Diskussion bei Anne Will

Führt Maskenpflicht zum Ende des Lockdowns?

Anne Will diskutierte mit ihren Gästen über eine Maskenpflicht im Rahmen der Eindämmung von Neuinfektionen mit dem Coronavirus.
© ARD

06. April 2020 - 12:23 Uhr

Schneller Weg aus dem Corona-Lockdown?

In Jena tritt am Montag den 6. April eine Masken-Pflicht in Kraft. Ob dies ein Weg ist, der schnell aus dem Lockdown führt und welche Schwierigkeiten mit solch einer Auflage einher gehen, diskutierte an diesem Sonntag ein Expertenstab bei Anne Will in einer erneuten Sendung zum Thema Corona-Virus.

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Die Gäste und ihre wichtigsten Aussagen

Olaf Scholz, SPD, Vizekanzler und Bundesminister der Finanzen: "Wir haben von Anfang an dafür gesorgt, […] dass wir all das, was wir brauchen so schnell wie möglich, in möglichst großer Zahl zur Verfügung stellen. Natürlich leben wir im Augenblick mit einer der Folgen der Globalisierung. Jetzt haben wir natürlich, wo plötzlich weltweit eine unglaublich große Nachfrage entstanden ist, die Probleme die damit verbunden sind. Die Frage ob wir als Gesetzgeber eine Maskenpflicht vorschreiben sollen, [...] da ist die Diskussion bisher, dass eine solche Maßnahme für Deutschland gegenwärtig nicht richtig ist. […] Wir brauchen jetzt unglaublich viele Masken […] für den medizinischen Betrieb, für das Pflegepersonal."

Alexander Kekulé, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg erwartet eine Empfehlung seitens der Regierung zum Tragen von Masken: "Ich kann den Widerstand des Gesundheitsministeriums und des Robert-Koch-Instituts überhaupt nicht mehr nachvollziehen, durch diese Maßnahmen glaube ich, können wir überhaupt erst aus dem Lockdown raus. [...] Man bekommt den Eindruck ehrlich gesagt, dass die Politik nicht wagt zu sagen 'Ihr sollt die anziehen' weil dann die Gegenfrage kommt weshalb die Masken nicht in der Apotheke frei erhältlich sind.""

Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen: "Die Geduld wird weniger, da bin ich ganz ehrlich, […] die Ärzte nehmen sich abends ihren FFP2-Mundschutz mit nach hause, reinigen dieses Einmalprodukt zuhause, legen ihn über Nacht in den Bankofen damit er wieder trocken wird und setzen ihn am nächsten Morgen wieder auf. Das halte ich für heroisch. Das ist sicherlich schon ein ausgesprochen schwieriges Behelfen. Es kommt allmählich auch die Sorge, vor der Ansteckung. [...] Es werden Arztpraxen inzwischen geschlossen, die wir dringend brauchen."

Christel Bienstein, Präsidentin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK) e.V.: "Ich habe auch Sorge, weil wir schon mehr als 2000 Pflegende haben, die sich bereits infiziert haben. Wir müssen vor allem auch an die ambulanten Pflegedienste denken. […] Das wir jetzt weltweit so eine Misere erleben, wo Pflegende im Mittelpunkt stehen, um Menschen zu unterstützen und Sorge zu tragen, dass sie genesen können. Das ist ein großes Drama, das wir da zu wenig Schutzkleidung haben.

Jens Südekum, Professor für Internationale Volkswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf: "Man muss trennen zwischen diesen zwei Arten von Masken. Die medizinischen Masken - wenn wir momentan wirklich noch die großen Probleme da haben, wo sie eigentlich am dringendsten gebraucht werden und die Masken dort nicht verfügbar sind, dann wäre es ganz schlecht ein Signal raus zusenden, dass jeder im Alltag die Masken tragen soll. Weil dann glaube ich, werden wir wieder so Phänomene sehen wie beim Toilettenpapier, dass Leute hamstern und Masken zuhause bunkern, die sie überhaupt nicht brauchen. Von daher muss sehr klar kommuniziert werden, dass diese medizinisch wertvollen Masken überhaupt nicht auf den freien Markt kommen."

Christian Gerlitz, SPD, Bürgermeister und Dezernent für Stadtentwicklung und Umwelt in Jena: "Für uns ist das der logische nächste Schritt. Wir haben in Jena immer von vornherein eine Strategie verfolgt, wie wir das Infektionsgeschehen eindämmen wollen. Wir sind mit unserer Quarantäne nun ans Ende gekommen und deshalb habe ich mit unserem Gesundheitsamt darüber diskutiert, welche Maßnahmen jetzt angezeigt sind und da kamen wir darauf, dass der Mund-Nasen-Schutz nicht professionell gefertigt sein muss, sondern auch improvisiert deutlich hilft Tröpfcheninfektionen zu reduzieren."

Fazit

Krankenhäuser und Arztpraxen behelfen sich mittlerweile mit Material aus Baumärkten und anderen heimischen Methoden um sich und Ihre Patienten zu schützen. Ein Zustand den man im Deutschland des 21. Jahrhunderts nicht für möglich gehalten hätte. Hatte man sich vor einigen Wochen zu Beginn der Corona-Krise noch mit sachlicher aber zurückhaltender Kritik zum Ressourcenmangel um Schutzbekleidung in Krankenhäusern geäußert, kann sich die Regierung nun nach mehr als 6 Wochen in der Pandemie nicht vor Vorwürfen schützen. So fiel auch die Kritik im Studio bei Anne Will um einiges härter aus als bislang. Es werden schnelle und effiziente Lösungen erwartet. Jetzt. Ohne Wenn und Aber.

NEUE FOLGE: RTL.de-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus: Wie besiegen wir Corona?"

Im zweiten Teil der RTL.de-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus" stellen wir die Frage: Wie besiegen wir Corona? Dafür gleichen die Autoren die verschiedenen Maßnahmen einzelner Länder rund um den Globus mit den aktuellen Empfehlungen von Forschern ab.