Zuschauerfragen und Fakten

Die wichtigsten Antworten zum Coronavirus

Dr. Christoph Specht beantwortet Ihre Fragen rund um das Thema Coronavirus.
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12. Februar 2020 - 10:14 Uhr

Stellen Sie hier Ihre Fragen an RTL-Medizinexperte Dr. Specht

Das Coronavirus breitet sich weltweit immer mehr aus. Auch in Deutschland gibt es vier bestätigte Fälle. Die Patienten befinden sich nach Angaben des bayerischen Gesundheitsministeriums in klinisch gutem Zustand. Dennoch ist die Sorge bundesweit bei vielen Menschen groß. RTL-Medizinexperte Dr. Christoph Specht gibt Ihnen die Antworten. 

+++ Nicole: Wenn das Virus ausbricht, wie lange ist man dann ansteckend? +++

Man weiß es nicht. Es gibt Virus-Erkrankungen, bei denen die ehemaligen Betroffenen über viele Monate ansteckend sind. Es spricht aber derzeit nichts dafür, dass das auch für Infizierte mit dem neuen Coronavirus gilt. Vermutlich sind es nur einige Tage.

+++ Vivien: Ab wann sollte man einen Arzt aufsuchen? +++

Wenn man jetzt Symptome verspürt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um eine Grippe oder Erkältung handelt, sehr viel größer. Eine Abklärung, ob es eine Infektion mit dem neuen Virus sein könnte, macht nur Sinn, wenn man entweder selbst kürzlich in China war oder Kontakt mit einem bestätigten Fall hier in Deutschland hatte. Das sind nach gegenwärtiger Kenntnis aber bisher nur vier Menschen.

+++ Anna: Wie kam das Coronavirus nach Deutschland? +++

Was wir wissen ist, dass eine Chinesin zu Besuch in Bayern in einer Firma war. Sie hatte keine Symptome. Die Frau hat dort offensichtlich eine Person angesteckt. Die Chinesin hat die Symptome erst entwickelt, als sie zurückgeflogen ist. Daher muss man davon ausgehen, dass das Virus schon übertragen werden kann, wenn man selber noch keine Symptome hat.

+++ Larissa: Kann man das Virus irgendwie aussterben lassen? Wenn ja, wie und wie lange würde das dauern? +++

Ja, darauf hofft man. Dazu ist es aber eben nötig, die Infektionskette zu durchbrechen, das heißt: Je weniger Menschen sich anstecken, desto weniger kann sich das Virus verbreiten und damit auch in seiner Art erhalten bleiben. Beim SARS-Virus war das ganz ähnlich. Nach etwa einem halben Jahr hatte man die Infektion so eingedämmt, dass kein Fall mehr aufgetreten ist.

+++ Alice: Wie lang ist die Inkubationszeit? +++

Nach allem, was man weiß, zwischen einem und 14 Tagen, wobei sich ein Gipfel bei etwa fünf Tagen herauskristallisiert. Das ist auch der Grund, warum die Rückkehrer aus China 14 Tage isoliert werden sollen, weil sich in der Zeit zeigen würde, ob sie Symptome entwickeln oder nicht.

+++ Bine: Wie wirkt sich das Virus bei Schwangeren aus? Besteht da Gefahr? +++

Schwangere können sehr wahrscheinlich genauso infiziert werden wie andere Menschen. Es gibt keine Berichte über die Schwere der Erkrankung und ob - wenn ja - wie weit das Kind betroffen ist.

+++ Nina: Kann man bedenkenlos nach Asien/ Thailand reisen? +++

Eine nicht wirklich notwendige Reise nach China würde ich momentan eher verschieben. Alleine schon deshalb, weil das öffentliche Leben in China durch den Ausbruch fast zum Erliegen gekommen ist. Reisen in andere Länder der Region halte ich aber derzeit für unkritisch. Solange man grundsätzliche Maßnahmen der Hygiene einhält und das sind vor allem nach Möglichkeit Abstand von Menschenmengen und häufiges Händewaschen.

+++ Nicole: Gab es inzwischen auch Menschen, die wieder als gesund entlassen werden konnten in China? +++

Laut chinesischen Berichten sind etliche Patienten geheilt entlassen worden. Es gibt meines Wissens nach keine darüber hinausgehende unabhängige Bestätigungen.

