Existenzängste wegen Coronapandemie

Escort-Dame klagte vor Gericht: "Man will uns mundtot machen"

17. Juli 2020 - 12:21 Uhr

Seit dem 16. März sind Bordelle und Co. geschlossen

Als Corona Deutschland in den Lockdown zwang, ging auch das horizontale Gewerbe in die Knie. Am 16. März ordnete die Bundesregierung die Schließung von "Prostitutionsstätten, Bordellen und ähnlichen Einrichtungen" an – seitdem dürfen die rund 33.000 deutschlandweit gemeldeten Prostituierten nicht mehr arbeiten. Escort-Dame Letizia aus Neubrandenburg wehrt sich gegen diesen Beschluss – mit Erfolg! Was sie zu sagen hat, das zeigen wir im Video.

Escort-Dame Letizia kämpft für alle, die ihr Geld mit Sex verdienen

Hamburg, 11. Juli: Prostituierte fordern Öffnung der Bordelle.
Hamburg, 11. Juli: Prostituierte fordern Öffnung der Bordelle.
© dpa, Markus Scholz, blo

Letizia ist Escort-Dame, ihrer Arbeit darf sie aktuell nicht nachgehen. "Es ist eine absolute Schweinerei!", sagt sie im Interview mit RTL. "Bloß weil wir Sex-Worker stigmatisiert sind und unser Gesicht aus verschiedenen Gründen nicht in die Öffentlichkeit halten können, versucht die Landesregierung, uns einfach mundtot und das Leben schwer zu machen."

Harter Tobak, mit dem Letizia nun sogar vor das Verwaltungsgericht in Schwerin gezogen ist. Sie klagt gegen die Coronaverordnung des Landes Mecklenburg-Vorpommern, in der das Prostitutionsgewerbe verboten ist, das Erbringen sexueller Dienstleistungen hingegen nicht.

Und die Klage war erfolgreich: Letizia bekommt Recht, sie darf wieder Hausbesuche machen. Dabei werden alle erforderlichen Hygieneregeln eingehalten: Die Kunden müssen ausreichend lüften, außerdem wird ein Mund-Nasen-Schutz getragen.

Prostituierte demonstrieren auf dem Hamburger Kiez

"Auch an Sexarbeit hängen Existenzen!"
"Auch an Sexarbeit hängen Existenzen!"
© dpa, Markus Scholz, blo

Doch die Freude hielt nur kurz: Seit dem 10. Juli ist Prostitution in Mecklenburg-Vorpommern wieder komplett verboten, auch in Hamburg bleibt das Rotlicht ausgeknipst. Auf dem Hamburger Kiez haben deshalb am Samstagabend (11. Juli) rund 400 Prostituierte gegen die Prostitutionsgesetze in Zeiten von Corona demonstriert.

Auf der Herbertstraße, in der sie normalweise auf Kundschaft warten, machen die Frauen auf ihre prekäre Lage aufmerksam. Viele haben ihre Gesichter maskiert, statt Minirock tragen sie dunkle Kapuzenpullis. In den Händen halten sie selbstgebastelte Plakate. "Auch an Sexarbeit hängen Existenzen!" oder "Wir sind die Vergessenen der Corona-Krise" ist auf den Schildern zu lesen.

Das Problem: Corona-Soforthilfen gibt es nur für diejenigen, die eine feste Monatsmiete zahlen. Viele Prostituierte mieten sich allerdings immer nur tageweise ein und arbeiten in verschiedenen Bordellen oder auf der Straße. 

Risiko: Illegalität, Vergewaltigungen und Menschenhandel

Prostituierte warnen: "Unsere Branche wird in die Illegalität getrieben!"
Prostituierte warnen: "Unsere Branche wird in die Illegalität getrieben!"
© imago images/Jochen Eckel, Jochen Eckel via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Wenn Prostitution weiter verboten wird, steigt das Risiko, in die Illegalität zu rutschen, auch Menschenhändler haben freie Bahn. Höchste Zeit also, Bordelle wieder öffnen zu lassen – mit Sicherheits- und Hygienemaßnahmen. Dafür hat der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V. (BesD) bereits zusammen mit verschiedenen Gesundheitsämtern ein Hygienekonzept erarbeitet, das alle Skeptiker endgültig überzeugen sollte.