Unklar, ob Baby sich über das Stillen angesteckt hat

Forscher weisen Coronavirus erstmals in Muttermilch nach

Erstmals wurde das Coronavirus in Muttermilch nachgewiesen

22. Mai 2020 - 16:37 Uhr

Mutter und Baby an Covid-19 erkrankt

In der Muttermilch einer mit Sars-CoV-2 infizierten Frau haben Forscher aus Ulm erstmals das Erbgut der Viren nachgewiesen. Auch der Säugling der Frau sei am Coronavirus erkrankt, wie die Wissenschaftler mitteilten. Noch sei aber unklar, ob das Baby sich tatsächlich über die Muttermilch angesteckt hat.

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Virologen hatten Muttermilch auf Corona-Erbgut untersucht

Die Wissenschaftler um Jan Münch und Rüdiger Groß von der Universität Ulm veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachjournal "The Lancet". Die Virologen hatten die Muttermilch von zwei Frauen,, die sich nach der Entbindung im Krankenhaus zusammen mit ihren Neugeborenen ein Zimmer teilten, auf Erbgut (RNA) des neuen Coronavirus untersucht. Als eine der Frauen Krankheitssymptome entwickelte, wurde sie mit ihrem Neugeborenen isoliert; beide wurden positiv auf Sars-CoV-2 getestet. Die Zimmernachbarin bemerkte erst später Symptome, wurde dann aber - ebenso wie ihr Kind - auch positiv getestet.

Nach 14 Tagen war kein Virus mehr in der Muttermilch nachweisbar

In den Muttermilch-Proben der zuerst erkrankten Frau fanden die Wissenschaftler keine Hinweise auf das neue Coronavirus. Das Ergebnis bei den Proben der zweiten Mutter war dagegen vier Mal positiv. Woran das liegt, sei derzeit noch nicht klar, sagte Münch. Nach 14 Tagen sei kein Virus mehr in der Muttermilch nachweisbar gewesen und die Mutter sowie ihr Kind erholten sich von Covid-19.

Weiterhin unklar, ob Coronaviren durch das Stillen übertragen werden

Die später erkrankte Mutter hatte beim Umgang mit ihrem Kind einen Mund-Nasen Schutz getragen und Hände und Brüste desinfiziert. Zudem sterilisierte sie regelmäßig die Utensilien für das Stillen. Es bleibe unklar, ob sich das Baby tatsächlich beim Stillen infizierte, betonen die Forscher. "Unsere Studie zeigt, dass Sars-CoV-2 bei stillenden Frauen mit akuter Infektion in der Muttermilch nachweisbar sein kann. Aber wir wissen noch nicht, wie oft dies der Fall ist, ob die Viren in der Milch auch infektiös sind und durch das Stillen auf den Säugling übertragen werden können." Typischerweise wird das Virus über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch weitergegeben.

WHO hatte bisher nicht empfohlen, das Stillen zu vermeiden

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bisher keinen Nachweis des neuen Coronavirus in Muttermilch verzeichnet. "Es gibt keinen Grund, das Stillen zu vermeiden oder zu beenden", heißt es dazu in den Empfehlungen auf der Homepage der Organisation.

Quelle: DPA/ RTL.de

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