Verrammelte Bars, Hamsterkäufe und die Aufforderung, zuhause zu beten

Corona in der Türkei: So schränkt das Virus das Leben ein

Auch in der Türkei ist Toilettenpapier in Zeiten von Corona eine begehrte Ware.
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19. März 2020 - 10:09 Uhr

Von Kavita Sharma

Verrammelte Bars, Menschen mit Atemmasken und verändertes Einkaufsverhalten: Unsere Reporterin Kavita Sharma hat sich in der Türkei umgeschaut, welche Auswirkungen das neuartige Coronavirus dort mit sich bringt.

Ümit hofft, dass die Türkei die Krise schnell überwindet

Eine leere Bar: Kellner Ümit wartet auf Kundschaft.
Eine leere Bar: Kellner Ümit wartet auf Kundschaft.
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Im Stadtteil Besiktas wären an einem sonnigen Tag wie heute die Cafes und Bars voll. Jetzt sieht man zugezogene Rollläden.  Das Innenministerium hatte am Montag verordnet, dass alle öffentlichen Erholungs- und Vergnügungsorte erstmal schließen müssen, zum Beispiel Bars und Cafes. Restaurants stehen noch nicht auf der langen Liste des Ministeriums, aber ihnen bliebe die Kundschaft aus, erzählt uns Kellner Ümit.

"Es ist wie Fliegen fangen", sagt er uns. Normalerweise würden um die 600 Gäste täglich das Restaurant besuchen, an diesem Morgen waren es gerade mal drei. Viele blieben nun lieber zuhause, erzählt uns Ümit. Trotz der Flaute unterstützt der junge Mann die strengeren Maßnahmen. Ümit hofft, dass die Türkei die Corona-Krise so schneller überwindet.

"Bitte beten Sie zu Hause"

Eine leere Bar: Kellner Ümit wartet auf Kundschaft.
Vor der Apotheke warten zwei Frauen mit Sicherheitsabstand.
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Ein paar Straßen weiter besuchen wir eine Moschee. Am Eingang hängt ein Schild der Religionsbehörde Diyanet: "Bitte beten Sie zu Hause," steht dort. Das gemeinsame Beten fällt erstmal aus, solange ein Risiko durch die Corona-Pandemie besteht. Richtig so, findet der 66-jährige Cetin. Er steht vor der Moschee und genießt das schöne Wetter. Aus religiöser Sicht spreche nichts dagegen, zu Hause zu beten, die Behörden leiten die richtigen Schritte ein, um Schlimmeres zu verhindern, sagt uns der Rentner. Er mache sich noch keine Sorgen, fügt er hinzu.

Aber nicht alle sehen das so gelassen. Vor einer Apotheke warten zwei Frauen auf dem Bürgersteig. Die Apothekerin Esra Cikrikcioglu bedient sie vor der Tür, denn die Kundinnen haben Angst, sich möglicherweise anzustecken. In der Apotheke können sie nicht genug Abstand von anderen Kunden halten.  Cikrikcioglu findet das richtig, sie trägt eine Maske und sagt man müsse gerade die Apotheken schützen, es seien so viele Menschen darauf angewiesen, hier regelmässig ihre Medikamente zu bekommen. Eine Schließung wäre eine Katastrophe, gerade jetzt, sagt uns die 42-Jährige. Heute morgen seien ihnen schon die Schutzmasken ausgegangen, erzählt sie uns, aber inzwischen hätten sie glücklicherweise wieder Nachschub bekommen.

Die Leute kaufen Klopapier, Thunfisch-Konserven und Pasta

Ähnlich ist es in einem Supermarkt. Wir kommen gerade in dem Moment an, als neues Toilettenpapier in die Regale gestapelt wird. Der Verkäufer sagt uns, man hätte zwar genug auf Lager, aber die Leute würden deutlich mehr kaufen. Auch bei den Thunfisch-Konserven und der Pasta haben viele Kunden zugegriffen.

Aber wir treffen auch Menschen vor dem Supermarkt, die uns erzählen, sie würden so wie immer einkaufen und die nur mit ein oder zwei Tüten den Laden verlassen. Jetzt ist die Frage, ob die Regierung noch restriktivere Maßnahmen erlässt, wie schwer die Corona-Krise auch die Türkei treffen wird.