In Restaurant, Bahn und zu Halloween

Wie kommen wir Corona-sicher durch den Herbst?

Auch wenn man im Herbst noch viel draußen sein kann, es wird kälter - das freut wiederum das Coronavirus. Doch wie können wir uns schützen?
© iStockphoto, MARIA PAVLOVA

08. September 2020 - 10:58 Uhr

Es wird kälter - das freut das Coronavirus

Picknick im Park, Essen im Biergarten und baden am See: Im Sommer konnten wir uns dank warmer Temperaturen weitestgehend draußen aufhalten, uns Corona-sicher verteilen und Abstand halten. Kühlen die Temperaturen im Herbst und Winter ab, zieht es uns wieder nach drinnen – ganz zur Freude des Coronavirus. Denn das mag geschlossene Räume, Kälte und wenig Luftzirkulation deutlich lieber. Grund genug, um vorsichtig zu sein. Doch wie sollten wir uns verhalten, um uns in Herbst und Winter nicht mit dem Coronavirus anzustecken? RTL-Medizinexperte Dr. Christoph Specht gibt Tipps, wie wir Corona-sicher durch den Herbst kommen.

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Im Herbst kommen 2 alte Bekannte zurück

Der metereologische Herbstanfang ist schon seit dem 1. September da und auch die Temperaturen lassen uns allmählich ahnen: Der Sommer ist langsam vorbei. Das ruft zwei alte Bekannte wieder auf den Plan, die beide für die Übertragung des Coronavirus zuständig sind.

Zum einen ist das die Schmierinfektion: Wir fassen irgendwo hin, nehmen Viren und Bakterien auf und greifen uns danach ins Gesicht. Während eine solche Infektion im Sommer nicht so gut klappt, weil das Coronavirus nicht so lang überleben kann, fühlt es sich bei Kälte gleich viel wohler, erklärt Dr. Specht. Die Infektionsgefahr ist darum generell höher im Winter.

Zum anderen spielt die Tröpfcheninfektion wieder eine größere Rolle: Die betrifft einerseits große sichtbare Tröpfchen, die durch Niesen oder Husten übertragen werden, und andererseits Aerosole, über die das Virus durch die Luft weitergegeben wird. Auch hier ist die Gefahr im Herbst und Winter größer, weil wir uns häufiger in geschlossenen Räumen aufhalten.

Was also tun, wenn es draußen kälter und drinnen gefährlicher wird?

Im Restaurant: Lieber im Kalten draußen dick einmummeln oder im Warmen drinnen sitzen?

Wenn möglich sollten wir im Restaurant besser draußen sitzen als drinnen, rät Dr. Specht. In Büros, Gaststätten und Verkaufsräumen müsste einer Studie der Bundeswehr-Universität in Neubiberg zufolge pro Stunde das 4- bis 8-fache des Raumvolumens an Frischluft zugeführt werden, um Menschen und Gebäude vor Schadstoffen zu schützen. Sind bereits Viren in der Raumluft enthalten, steigt die Luftwechselrate auf das 12- bis 15-fache. Um das zu gewährleisten, müsste quasi dauergelüftet werden. Spätestens im Winter ist das aber nicht mehr möglich, ohne Energie zu verschwenden oder Menschen auf andere Weise gesundheitlich zu gefährden.

Eine andere Möglichkeit sind raumluftreinigende Anlagen, die die Luft im Raum gegen Frischluft austauschen. Diese müssten allerdings entsprechend eingestellt und gewartet werden, um sicher zu sein. Eine Klimaanlage, die die Luft im Raum nur über Umluft verteilt, erhöht das Ansteckungsrisiko hingegen.

Der Besuch in Restaurant, Kneipe oder Café ist also in Ordnung, allerdings besser, wenn konsequent gelüftet wird oder eine entsprechende Lüftungsanlage installiert ist. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, bleibt lieber draußen und setzt sich zum Beispiel unter einen Heizpilz, empfiehlt Dr. Specht.

Restaurantbesuch oder Spieleabend zu Hause - was ist sicherer?

Wem im Restaurant zu viele Menschen sind, der entscheidet sich oftmals lieber für einen Koch- oder Spieleabend mit Freunden zu Hause. Das ist im Prinzip sicherer, wenn man dort den gleichen Abstand und die gleichen Hygieneregeln einhält wie im Restaurant, erklärt Dr. Specht. Allerdings nicht, wenn einer der Freunde, die man trifft, infiziert ist. Sicherer ist es nur, weil man nicht mit noch mehr Menschen in Kontakt kommt, bei denen man sich beispielsweise in geschlossenen Räumen über Aerosole anstecken kann.

Rad, Auto oder Bahn - womit fahren wir am sichersten?

Kaum wird es draußen kühler, werden Busse und Bahnen wieder voller. Wer im Sommer gerne hin und wieder aufs Fahrrad gestiegen ist, wechselt bei Regen und Kälte schnell auf die öffentlichen Verkehrsmittel. In denen wird's dann schnell eng, Abstand halten automatisch schwieriger. Zwar kann man Busse und Bahnen auch im Herbst und Winter weiter nutzen – vor allem mit Maske, sagt Dr. Specht. Risikoärmer ist es aber, sich dick einzupacken und allein mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs zu sein. Allerdings sollte man hier auch nicht fahrlässig handeln. Wer sich nicht sicher auf dem Fahrrad fühlt, sollte gerade bei Laub und Regen im Herbst nicht damit anfangen, sonst steigt vor allem die Unfallrate.

Wie sollten wir uns bei St. Martins-Umzügen, Halloween & Co. verhalten?

So lange Umzüge oder Halloween-Aktivitäten draußen stattfinden, ist alles in Ordnung, erklärt Dr. Specht. An Abstands- und Hygieneregeln sollte sich aber auch hier gehalten werden.

Wie sollten wir uns gegenüber unseren Mitmenschen verhalten?

Man steckt sich vor allem bei Menschen mit dem Coronavirus an, die nicht wissen, dass sie infiziert sind, erklärt Dr. Specht. Also Menschen, die zum Zeitpunkt des Kontakts noch keine Symptome haben und sich darum gesund fühlen. Einige Tage später treten dann erste Symptome auf, allerdings ist es dann zu spät. Darum rät der Medizinexperte: "Man sollte sich so verhalten, als könnte man Corona haben."

Konkret heißt das: Auf Händegeben, Umarmungen und näheren Kontakt verzichten, Maske tragen, Abstand halten, sich möglichst viel draußen aufhalten und sich regelmäßig die Hände waschen. Und alles, nicht um vorrangig sich selbst, sondern um andere zu schützen.

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