Neue Variante um Vielfaches ansteckender

Hilft ein Impfstoff auch gegen Corona-Mutationen?

Die neue Mutation des Coronavirus hat vier- bis fünfmal mehr "Stacheln".
Die neue Mutation des Coronavirus hat vier- bis fünfmal mehr "Stacheln".
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22. Juni 2020 - 11:21 Uhr

Forschungsinstitut testet Wirksamkeit an mutierten Viren

Die ganze Welt wartet auf einen Impfstoff gegen das Coronavirus. Doch wird der auch wirken, wenn das Virus mutiert? Denn das passiert Forschern zufolge ständig, und eine neue Version ist sogar um ein Vielfaches ansteckender als die Ursprungsform. Wir haben mit Prof. Hyeryun Choe, die die Corona-Mutation mit ihrem Team vom Forschungsinstitut Scripps Research in Kalifornien (USA) untersuchte, darüber gesprochen.

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Neue Virus-Variante greift 10-mal mehr Zellen an

Seit den ersten Infektionen hat sich das neue Coronavirus Sars-CoV-2 genetisch verändert – denn "Viren mutieren ständig auf zufällige Weise", erklärt Prof. Choe. "Die meisten der Mutationen haben keinen Effekt oder verschlechtern die Leistung des Virus; diese werden schnell verdrängt. Manche Mutationen sind aber von Vorteil für den Virus, also werden sie behalten."

So lief es offenbar auch bei einer Mutation, bei der die Zahl der typischen "Stacheln" am Viruskörper teilweise um das Vier- bis Fünffache erhöht sind, wie ntv.de berichtete. In Zellkultur-Versuchen zeigte sich, dass diese Variante viel ansteckender ist als die ursprüngliche: "Wir haben gesehen, dass das mutierte Virus fast 10-mal mehr Zellen angreifen kann als das nicht-mutierte." Laut Prof. Choe scheint diese Mutation bereits einen Siegeszug angetreten zu haben: Seit Mai dominiert sie in Europa und Nordamerika. "Drei von vier Infizierten in Deutschland haben die mutierte Form, vielleicht sogar mehr. Sie durchleben sie also bereits."

Ist das mutierte Virus gefährlicher?

Ist die neue Form des Coronavirus also gefährlicher? Ja und nein, sagt Prof. Choe. "Die Übertragbarkeit ist höher. Die Chance, sich zu infizieren, ist bei diesem mutierten Virus höher, wenn man sich nicht schützt. Aber bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass die Menschen stärker erkranken oder häufiger sterben."

Das Gute sei außerdem, dass die Menschen in Europa bereits ohnehin sensibilisiert dafür sind, wie hoch die Ansteckungsgefahr bei Corona ist. Die wirksamsten Schutzmaßnahmen seien dieselben: "Abstand halten und Maske tragen, die Hände sauber halten und sich nicht ins Gesicht fassen", so die Professorin für Mikro- und Molekularbiologie sowie Biochemie.

Möglicher Impfstoff wirkt auch gegen Mutation

Die Befürchtung, dass ein Impfstoff gegen diese ansteckendere Form des Virus machtlos wäre, kann Prof. Choe zum Glück zerstreuen: "Wir haben das erwartet und die potenzielle Wirksamkeit in einem Experiment verglichen. Die Impfstoffe, die gerade entwickelt werden, basieren auf der nicht-mutierten Version des Virus. Sie sind aber gegen den mutierten Virus genauso effektiv. Hätte das Ergebnis gezeigt, dass er das nicht tut, wäre das eine Riesensache gewesen – aber zum Glück war das nicht der Fall."

Die Wissenschaftlerin betont allerdings: "Man kann nicht vorhersagen, welche Mutation was macht, welche von Dauer sein wird oder welche den Virus noch schlimmer macht. Es kann sein, dass in der Zukunft andere Mutationen auftreten, bei denen ein Impfstoff nicht gleich gut anschlägt – sie könnten resistent sein." Eine Studie wie die des Scripps Research Instituts müsse also für jede zukünftige Mutation durchgeführt werden.

Ob das vielversprechende Medikament Dexamethason zur Behandlung von Covid-19 auch bei Mutationen eingesetzt werden kann, erklären wir hier.

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