Finanztest

Coronavirus in Deutschland: Die wichtigsten Antworten für Beruf, Familie, Urlaub, Freizeit

18. März 2020 - 10:24 Uhr

Virus Sars-CoV-2 bestimmt unseren Alltag

Das Coronavirus hat innerhalb kürzester Zeit unseren Alltag auf den Kopf gestellt: Die Schulen und Kitas sind in fast allen Bundesländern geschlossen, weltweit werden die Grenzen dicht gemacht und über mobiles Arbeiten wird nicht mehr diskutiert - es wird einfach gemacht. Sogar König Fußball macht in Deutschland eine Zwangspause. Die Zeitschrift Finanztest erklärt in ihrer aktuellen Ausgabe, was das für Beruf, Alltag und Urlaub bedeutet.

+++ Alle wichtigen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker +++ 

Die Schule oder Kita ist geschlossen, ich muss jetzt mein Kind betreuen. Wie ist das mit meiner Arbeit und dem Lohn?

Müssen Sie zu Hause bleiben, weil Schule oder Kinder­garten geschlossen sind, informieren Sie umgehend Ihren Arbeit­geber. Grund­sätzlich müssen Eltern zunächst versuchen, eine Alternativbetreuung zu organisieren. Kann jedoch kein anderer die Betreuung über­nehmen und kann Ihr Kind nicht allein zu Hause bleiben, können Sie der Arbeit fern bleiben. In diesem Fall besteht auch grund­sätzlich ein Anspruch auf Lohn­fortzahlung. Das ergibt sich aus § 616 Absatz 1 BGB. Er regelt, dass Arbeitnehmer für kurze Zeit (die Ober­grenze liegt bei fünf Tagen) ohne Lohnkürzung vom Job frei­gestellt werden müssen, wenn es dafür unver­meid­bare und von ihm unver­schuldete Gründe gibt. Das gilt jedoch nicht immer: Der Anspruch darf im Tarif- oder Arbeitsvertrag oder durch Betriebs­ver­einbarung ausgeschlossen werden, zum Beispiel so: "Ein Vergütungs­anspruch besteht nur für tatsäch­lich geleistete Arbeit". Sprechen Sie in jedem Fall mit Ihrem Arbeit­geber.

Unser Betrieb muss vorüber­gehend schließen. Erhalte ich auch keinen Lohn mehr?

Die Schließung eines Unter­nehmens, ob freiwil­lig oder aufgrund einer behördlichen Anordnung, darf nicht zu Lasten der Arbeitnehmer gehen. Sie haben weiterhin Anspruch auf ihre Vergütung.

Hier lesen Sie, was Arbeitnehmer über Kurzarbeit in der Corona-Krise wissen müssen.

Wenn ich in Quarantäne bin, kann ich nicht arbeiten. Bekomme ich trotzdem Geld?

Jeder, der aufgrund behördlicher Anordnung in Quarantäne versetzt wurde und deswegen seine berufliche Tätig­keit nicht ausüben kann, erhält vom Staat eine Entschädigung für seinen Verdienstausfall. Das sieht § 56 des Infektions­schutz­gesetzes vor. Das gilt nicht nur für Arbeitnehmer, sondern auch für Selbst­ständige und Unternehmer. Für die ersten sechs Wochen erhält der Betroffene eine Entschädigung in Höhe des Verdienst­ausfalls, danach in der Regel in Höhe des geringeren Krankengeldes der gesetzlichen Krankenkassen.

Bei Angestellten zahlt vor­erst der Arbeit­geber für die ersten sechs Wochen. Die ausgezahlten Beträge werden diesem auf Antrag bei der zuständigen Behörde – meist das örtliche Gesund­heits- oder Versorgungs­amt – erstattet.

Achtung: Wer bereits krank­geschrieben ist, fällt nicht unter die Entschädigungs­regeln des Infektions­schutz­gesetzes. Erkrankte Arbeitnehmer erhalten die im Krank­heits­fall übliche Lohnfortzahlung in den ersten sechs Wochen und dann Krankengeld von ihrer Krankenversicherung.

Ich habe einen leichten Infekt. Kann ich mich jetzt auch per Telefon krank schreiben lassen?

