Coronavirus in Italien

Deutsche Frauenärztin berichtet: So ist die Situation in einem Krankenhaus vor Ort

14. März 2020 - 13:07 Uhr

Videobotschaft von Dr. Judith Bildau

Dr. Judith Bildau ist deutsche Gynäkologin und lebt mit ihrer Familie in Italien – für uns berichtet sie regelmäßig von den Zuständen vor Ort. In einer ersten Videobotschaft hat sie uns bereits geschildert, wie der Alltag in Italien aussieht. Jetzt hat die Ärztin uns mehr über ihre Arbeit im Krankenhaus in der Toskana erzählt. Wie die Lage in dem Krankenhaus ist, in dem sie arbeitet, zeigen wir im Video.

Judith Bildau: Stimmung bei Ärzten und Patienten ist gedrückt

"Von Normalität ist aktuell keine Spur", beschreibt Judith Bildau die Situation in ihrem Krankenhaus. Sie ist dort in der Gynäkologie tätig. Im gesamten Krankenhaus würden derzeit nur Notfälle behandelt, der normale Patientenkontakt sei lahmgelegt, erzählt die Ärztin. Man mache sich auch dort zwar Sorgen und die Stimmung bei Patienten und Ärzten sei gedrückt, aber trotzdem könne man die Zustände nicht mit der Situation in Norditalien vergleichen.

Medizinisches System in Norditalien an Belastungsgrenze - Plätze auf Intensivstationen knapp

Die Krankenhäuser in den besonders betroffenen Zonen im Norden, etwa in der Lombardei, sind am Limit, Plätze in den Intensivstationen sind knapp. "Wir bewirken gerade Wunder, aber wir können nicht mehr lange so weitermachen", warnt beispielsweise Antonio Pesenti, Koordinator für Intensivstationen im Krisenstab der Lombardei. "Innerhalb von 15 Tagen haben wir die Zahl der Betten für die Beatmung um 50 Prozent erhöht, um dort Coronavirus-Patienten zu behandeln", zitiert ihn die Zeitung "Corriere della Sera". Es werde nun auf den Intensivstationen in der Lombardei zu eng.

Die Folge: Andere Patienten, ob mit Herzinfarkt oder nach einem Unfall, könnten zu kurz kommen, sagt er. Bei der Suche nach Ärzten und Pflegepersonal komme man ebenfalls an Grenzen. Zugleich gehen die Infektionszahlen weiter stark hoch: "Es ist fast unmöglich, länger als zwei Wochen mit diesen Rhythmen Schritt zu halten", warnt er.

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Italien verfügt über etwas mehr als 5.000 Intensivbetten - Deutschland über 25.000

Am 10. März befanden sich fast 900 Covid-19-Patienten in ganz Italien in Intensivbehandlung - mehr als die Hälfte davon in der wohlhabenden, wirtschaftsstarken Lombardei. Vor der Krise hatte das ganze Land mit seinen rund 60 Millionen Bürgern nach Behördenangaben 5000 Intensivbetten, inzwischen sind es mehr. Zum Vergleich: In Deutschland mit rund 80 Millionen Einwohnern wird die Zahl der Intensivbetten mit 25 000 bis 28 000 angegeben.

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