Jetzt äußern sich die Geschäftsführer

Vater verheimlichte Reise nach Heinsberg: Kinderklinik muss wegen Corona-Infektion schließen

Eine Klinik für schwer kranke Kinder musste schließen. (Symbolbild)
Eine Klinik für schwer kranke Kinder musste schließen. (Symbolbild)
© iStockphoto

19. März 2020 - 10:30 Uhr

Vater ist positiv auf Coronavirus getestet worden

Eine Klinik für schwer kranke Kinder in Baden-Württemberg musste schließen, weil der Vater eines Kindes über seine Reise nach Heinsberg log. Jetzt befinden sich alle kleinen Patienten in Quarantäne. Doch auch die Klinik selbst ist in Gefahr. Wir haben mit Roland Wehrle und Thomas Müller, den beiden Geschäftsführern der Einrichtung, gesprochen.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie jederzeit in unserem Live-Ticker +++

Vater war beruflich in Heinsberg

Die Nachsorgeklinik Tannheim in Villingen-Schwenningen kümmert sich um Familien mit krebs-, herz- und mukoviszidoseerkrankten Kindern. Seit dem Beginn der Corona-Ausbreitung habe die Klinik alle Eltern um schriftliche Bestätigung gebeten, dass sie sich zuvor nicht in einem der Risikogebiete aufgehalten haben.

Auch der betreffende Vater verneinte dies und unterschrieb das Dokument. Jetzt stellt sich heraus, dass er sich zuvor vier Stunden lang in Heinsberg aufgehalten hatte. Zehn Tage nach seinem Aufenthalt in der Gemeinde bei Aachen sei er positiv auf das Virus getestet worden.

"Ich gehe davon aus, dass er nachlässig gehandelt hat"

Geschäftsführer Roland Wehrle glaubt, dass die Falschaussage des Vaters nicht böswillig gemeint war: "Solche Familien haben in der Regel eine hohe Sensibilität. Sie sind alle betroffen, sie alle leiden mit den Kindern und kämpfen mit um deren Leben. Von daher gehe ich davon aus, dass er nachlässig gehandelt hat und es keine absichtliche Täuschung war. Nichtsdestotrotz erleben wir gerade, was auch das für Folgen hat."

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Harter Schlag für die kleinen Patienten der Kinderklinik in Villingen-Schwenningen

Wegen des zu hohen Risikos, das Coronavirus weiter zu verbreiten wurde die Klinik jetzt geschlossen. Patienten, Angehörige und Mitarbeiter mussten das Gebäude räumen und sich in häusliche Quarantäne begeben. "Wir haben jetzt 160 Personen nach Hause geschickt. Wir tun alles dafür, so schnell wie möglich die Reha wieder auf die Beine stellen zu können. Wir hoffen, dass es am 6. April klappt", so Geschäftsführer Roland Wehrle.

Auch für die Klinik selbst wird das zum Problem. Laut Betreiber weigert sich die Versicherung, für den entstehenden finanziellen Schaden aufzukommen. Zwar sei man gegen einen Betriebsausfall versichert, einen Virus-Fall decke das aber nicht ab. Das wird zu finanziellen Engpässen führen. Als letztes Mittel hält sich die Klinik noch offen, den betreffenden Vater rechtlich zu belangen. "Zum einen bin ich sehr betroffen, weil wir alle Familien nach Hause schicken mussten, zum anderen hat es natürlich wirtschaftliche Folgen. Wir erleiden dadurch große finanzielle Verluste", erklärt Geschäftsführer Thomas Müller.