Coronavirus beantwortet RTL-Medizinexperte Dr. Specht für Sie.