Erste Woche Kontaktverbot in Heinichen

Krise zerrt an den Nerven - Bürger: "Mir fällt die Decke auf den Kopf"

29. März 2020 - 16:09 Uhr

Video: Heinichen in der ersten Woche des Kontaktverbots

Die Coronakrise hat uns kalt erwischt. Unseren Alltag dahingerafft. Jeder stellt sich anders auf die Krise ein. Die einen schlagen Alarm, die anderen meckern über die Maßnahmen der Regierung. Wir wollen wissen, welches Gesicht das Virus in den Menschen zeigt. Dazu haben wir die Bewohner des kleinen sächsischen Örtchens Hainichen in der ersten Woche des Kontaktverbots beobachtet. Mehr dazu im Video.

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Bürgermeister: "Hainichen hat das ganz gut im Griff"

Bürgermeister Dieter Greysinger macht sich Sorgen um die Bürger seiner Stadt.
Bürgermeister Dieter Greysinger macht sich Sorgen um die Bürger seiner Stadt.
© RTL

Die Straßen, Plätze und Parks der Kleinstadt mit 9.000 Einwohnern sind seit Montag wie leergefegt. In Hainichen zeigen die bundesweite Kontaktsperre Wirkung. "Es gab einen Fall, wo ich gehört habe, dass die Polizei jemand aufgefordert hat, auseinander zu gehen. Aber alles in allem, ich denke, Hainichen hat das ganz gut im Griff", sagt Bürgermeister Dieter Greysinger im Video. Und damit das auch so bleibt, postet Greysinger täglich neue Infos für den Ort in den sozialen Medien - und das kommt bei den Menschen an. "Also ich selber gucke auch jeden Tag in Facebook und verfolge eigentlich seine Nachrichten", sagt uns eine freundliche Bürgerin.

Der Bürgermeister sorgt sich dieser Tage mehr denn je um die Bürger seiner Stadt. "Einer reicht, der sich unverantwortlich verhält und Hainichen ist vom Niemandsland, was das Thema Corona angeht, zum Hotspot geworden. Und das sollten wir doch versuchen zu verhindern", so Greysinger. Doch bereits am Montagabend meldete er den ersten Coronafall via Facebook. Es handle sich um einen milden Verlauf, teilt Greysinger mit.

Bürger: "Mir fällt die Decke auf den Kopf"

Lange bleibt es aber nicht still in Hainichen. Kurz vor dem Wochenende kippt die Stimmung etwas. Auch das schöne Wetter zerrt an den Nerven der Bürger. "Ich vereinsame. Also mir fällt die Decke auf den Kopf, weil ich das gar nicht gewohnt bin, so lange und so viel zu Hause zu sein", sagt ein junger Mann. Viele würden sich gerne mehr im Freien aufhalten und Freunde besuchen gehen. Wie lange sich die Menschen noch gedulden müssen, ist unklar.

In ihrem Audio-Podcast hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Samstag um Geduld gebeten und sich bei den Bürgern für die Akzeptanz der gravierenden Abwehrmaßnahmen bedankt. Fast alle hätten ihr Verhalten völlig umgestellt, die große Mehrheit vermeide unnötige Kontakte. "Danke, von ganzem Herzen danke", sagte sie. Derzeit könne aber niemand "mit gutem Gewissen sagen, er wisse, wie lange diese schwere Zeit anhält."

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