+++ Michelle: Können wir bedenkenlos beim Chinesen essen gehen? +++

Ich sehe überhaupt kein Problem dabei. Das Virus wird, so viel, wie wir wissen, inzwischen von Mensch zu Mensch übertragen. Und, um sich über ein Tier anzustecken, müssten die Tiere kurz vorher geschlachtet werden. Und diese Tiere müssten infiziert sein. Diese Wahrscheinlichkeit sehe ich für Deutschland quasi bei null.

+++ Anke: Was sollte ich als chronisch Kranke beachten? +++

Eine Ansteckung mit dem neuen Coronavirus hier in Deutschland ist extrem gering. Viel wichtiger ist es gerade für chronisch Kranke, sich gegen die Grippe impfen zu lassen. Weil wir wissen, dass chronisch Kranke von einer Infektion mit Influenzer besonders betroffen sind. Die Wahrscheinlichkeit, sich in diesen Wochen mit der echten Grippe anzustecken, ist deutlich größer.

+++ Lucas: Wie gefährlich ist das für Leute mit einem schwachen Immunsystem? +++

Menschen mit einem schwachen Immunsystem sind grundsätzlich anfälliger für Infekte. Aber die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem neuen Coronavirus hier in Deutschland anzustecken, ist derzeit extrem gering. So dass gerade für diese Personengruppe andere Infektionen im Vordergrund stehen. Deshalb gelten die zwei wichtigen Maßnahmen: 1. Impfung gegen die Grippe und 2. häufiges Händewaschen.

+++ Alexandra: Ist der Virus auch über Gegenstände übertragbar, z.B. über Waren aus China? +++

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht aktuell nach wie vor davon aus, dass das Virus nur ein paar Stunden, maximal wenige Tage auf Oberflächen existieren kann. Zwei Wissenschaftler aus Deutschland haben sich jetzt allerdings die Daten aus 22 Studien zu anderen bereits bekannten Coronaviren angeschaut und kommen zum Schluss, dass Coronaviren bis zu neun Tage auf Oberflächen nachgewiesen werden können und möglicherweise auch infektiös bleiben können.

Trotzdem sehe ich die Gefahr einer Infektion mit dem neuen Coronavirus über Oberflächen hier in Deutschland für sehr gering an. Das gilt auch für Waren, die aus China kommen. Die Ergebnisse aus den Studien sind Laborergebnisse und müssen nicht 1:1 auf die tatsächlichen Bedingungen übertragbar sein. Allein der Nachweis von Viren auf Oberflächen nach etlichen Tagen sagt noch nicht aus, ob die Menge der Viren, die man dann aufnehmen würde, ausreicht, um sich auch zu infizieren.

+++ Sally: Wie gefährlich ist das Coronavirus für Babys und kleine Kinder? +++

Bisher weiß man, dass zumindest in China das Coronavirus hauptsächlich für alte mehrfach erkrankte Menschen gefährlich ist. Aber es ist davon auszugehen, dass es auch Kleinkinder befallen kann. Es gibt allerdings bisher keine Angaben über Krankheitsverläufe bei Babys oder Kleinkindern.

+++ Miri: Wie würde eine Behandlung bei Babys und Kleinkindern aussehen? +++

Vom Prinzip genauso, wie beim Erwachsenen. Es gibt bisher kein Medikament dagegen und auch keine Impfung, aber man kann die Betroffenen symptomatisch behandeln. Das heißt: Fieber und Atemnot bekämpfen und den Kreislauf stabil halten. In dieser Form von Therapie sind schon viele wieder genesen.

+++ Michelle: Kann es sich auch auf Tiere z.B. Hunde übertragen? +++

Das neue Coronavirus kommt aus dem Tierreich und ist jetzt erstmalig vom Tier auf den Menschen übergesprungen. Diese Viren sind aber tierartspezifisch, das heißt: sie befallen nicht alle Tierarten. Es gibt derzeit keinerlei Hinweise, dass dieses Virus auch für Haustiere wie Hunde krankheitsauslösend wäre.

