Insbesondere bezüglich Großveranstaltungen und Flug- und Bahnverkehr

Coronavirus: Krisenstab der Bundesregierung beschließt weitere Maßnahmen

Coronavirus-Krisenstab der Bundesregierung in Berlin.
© dpa, Kay Nietfeld, nie cul

29. Februar 2020 - 10:36 Uhr

Wie kann die Ausbreitung eingedämmt werden?

Die Zahl der Infektionsfälle mit dem neuartigen Coronavirus steigt weltweit stetig. Wie kann die Ausbreitung eingedämmt werden? Dazu hat der Krisenstab der Bundesregierung am Freitagabend in Berlin weitere Maßnahmen und Empfehlungen beschlossen. Diese beziehen sich insbesondere auf Ereignisse mit vielen Menschen sowie den Flug- und Bahnverkehr.

Verschärfte Maßnahmen bei Großveranstaltungen und Reisen

Im Kampf gegen die Ausbreitung des neuen Coronavirus in Deutschland sollen zusätzliche Schutzvorkehrungen greifen. So sollen Großveranstaltungen von umfassenden Risikobewertungen abhängig gemacht werden. Konkrete Entscheidungen liegen aber bei den Veranstaltern und zuständigen Behörden vor Ort. Sollten in Fern- und Regionalzügen Verdachtsfälle festgestellt werden, müssen Bahnunternehmen dies melden. Kommen sollen auch verstärkte grenznahe Kontrollen der Bundespolizei.

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Großveranstaltungen: Absagen und Einschränkungen möglich

Der Krisenstab beschloss als Empfehlung, bei der Risikobewertung unverzüglich Prinzipien des Robert-Koch-Instituts (RKI) zu berücksichtigen. Bei Anwendung dieser Kriterien sollten "unmittelbar bevorstehende internationale Großveranstaltungen wie die ITB abgesagt werden". Die weltgrößte Reisemesse ITB, die kommende Woche in Berlin starten sollte, wurde von den Veranstaltern am Freitagabend schon abgesagt.

In den Leitlinien des RKI heißt es: "Die Risiken sind nicht bei allen Veranstaltungen gleich groß." Daher sollten die Verantwortlichen eine sorgfältige Abwägung treffen. Höhere Risiken könnten etwa angenommen werden, wenn Menschen aus bekannten Risikogebieten oder Ältere mit Vorerkrankungen teilnehmen. Zu prüfen sei, ob eine enge Interaktion wie Tanzen vorgesehen ist oder Räume schlecht belüftet sind. Zudem könne es auf Desinfektionsmöglichkeiten für Besucher ankommen - oder darauf, ob Kontaktpersonen notfalls rasch ausfindig zu machen wären. Möglich sei, Veranstaltungen mit Auflagen zu erlauben, Teilnehmer auszuschließen - und Veranstaltungen zu verschieben oder abzusagen.

Bahnverkehr: Aussteigekarten bei Verdachtsfällen

Angeordnet wurden zudem Regeln für den bundesweiten Bahnverkehr. Bei Verdachtsfällen in allen Zügen des Regional- und Fernverkehrs müssen alle Fahrgäste "Aussteigekarten" mit Angaben zu ihrer Erreichbarkeit ausfüllen, um eine schnelle spätere Kontaktaufnahme zu ermöglichen. Dies gilt nicht nur im grenzüberschreitenden Verkehr, sondern etwa auch auf Strecken wie Hannover-Berlin. S-Bahnen seien nicht betroffen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums auf Anfrage.

Flugreisen: Angaben zur Gesundheit von Passagieren

Fluggesellschaften müssen künftig Angaben zur Gesundheit von Passagieren machen, die mit Maschinen aus insgesamt fünf Staaten kommen. Zusätzlich zu Ankünften aus China ist nun auch für Reisende aus Südkorea, Japan, Italien und dem Iran vor der Einreise der Gesundheitsstatus der Passagiere zu melden. Dies gilt ebenso für den Schiffsverkehr. Der Krisenstab hatte bereits beschlossen, dass Ankommende aus diesen Staaten "Aussteigekarten" ausfüllen müssen.

Ob Sie eine Reise in ein Risikogebiet stornieren können und was passiert, wenn Sie im Urlaub unter Quarantäne gestellt werden, erklärt RTL-Reiseexperte Ralf Benkö.

Verstärkte Personenkontrollen an den Grenzen

Die Bundespolizei soll außerdem ihre Kontrollen im 30-Kilometer-Raum an den Grenzen verstärken und dabei auch auf Corona-Verdachtsfälle achten. Erforderlichen Maßnahmen würden jeweils mit den örtlichen Gesundheitsbehörden abgestimmt. Das Bundespolizeigesetz erlaubt Personenkontrollen im Grenzgebiet bis zu einer Tiefe von 30 Kilometern zur Verhinderung unerlaubter Einreise oder zur Verhütung von Straftaten, die im Zusammenhang mit der Grenzsicherung stehen.

Zentrale Beschaffung von Schutzausstattung durch den Bund

Der Krisenstab beschloss außerdem, einen Vorrat an Schutzausstattung wie Atemmasken und Spezialanzügen - nicht nur für medizinisches Personal - anzulegen. Vorbereitet werden soll dafür eine zentrale Beschaffung durch den Bund. Der Expertenkreis, den Innen- und Gesundheitsministerium gemeinsam eingerichtet haben, soll sich nun zwei Mal pro Woche treffen. Die nächste Sitzung ist an diesem Dienstag vorgesehen.

Ob Atemmasken vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen, erklären wir hier.

Quelle: DPA/RTL.de