Abschiednehmen während Coronapandemie

Sohn klettert jeden Tag zum Fenster, um sterbende Mutter zu besuchen

Palästina: Sohn verabschiedet seine Mutter am Krankenhausfenster.
Palästina: Sohn verabschiedet seine Mutter am Krankenhausfenster.
© CEN

24. Juli 2020 - 10:24 Uhr

Besuchsverbot wegen Corona: Sohn darf sterbende Mutter nicht sehen

Es sind herzzerreißende Szenen: Jihad Al-Suwaitis Mutter kämpft auf der Intensivstation um ihr Leben. Sie ist an Leukämie erkrankt und hat sich zusätzlich mit dem Coronavirus infiziert. Wegen der Pandemie darf ihr Sohn sie nicht besuchen, doch er findet trotzdem einen Weg, seine Mutter in ihren letzten Tagen im Krankenhaus bis zu ihrem Tod zu begleiten.

Nah im Herzen: Jihad Al-Suwaiti klettert jeden Tag zum Fenster seiner Mutter

Rasmi Suwaiti kämpfte gegen Leukämie, zudem infizierte sie sich mit dem Coronavirus. Sie wurde 73 Jahre alt.
Rasmi Suwaiti kämpfte gegen Leukämie, zudem infizierte sie sich mit dem Coronavirus. Sie wurde 73 Jahre alt.
© Central European News (CEN), CEN

Nähe durch Distanz: Jihad Al-Suwaiti durfte seine im Sterben liegende Mutter wegen der aktuellen Covid-19-Verordnungen nicht auf der Intensivstation besuchen. Doch der 30-Jährige fand einen Weg, seiner Mutter in ihren letzten Tagen trotzdem nah zu sein. Er kletterte jeden Tag mehrmals die Krankenhaus-Mauer in Hebron (Palästina) hoch – bis in den zweiten Stock, zum Fenster seiner sterbenden Mutter.

"Er verbrachte dort die meiste Zeit seines Tages und beobachtete den Zustand seiner Mutter vom Fenster aus", sagt ein Mitarbeiter des Krankenhauses gegenüber der britischen Zeitung "Mirror". "Er kam erst herunter, wenn er überzeugt war, dass seine Mutter eingeschlafen war." Die Hinweise, aus Sicherheitsgründen nicht auf das Fensterbrett zu klettern, ignorierte der junge Mann.

"Er stand unserer Mutter sehr nahe"

Als Jihad Al-Suwaiti erfuhr, dass sich der Zustand seiner Mutter weiter verschlechterte, versuchte er, in das Zimmer seiner Mutter zu gelangen. Doch es gelang ihm nicht. Fünf Tage wurde sie im "Hebron State Hospital" behandelt, hier ist sie gestorben. Lokale Medien berichten, dass sie kurz nach einem Besuch ihres Sohnes verstarb.

Auf die Nachricht ihres Todes soll Jihad Al-Suwaiti ungläubig reagiert haben. "Er stand unserer Mutter sehr nahe, besonders seit unser Vater vor 15 Jahren starb", sagt sein Bruder gegenüber "Mirror".

Rasmi Suwaiti kämpfte gegen Leukämie, zudem infizierte sie sich mit dem Coronavirus. Sie wurde 73 Jahre alt.