Die Kassen­ärzt­liche Bundes­ver­einigung (KBV) und der Spitzen­verband der gesetzlichen Kranken­versicherung haben sich entschlossen, die Ärzte in der Coronavirus-Krise zu entlasten. Patienten, die aufgrund von leichten Atemwegs­erkrankungen zu Hause bleiben und sich auskurieren möchten, können ab sofort eine Krank­schreibung über sieben Wochentage von ihrem Arzt bekommen. Sie müssen dafür nicht persönlich in der Praxis erscheinen, es reicht ein Telefonat mit dem Arzt. Die neue Regelung gilt seit dem 10. März 2020 und ist zunächst auf vier Wochen begrenzt. 

Was gilt für Besucher von Pfle­geheimen und Krankenhäusern?

In Pfle­geheimen und Krankenhäusern befinden sich Menschen, die ein höheres Risiko für einen schwere Verlauf von Covid-19 haben. Bundes­weit haben viele Einrichtungen die Besuchs­zeiten für Angehörige einge­schränkt, einige Heime lassen gar keine Besucher mehr ein.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat einen Leitfaden für Alten- und Alten­pfle­geheime herausgebracht.

Kann ich eine gebuchte Reise in betroffene Gebiete kostenfrei stornieren?

Die Angst vor Anste­ckung mit dem Coronavirus allein reicht nicht aus, um eine Pauschal­reise ohne finanzielle Einbußen abzu­sagen oder abzu­brechen. Wenn das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für das Reiseziel herausgibt, ist eine kostenfreie Stornierung möglich. Reisehin­weise des Auswärtigen Amts reichen für eine kostenlose Stornierung in der Regel nicht aus.

Kunden können allerdings eine Pauschal­reise kostenfrei stornieren, wenn am Urlaubs­ort oder in dessen unmittel­barer Nähe "unver­meid­bare und außergewöhnliche Umstände" auftreten, die die Durch­führung der Pauschal­reise oder die Beför­derung von Personen an den Ziel­ort erheblich beein­trächtigen. Das sollte im Fall der Corona-Krise gegeben sein. So sind Rund­reisen wegen der Abriegelung ganzer Städte oft gar nicht wie geplant durch­führ­bar. Dazu kommt die Ansteckungsgefahr. Diese außergewöhnlichen Umstände können Reisende zum kostenlosen Rück­tritt vom Reise­vertrag berechtigen. Auch Veranstalter können Reise­verträge aus diesen Gründen kündigen. In beiden Fällen wird der Reise­preis erstattet. Schaden­ersatz steht Touristen aber in der Regel nicht zu.

Urlauber, die sich bereits in einem betroffenen Gebiet aufhalten, können ihre Pauschal­reise unter diesen Umständen möglicher­weise ebenfalls kostenfrei abbrechen. Weitere Tipps gibt es hier von RTL-Reiseexperte Ralf Benkö.

Was gilt bei Reisen mit der Deutschen Bahn?

Kunden mit Fahr­karten für den Fern­verkehr der Deutschen Bahn können dann kostenfrei stornieren, wenn deren Reise­anlass aufgrund des Coronavirus abge­sagt wurde, etwa bei Absagen von Messen oder Konzerten. Dasselbe gilt, wenn das gebuchte Hotel am Ziel­ort – auch im Ausland – unter Quarantäne steht.

Betroffene Reisende sollen sich an die Verkaufs­stellen oder den Kunden­service der Deutschen Bahn wenden. Außerdem gibt es eine Kulanz­regelung für Fahr­gäste, die Fahr­scheine in die vom Coronavirus betroffenen italienischen Gebiete haben. Kunden, die ihre Reise nicht mehr antreten möchten, können sich den Ticket­preis kostenfrei erstatten lassen.

Ich habe ein Ticket für eine Veranstaltung. Erhalte ich mein Geld zurück, wenn sie abge­sagt werden muss?

Ist es einem Veranstalter aufgrund einer behördlichen Maßnahme unmöglich, ein Konzert, eine Messe, ein Festival oder eine andere Groß­ver­anstaltung durch­zuführen, sind auch Besucher nicht mehr verpflichtet, den Eintritts­preis zu bezahlen. Sie können dann Erstattung des Ticket­preises vom Veranstalter verlangen.

RTL.de-Doku: Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus

Das Corona-Virus hält Deutschland und den Rest der Welt in Atem. Wie konnte es zur rasanten Verbreitung kommen und was bedeutet der Ausbruch für unseren Alltag? Warum Wissenschaftler schon lange vor dem Ausbruch vor dem Virus gewarnt haben, erfahren Sie in der RTL.de-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Corona-Virus".