Eindrücke aus der US-Metropole New York City

Coronavirus in New York: Plötzlich schlummert die Stadt, die eigentlich niemals schläft

New York City am Abend: Die Stadt, die niemals schläft, schlummert
© RTL

18. März 2020 - 6:21 Uhr

von Hanna Klouth aus New York (USA)

Es ist gerade einmal 19 Uhr durch und eigentlich stürmen die Menschen jetzt nur so von der Arbeit, rein in die tausenden Restaurants und Bars, die diese Stadt zu bieten hat. Ich stehe fast alleine auf der Straße. Nur wenige Blocks von meiner Wohnung entfernt reiht sich an der Amsterdam Avenue auf der Upper West Side Bar an Bar, Restaurant an Restaurant. Jetzt sind sie alle leer. Es ist der erste Tag, an dem Bars, Restaurants, komplett geschlossen sind. Ironischerweise ist St. Patrick's Day. Ein Tag, an dem sonst Bars und Clubs aus allen Nähten platzen. Enge, feiernde Menschen, dicht an dicht - nicht in diesem Jahr.

Leere Touristenbusse, geschlossene Museen und Broadway ohne Shows

Leeres Café in New York City (USA)
Ungewohnter Anblick im Alltag, Normalität wegen des Coronavirus: ein leeres Café
© RTL

Cafes und Kaffeeketten haben ihre Möbel rausgeräumt. Es soll sich bloß keiner setzen nachdem er seinen Coffee to go bekommen hat. Ansonsten müssen sie mit hohen Strafen rechnen. Seit Tagen schon sind die Straßen leerer, die U-Bahnen auch. Touristenbusse, der Times-Square, New Yorks Touristenmagnet schlechthin, wie leergefegt.

Der berühmte Broadway mit seinen Shows, längst finden hier keine Vorstellungen mehr statt. Die Museen der Stadt sind geschlossen. Das Gefühl, wenn man durch diese Stadt läuft, hat sich spürbar verändert. Viele sind vorsichtiger geworden, so auch Linda. "Es ist wirklich eine Herausforderung jetzt nicht auszuflippen", sagt sie mir. Sie ist Hundesitterin und führt gerade den ihrer Nachbarin aus. Zumindest habe sie das noch, sagt sie mir. Das gebe ihr ein gutes Gefühl.

Trump hat seine Taktik geändert

Mir fällt auf, dass die meisten alleine unterwegs sind, höchstens zu zweit. Zumindest in meiner Nachbarschaft. Erst am Montag hatte der Präsident neue Richtlinien im Kampf gegen das Virus bekanntgegeben, unter anderem sollten Gruppen, die größer als zehn Personen sind, gemieden werden.

Überhaupt: Der Präsident hat seine Taktik geändert. Erst vergangene Woche riet er den Amerikanern noch "es wird vorbei gehen, bleiben sie einfach ruhig". Mittlerweile hält Trump täglich eine Pressekonferenz mit seinem Krisenstab ab und hat merklich seine Sprache verändert. "Wir müssen gegen diesen, uns bislang unbekannten Feind kämpfen", sagte Trump in dieser Woche und will jetzt auch mit einem Milliardenpaket die Wirtschaft stärken. Und direkt Hilfe zusichern. So sollen Schecks in den nächsten Wochen direkt an Amerikaner geschickt werden, die schon jetzt finanziell unter dieser Krise leiden.

“Wir machen uns wirklich Sorgen, was danach passiert”

New York City: Bar geschlossen, Hinweisschild an der Tür, ungenutzte Barhocker
Blick in eine geschlossene Bar, an der Tür hängt ein Hinweisschild
© RTL

Genau das ist es, was hier so viele befürchten: die Krise nach der Krise. New York lebt von Bars, Restaurants, dem Gefühl das Leben zu spüren. An jedem Tag in der Woche zu einer Party gehen zu können, egal zu welcher Uhrzeit, ob vor der Arbeit oder nach der Arbeit. Zu jeder Minute, zu jeder Sekunde in dieser Stadt alles zu bekommen, wonach einem gerade ist. Das alles ist großer Luxus, keine Frage. Aber es ist auch die Existenz tausender New Yorker. Eine Existenz, die von einem auf den anderen Tag nicht mehr da ist.

Restaurants, Bars, kleine Geschäfte, viele werden diesen Shutdown finanziell nicht überstehen und nicht wieder öffnen können. Angestellte werden ihre Jobs verlieren, oder haben sie schon verloren. "Wir machen uns wirklich Sorgen, was danach passiert", erzählen mir Jessica und Ash, "es ist gut, dass wir jetzt erstmal alles runterfahren und vielleicht hätte das schon früher passieren müssen. Aber vielleicht ist es jetzt noch rechtzeitig, um die Auswirkungen hinterher in Grenzen halten zu können." Die beiden habe ich übrigens getroffen, als sie gerade vor einem Restaurant auf ihr Essen warteten - zum Mitnehmen. So machen es viele.

New Yorks Bürgermeister schließt mittlerweile auch eine Ausgangssperre nicht mehr aus. New York und seine Bewohner müssen das Leben neu sortieren. Es wird ein anderes sein, wenn die Stadt, die eigentlich niemals schläft, plötzlich schläft.