Alarmierende DAK-Studie zu Games und Social Media

Kinder zocken während Corona eine Stunde mehr pro Tag

Kind mit Smartphone
Kind mit Smartphone
© dpa, Robert Michael, ert hkb sab

29. Juli 2020 - 12:45 Uhr

Lockdown bringt Kinder zu Games und Social Media

Während des Corona-Lockdowns im Frühjahr haben sich Kinder und Jugendliche in Deutschland deutlich mehr mit digitalen Spielen und Social Media beschäftigt als vorher. Das ist das Ergebnis der ersten Studie zur Mediennutzung junger Menschen vor und während der Coronakrise durch die Krankenkasse DAK. 

Vor allem montags bis freitags gingen die Zahlen hoch: Die 10- bis 17-Jährigen zockten im Schnitt 2 Stunden und 19 Minuten täglich - ganze 60 Minuten länger als vor dem Lockdown. In den sozialen Netzwerken waren sie an den Tagen unter der Woche sogar 3 Stunden und 13 Minuten unterwegs – 77 Minuten mehr als vor Corona. Die DAK-Studie vergleicht Zahlen von September 2019 mit neuen von Ende April 2020, als der Lockdown schon vier Wochen andauerte.

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Jugendliche bekämpfen digital die Langeweile

Die dramatischen Zahlen dürften eine direkte Folge der harten Corona-Maßnahmen sein. Denn: Familien litten besonders darunter, dass das Land wochenlang heruntergefahren war. Die Schulen und Kitas blieben geschlossen, Kontaktsperren verhinderten, dass sich Kinder treffen konnten, Sport- und Freizeiteinrichtungen mussten schließen.

Und so sagen 86 Prozent der befragten Kinder, sie hätten mit Social Media die Langeweile bekämpfen wollen. 36 Prozent wollten Stress abbauen, 13 Prozent sogar Wut loswerden. Um Corona-Infos zu bekommen, nutzte nur jedes dritte Kind WhatsApp, Instagram, YouTube oder Tik Tok.

Corona könnte Mediensucht verschlimmern

Die Studienmacher nennen die Zahlen "alarmierend". Schon vor Corona zeigten fast 700.000 Kinder und Jugendlichen ein riskantes oder gar krankhaftes Nutzungsverhalten bei Games. Ähnlich ist es bei Social Media. Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit, befürchtet nun: "Die Corona-Krise kann die Situation zusätzlich verschärfen. Es gibt erste Warnsignale, dass sich die Computerspielsucht durch die Pandemie ausweiten könnte". In einer Abschlussbefragung im Frühjahr 2021 soll geklärt werden, ob die Mediensucht durch die Corona-Einschränkungen wirklich dauerhaft gewachsen ist.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), sprach angesichts der Zahlen von einem "heftigen Anstieg", der so nicht weitergehen dürfe. "Was wir brauchen, ist eine bessere Medienkompetenz, gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen überall in Deutschland. Sie müssen wissen, wie viel noch "OK" ist und ab wann es "zu viel" wird", sagte Ludwig den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Ludwig, übrigens selber Mutter, nahm die Eltern aber auch in Schutz. Man müsse verstehen, dass sie im Lockdown ihre Kinder auch mal vor das Tablet gesetzt hätten, sagte sie bei der Pressekonferenz.  Aber: "Es darf kein Dauerzustand werden." Gemeinsam mit Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) will sie nun mit einer neu aufgelegten Kampagne Familien Tipps mit auf den Weg geben.

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Checkliste für Eltern

Es gibt Warnsignale für eine gefährliche Mediennutzung, auf die Eltern bei ihren Kindern achten sollten:

  • Sitzen sie oft bis in die Nacht am Smartphone, am PC oder der Konsole und sind dementsprechend müde?
  • Gehen sie Begegnungen aus dem Weg?
  • Reagieren sie launisch oder wütend, wenn sie keinen Zugang zum Internet oder Endgerät bekommen?
  • Vernachlässigen sie andere Hobbys?
  • Versäumen sie Aufgaben und Verpflichtungen?

Trifft davon etwas zu, oder gar mehrere Probleme, sollten Eltern das Gespräch suchen und Kinder- und Jugendärzte einbinden. Die DAK will in einem Pilotprojekt ab Oktober ein sogenanntes "Mediensucht-Screening" anbieten. Im Rahmen der Jugendvorsorgeuntersuchungen könne Kinder auf ihren Umgang mit digitalen Medien gecheckt werden.

Kein Smartphone vor der 5.Klasse

Die Gemeinsame Suchtkommission der kinder- und jugendpsychiatrischen Fachverbände empfiehlt übrigens, Kindern vor der 5.Klasse kein eigenes Smartphone zu kaufen. Der Internetzugang sei frühestens ab 8 Jahren sinnvoll, und danach bis 12 Jahren nur unter Aufsicht.

Als Richtwerte empfehlen die Experten:

  • Im Alter von 7-10 Jahre: max. 45 Minuten digitale Medien pro Tag
  • Zwischen 11 und 13 Jahren: max. 1 Stunde pro Tag
  • ab 14 Jahren: max. 1,5 Stunden pro Tag

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