Wegen Corona: Einreisebeschränkungen und Rückkehr unmöglich

Deutscher lernte Frau in Israel kennen - jetzt sitzt er fest

22. Juli 2020 - 10:34 Uhr

Von Raschel Blufarb aus Tel Aviv

Wilde Feiereien, Reisende aus aller Welt und heiße Dates: In Israel steht das Leben eigentlich niemals still – eigentlich! Corona stoppte Reisen in das und aus dem heiligen Land. Deutschland setzte Israel sogar auf eine rote Reise-Liste. Für viele Deutsche im Land heißt das seit Monaten: Ihr Aufenthalt zwischen Jerusalem, Tel Aviv und Nazareth nimmt vorerst kein Ende. RTL-Korrespondentin Raschel Blufarb sprach mit Betroffenen in Israel über ihre Sorgen und Ängste in der Krise.

Christian Herrmann flog für ein Tinder-Date nach Israel - jetzt ist er seit Februar da

Die Dating-App Tinder veränderte im September 2019 das Leben von Christian Herrmann. Der 39-jährige Immobilienmakler aus Leipzig lernte seine Freundin Wanja über das Internet kennen. Aus einem geheimnisvollen Blind Date, für das er extra nach Israel flog, wurden Tage, Wochen und mittlerweile Monate der Zweisamkeit. Seit Anfang Februar lebt er mit einem Touristenvisum in Israel. Christian zu RTL: "Ich habe meine Wohnung in Leipzig am 5. Februar verlassen – mit der Absicht, eigentlich nur 14 Tage hierherzukommen und dem Ergebnis, dass ich jetzt über ein halbes Jahr hier bin."

Zwar könnte er zurück nach Deutschland, die Rückkehr zu seiner Wanja wäre dann aber erstmal unmöglich: Wegen der Corona-Krise lässt der israelische Staat zurzeit nur noch Staatsbürger rein. "Ich liebe sie mehr als mein eigenes Leben", sagt Christian. "Wir haben den Lockdown zusammen erlebt. Das hat uns gut getan, hat unserer Beziehung gut getan." Dennoch würde er seine Eltern gerne wiedersehen, mit ihnen Geburtstag feiern. Besonders bitter: Christians Vater und Mutter werden beide 70. "Wichtig ist mir, dass Wanja dabei ist." Doch das wird vorerst nur ein Traum bleiben.

Lisa Grimm kennt die israelische Art, mit Problemen umzugehen

Auch Lisa Grimm aus Oberfranken hat Deutschland schon vor vier Jahren gegen das Mittelmeer ausgetauscht: Die 30-Jährige lernte ihren Freund während einer Israel-Rundreise mit ihrer Mutter kennen. Zwar hat die freiberufliche Grafik-Designerin durch ein Partner-Visum eine Arbeitserlaubnis. Ob sie, wenn sie ihre Familie besucht, wieder ins Land kommt, ist aber fraglich. "Wenn ein Notfall wäre, hätte ich zumindest gern die Option, meine Familie zu besuchen. Es fühlt sich bisschen an, als würde man hier festsitzen."

In Israel isoliere sie sich bestmöglich, um dem Virus zu entkommen: "Wir haben immer Masken auf, machen keine großen Ausflüge. Seit Ende März waren wir mal aus Haifa und der Umgebung weg, wirklich nur an abgelegene Orte, wo wir mit unserem Hund allein waren." Sie betont aber auch, dass überraschend viele Israelis wegen der Hitze keine Maske tragen würden. "Das denke ich, ist so die typische israelische Art mit Problemen umzugehen. Wenn ein Krieg kommt, wird es schon vorbeigehen, das hat ja immer irgendwie geklappt…"