Ein Kommentar zur Corona-Krise

Coronamaßnahmen annehmen: Lasst' es uns wie die Italiener machen!

Tourismus in Italien während der Corona-Krise
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22. September 2020 - 15:11 Uhr

Ein Kommentar von Martin to Roxel

Drei Wochen Urlaub in "Bella Italia". Drei Wochen Urlaub in Corona Zeiten. Ich habe Städte besucht, war in der Toskana und auf der Insel Elba. Überall das gleiche Bild: die Italiener haben sich auf Corona eingestellt – vorbildlich, kreativ und das alles mit der berühmten italienischen Gelassenheit.

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Abstand halten und Fieber messen

Corona Italien Sicherheitsmaßnahmen Masken
Überall wird in Italien auf die Sicherheitsmaßnahmen hingewiesen.
© RTL, Martin to Roxel

Die Maßnahmen der Italiener sind vielfältig. Einkaufen im Modegeschäft, vorher erstmal Fieber messen. Schon am Eingang wartet ein freundlicher Mitarbeiter und hält einem das Fiebermessgerät an die Stirn. Erst dann darf man eintreten. Überall gibt es Einbahnstraßensysteme, in den meisten Geschäften funktioniert das tadellos. Und eine Maskenpflicht gibt es in Italien auch auf den Straßen. Ab 18 Uhr bis zum Morgen. Die Italiener halten sich daran, kein Gejammer, keine Demonstrationen gegen die Maßnahmen, keine Verschwörungstheoretiker.

Italienische Gelassenheit, keine Anti-Corona-Demos

Die Italiener halten sich an die Maßnahmen, unaufgeregt. Wird es in der Innenstadt mal zu eng in den Gassen, zieht man den Mundschutz an – auch tagsüber. Das gilt für Fähren, selbst für kleine Boote, drinnen wie draußen. Überall, wo sich der Abstand nicht einhalten lässt. 

Auch für den Besuch im Museum oder einer Kirche gibt es Lösungen. Wird es sehr eng, zum Beispiel beim Aufstieg auf die Domkuppel, bekommt jeder Gast einen kleinen Bewegungsmelder. Rückt einem der Hintermann zu sehr auf die Pelle, vibriert das Gerät. Sofort geht der aufdringliche Tourist wieder auf Abstand. Auch hier funktioniert das Ganze.

Fallzahlen in Italien niedriger als in vielen anderen europäischen Ländern

Die neuen Fallzahlen geben den Italienern recht. Während Spanien und Frankreich pro Tag bis zu 10.000 Neu-Infizierte melden und auch Deutschland zuletzt auch die 2.000er-Marke überschreitet, bleibt Italien bei etwa 1.500 Fällen pro Tag bislang stabil.

Italien macht es besser!

Und während in Deutschland die Gegner der Corona-Maßnahmen auf die Straße gehen und demonstrieren, während viele bei uns jammern über die doch angeblich so freiheitsraubenden Maßnahmen – erträgt der Italiener alles mit ziemlich viel Ruhe und Gelassenheit. Kein Aufschrei, kein Gejammer, die Maßnahmen gegen das Virus werden akzeptiert, hingenommen, sind in den Alltag eingezogen. Die Italiener gehen den Weg gemeinsam, nicht gegeneinander.

Ein traumatisiertes Land

Wir alle haben noch die apokalyptischen Bilder aus Nord-Italien zu Beginn der Krise vor Augen: überfüllte Krankenhäuser, Ärzte und Pflegepersonal ausgelaugt, weinend, am Rande des Zusammenbruchs, Särge, Tote.

Italien, so schien es, war traumatisiert. Bilder die ein ganzes Land, ganz Europa schockiert haben. Doch die Italiener haben, so scheint es zumindest, aus diesen traumatischen Erlebnissen gelernt. Mehr als viele andere europäischen Staaten. Mehr als Deutschland.

Gut so – Bella Italia.

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