Wenn die Coronavirus-Krise keine andere Wahl lässt

Philologenverband: Abi zur Not auch ohne Abschlussprüfung

Wegen der Folgen der Coronavirus-Krise könnte das Abitur zur Not auch ohne Abschlussprüfung vergeben werden (Symbolbild).
© dpa, Karl-Josef Hildenbrand, kjh gfh axs

24. März 2020 - 12:29 Uhr

Prüfung fürs Abitur nicht zwingend erforderlich

Wegen der Folgen der Coronavirus-Krise könnte das Abitur zur Not auch ohne Abschlussprüfung vergeben werden. Ein solches Szenario hat die Vorsitzende des Philologenverbandes, Susanne Lin-Klitzing, nicht ausgeschlossen.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie jederzeit in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

Abi-Note aus vorherigen Klausurleistungen

Grundsätzlich sehe sie das Abitur nicht in Gefahr, sagte Lin-Klitzing dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): "Je nachdem, wie sich die Corona-Situation entwickelt, können die Prüfungen ja auch einfach etwas später durchgeführt werden." Sollte das nicht möglich sein, gebe es Alternativen.

Zwei Drittel der Abiturnote sind laut Lin-Klitzing bereits durch die Leistungen in den Kursen erbracht. Das letzte Drittel der Note solle eine Prüfungssituation abbilden. "Dafür brauchen wir die Abiturprüfungen aber nicht zwingend. Wir könnten diese Note nämlich auch aus vorherigen Klausurleistungen in den Prüfungsfächern berechnen", sagte die Vorsitzende der Interessenvertretung der Gymnasiallehrer. Sie betonte: "Wir können, wenn es notwendig sein sollte, auch ein Abitur ohne eigene Abiturprüfungen hinbekommen."

Schuljahr soll trotz Corona-Krise auf jeden Fall gewertet werden

Dass das Schuljahr wegen Unterrichtsausfalls annulliert werde, schließt die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig aus. "Das Schuljahr 2019/2020 wird auf jeden Fall gewertet", sagte die SPD-Politikerin dem RND. Auch sie betrachtet das diesjährige Abitur als gesichert. "Für den Fall, dass Abschlussprüfungen gar nicht durchgeführt werden können, wird es eine entsprechende Regelung geben, bei der die gegenseitige Anerkennung auch gesichert ist", sagte Hubig. Darauf hätten sich die Kultusminister auf ihrer letzten Sitzung geeinigt. Die Schüler sollten durch die besondere Situation keine Nachteile haben.

Lehrerverband: Bedingungen für Prüfungen unter Infektionsschutz-Beachtung schaffen

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, bemängelte: "Es ist ärgerlich, dass es bislang kaum Absprachen zwischen den Ländern gibt", sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Die Abiturienten wollen vor allem Verlässlichkeit. Verschiebungen können im Einzelfall sinnvoll sein. Aber die Länder sollten sich besser abstimmen." Auch wenn die Schulen weiter geschlossen sein sollten, müssten Bedingungen geschaffen werden, damit die Prüfungen geordnet und bei Beachtung größtmöglichen Infektionsschutzes stattfinden könnten. "Das muss jetzt oberste Priorität haben, damit unsere Abschlussschüler nicht ein Jahr komplett verlieren."

TVNOW-Doku: Stunde null – Wettlauf mit dem Virus

Das Coronavirus hält Deutschland und den Rest der Welt in Atem. Wie konnte es zur rasanten Verbreitung kommen, und was bedeutet der Ausbruch für unseren Alltag? Weshalb Wissenschaftler schon lange vor dem Ausbruch vor dem Virus gewarnt haben, erfahren Sie in der TVNOW-Doku "Stunde null – Wettlauf mit dem Virus".