"Das ist besser, als ohne Erprobungsphase ins neue Schuljahr zu starten"

Infektionsmediziner plädiert für Schulunterricht ohne Abstandsregeln noch vor den Sommerferien

Experten sind sich uneinig, was das Vorgehen bei der Wiedereröffnung der Schulen betrifft.
© dpa, Sebastian Kahnert, skh dna

30. Mai 2020 - 12:50 Uhr

In Schulen gilt aktuell eingeschränkter Regelbetrieb

Nachdem Schulen aufgrund der Coronavirus-Pandemie für einige Wochen schließen mussten, kehrt langsam wieder Normalität ein. Aktuell gibt es eingeschränkten Regelbetrieb mit zu befolgenden Abstands- und Hygieneregeln, die genaue Vorgehensweise variiert von Bundesland zu Bundesland. Eine Wiedereinführung von Schulunterricht ohne Abstandsregeln in der Corona-Krise ist nach Auffassung des Kieler Infektionsmediziners Helmut Fickenscher gerade vor den Sommerferien ein guter Zeitpunkt.

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Kleine Klassengruppen könnten gut voneinander getrennt werden

"Die bisher erfolgreiche Eindämmung des Virus macht dies vertretbar und man kann in den wenigen Wochen bis zu den Ferien Erfahrungen sammeln, bei Gefahrensituationen gegensteuern und hat die langen Ferien als zeitlichen Sicherheitspuffer" sagte Fickenscher der Deutschen Presse-Agentur. "Das ist besser, als nach den Ferien ohne eine solche Erprobungsphase ins neue Schuljahr ohne Abstandsregeln zu starten und dann möglicherweise in schwierige Situationen zu kommen." Außerdem könnten die kleinen Klassengruppen gut voneinander getrennt werden, sagte Fickenscher. Er ist Direktor des Instituts für Infektionsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein und Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten.

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Bisher nur wenig Anhaltspunkte, dass von Kindern große Ansteckungsgefahr ausgeht

Seit der Studie seines Berliner Kollegen Christian Drosten von der Charité sei klar, dass auch Kinder die Corona-Infektion durchmachen und auch diese Viren freisetzen, sagte Fickenscher. "Es gibt aber bisher nur wenig dokumentierte Anhaltspunkte, dass von Kindern große Ansteckungsgefährdungen bei diesem Virus ausgehen." Es sei daher schwierig zu beurteilen, welche Risiken genau bei Kontakten von Kindern mit alten Menschen oder anderen Risikopersonen bestünden.

Zu Beginn der sich rasch ausbreitenden Pandemie sei es richtig gewesen, "so vorsichtig wie möglich zu sein", sagte der Experte. Aber angesichts der aktuellen Situation sei es etwa in Schleswig-Holstein mit den niedrigen Zahlen an Neuinfektionen nicht mehr so einfach anwendbar. Es gehe jetzt um die Abwägung der Verhältnismäßigkeit von Einschränkungen und Risiken. "Wir haben in den vergangenen Wochen eine ganze Menge an Lockerungen erlebt und sind damit bisher überraschend gut gefahren."

Quelle: DPA/RTL.de

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