Interview mit dem Epidemiologen Prof. Timo Ulrichs

Coronavirus: Wie sinnvoll ist eine Impfpflicht?

22. Mai 2020 - 9:23 Uhr

Diskussionen um verpflichtende Impfung zum Schutz vor Covid-19

Die Diskussionen um eine allgemeine Impfpflicht gegen das Corona-Virus haben in den letzten Tagen zugenommen. Kanzleramtschef Helge Braun betont aber, dass keine Impfpflicht geplant ist. Doch was spricht für und was gegen eine staatliche Pflicht zur Impfung? Der Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs erklärt im Gespräch mit RTL und ntv die aktuellen Entwicklungen. Mehr dazu auch im Video!

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Impfpflicht ist nicht nötig, da momentan die Nachteile der Erkrankung noch präsent sind

 Eine Virologin posiert mit einer Spritze zur Impfung gegen das Corona-Virus. Symbolfoto mit Model Nürnberg, 23.04.2020 *** A virologist poses with a syringe for vaccination against the corona virus Symbol photo with model Nuremberg, 23 04 2020 Foto:
Wann eine mögliche Impfung gegen das Corona-Virus zugelassen wird, ist noch nicht absehbar.
© imago images/Future Image, Christoph Hardt via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Bis ein Impfstoff entwickelt wird, kann es noch über ein Jahr dauern. Wird es bis dahin dann auch eine Pflicht zur Impfung geben oder werden viele Menschen sich freiwillig impfen lassen, wenn ein solches Mittel auf den Markt kommt? "Wenn man dann mit einem Impfstoff kommt, bin ich ganz zuversichtlich, dass sich die meisten impfen lassen werden", beschreibt es der Epidemiologe Prof. Ulrichs. Laut ihm würden die Vorteile einer Impfung überwiegen - besonders da die Nachteile der Erkrankung momentan sehr präsent in der Bevölkerung sind.

Doch es gibt auch die Gruppe der Impfgegner, die sich momentan unter anderem gegen die verpflichtende Masernimpfung wenden. Auch beim Thema Corona und der Ansteckungswahrscheinlichkeit sehen viele Menschen die akute Gefahr momentan nicht mehr.  "Es ist wieder das klassische Präventionsparadox. Das heißt, dass je besser die Maßnahmen sind, eine Infektionskrankheit zu bekämpfen, desto weniger wird wahrgenommen, dass das erfolgreich war, sondern es werden eher die negativen Auswirkungen wahrgenommen", erläutert Prof. Ulrichs diese Entwicklungen. "Und so könnte es sein, dass damit auch die Impfmüdigkeit einhergeht. Es ist etwas, was sehr gut kommuniziert werden muss."

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Schutzkonzepte für Risikogruppen

Im zweiten Teil des Interview sprechen wir mit dem Infektionsepidemiologen über mögliche Schutzkonzepte für Risikogruppen. Wie sind wir in Deutschland hier aktuell aufgestellt? "Zur Zeit haben wir keine anderen Instrumente, als die, die wir anwenden, nämlich, dass wir testen aber auch die ganzen Vorsichtsmaßnahmen im täglichen Umgang beachten – alles andere ist eben noch Zukunftsmusik", erklärt Prof. Ulrichs. Das Virus breitet sich momentan an einzelnen, spezifischen Orten oder Landkreisen bedeutend mehr aus: Die sogenannten Hotspots liegen zum Beispiel im Landkreis Greiz oder in fleischverarbeitenden Betrieben.

Mögliche weitergehende Schutzkonzepte und Eindämmungsmaßnahmen müssen nicht mehr deutschlandweit einheitlich umgesetzt werden. "Man könnte sich jetzt auch, wenn wir viele Kreise haben, wo keine neuen Infektionen mehr auftauchen, dann auf diese Hotspots fokussieren", empfiehlt Prof. Timo Ulrichs. Auch die Grenzwerte für Neuinfektionen geben darüber Auskünfte, sodass unter anderem die medizinischen Kapazitäten an diesen Orten breiter eingesetzt werden sollten, um dort auch Risikogruppen schützen zu können.

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