+++ Melanie: Helfen Atemschutzmasken gegen das Coronavirus? +++

Sehr begrenzt. Sie schützen mehr andere davor, wenn ich infiziert bin - damit ich nicht andere anstecke. Ansonsten lacht ein Virus eher über so ein Papier, weil Viren extrem klein sind und nicht nur an den Rändern durchflutschen, sondern tatsächlich mitten durchs Papier. Das Papier ist kein Hindernis. Wenn, dann müsste man schon FFP2- oder FFP3-Masken tragen. Für Deutschland ist das übertieben. Das machen wir erst, wenn wir Tausende von Infizierten haben.

+++ „Deutsche Corona-Patienten fühlen sich pumperlgesund“ +++

Wie geht es den den deutschen Corona-Patienten zur Zeit? Professor Clemens-Martin Wendtner vom Schwabinger Krankenhaus teilte RTL mit: "Die vier fühlen sich, auf bayrisch gesagt, pumperlgesund. Kein Fieber, keine Atemwegserkrankungen. Denen ist sehr langweilig und sie nerven die Ärzte mit der Entlassungsfrage."

+++ Natalie: Gibt es eine Impfung gegen das Coronavirus? +++

Nein. Es wird zwar daran geforscht, schon aus der Zeit von SARS und darauf kann man aufbauen. Das wird sicher dauern. Wenn es mal eine Impfung gibt, dann erst, wenn diese Epidemie vorbei ist. Es kann ein Jahr oder länger dauern.

+++ Fünfter Coronavirus-Fall in Frankreich +++

In Frankreich ist eine fünfte Infektion mit dem neuen Coronavirus bestätigt worden. Es handele sich dabei um die Tochter des ebenfalls erkrankten Touristen aus China, teilte das französische Gesundheitsministerium mit. Der Zustand des 80-Jährigen sei ernst, der Mann werde weiter in einem Pariser Krankenhaus behandelt. Außerdem habe sich der Zustand eines weiteren infizierten etwa 30-Jährigen verschlechtert, der seit Ende vergangener Woche behandelt wird. Derzeit sind rund 50 Infektionen mit dem Coronavirus außerhalb Chinas bestätigt.

+++ Leo: Gibt es Medikamente dagegen? +++

Nein. Derzeit nicht. Es gab zwar erste Forschungen dazu, zur Zeiten von SARS (2002/2003), sodass man auf diese Forschungen aufbauen kann. Derzeit gibt es aber keine spezifische Therapie oder ein spezielles Medikament dagegen. Die Chinesen haben versucht, ein Mittel gegen HIV einzusetzen, über die Wirksamkeit ist aber nichts bekannt.

+++ Zahl der Infektionen steigt auf 7.711 +++

Die Zahl der Infektionen und Todesopfer ist in China erneut gestiegen. Wie die Nationale Gesundheitsbehörde am Donnerstag mitteilte, stieg die Gesamtzahl der Todesfälle um 38 auf nun 170. Die Zahl der bestätigten Erkrankten stieg auf 7.711 Fälle in China. Nachdem auch Tibet die erste Erkrankung mit dem neuen Coronavirus gemeldet hatte, sind nun in allen Regionen und Provinzen Chinas Infektionen nachgewiesen. 

+++ Rudi: Wie schützt man sich am besten? +++

Es gelten die gleichen Schutzmaßnahmen wie auch bei der jährlichen Grippe: Menschenansammlungen meiden und vor allen Dingen Hände waschen, mit Wasser und Seife. Desinfektionsmittel braucht es nicht, das neue Coronavirus ist – wie übrigens auch das Grippevirus – behüllt und diese Hülle kann vor allem eins nicht ab: und das ist Seife. Wichtig ist dabei allerdings, dass man die Hände richtig wäscht und das heißt: 1. Lang genug (zwei Mal "Happy Birthday" – die ganze Strophe – singen) und 2. Auch die Zwischenräume der Finger und den Daumen nicht vergessen.

+++ Lufthansa streicht alle Flüge nach China +++

Die Lufthansa streicht ihre Flüge von und nach China. Europas größte Fluggesellschaft mit ihren Töchtern folgt damit angesichts des neuartigen Coronavirus ihrem Konkurrenten British Airways und anderen Fluggesellschaften, wie das Unternehmen am Mittwoch in Frankfurt bestätigte. Vorläufig bis zum 9. Februar sollen keine Maschinen von Lufthansa samt der Töchter Austrian und Swiss mehr nach China abheben. Neue Buchungen für China-Flüge sollen erst wieder ab 1. März entgegen genommen werden.