Was gut läuft - und was besser werden muss

Deutschland in der Corona-Krise: Eine erste Zwischenbilanz

21. März 2020 - 10:45 Uhr

Das läuft gut in Zeiten von Corona

Seit gut sechs Wochen hat das Coronavirus Deutschland immer fester im Griff. Die Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung haben unser Leben massiv verändert. Noch weiß niemand, wie lang dieser Zustand anhalten wird und wie dramatisch die Folgen sein werden. Was aber läuft gut in Zeiten der Corona-Krise? Und was funktioniert trotz aller Anstrengungen noch immer nicht? Ein Überblick:

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Die Maßnahmen führen bislang nicht zur Panik in der Bevölkerung

Die Einschnitte für die Menschen sind massiv. Das normale Leben steht fast still, die Zukunft ist ungewiss und macht Angst.

Dennoch bleibt es bisher erstaunlich ruhig. Die Maßnahmen gegen eine Ausbreitung des Virus werden hingenommen und so gut es geht umgesetzt. Hamsterkäufe sind da nur eine ärgerliche aber erträgliche Folge. Die Regierung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Spitze hat es geschafft, die Krise in aller Ruhe und ohne Panik zu schüren zu moderieren. Die eher zögerlich verhängten Maßnahmen haben so eventuell Schlimmeres verhindert und die Bevölkerung nach und nach mitgenommen.

Bisher kommen wir im Gegensatz zu anderen Ländern ohne Ausgangssperre aus. Es wird abzuwarten sein, ob das so zu halten ist und zu welchen Reaktionen diese führen wird. 

Und: Die Sprache ist erfreulicherweise sehr sachlich. In Frankreich spricht man von einem Feind und einem Krieg, in den USA nutzt Donald Trump die Krise für patriotische Parolen. Dies ist bei uns nicht der Fall.

Die Regierung kümmert sich um deutsche Urlauber

50 Millionen Euro lässt sich die Regierung die Rückkehr deutscher Urlauber kosten. Sie können sich also drauf verlassen, nicht noch länger im Ausland ausharren zu müssen. 

Ein Hilfspaket soll der Wirtschaft helfen

Die von der Krise betroffenen Unternehmer und Arbeitnehmer sollen schnell Hilfe erhalten. Es wird sich zeigen, wie das Geld schnell und unbürokratisch zu den Betroffenen gelangt. Das Problem scheint erkannt. Es muss aber auch entsprechend umgesetzt werden.

Die Versorgung der Bevölkerung ist gesichert

Das zumindest sagen die Experten und das wird hoffentlich auch in den nächsten Wochen so bleiben. Hamsterkäufe sind also nicht nötig. Die Menschen in Deutschland werden mit Lebensmitteln ausreichend versorgt. 

Solidarität und Hilfe

Das Virus trennt die Menschen, es verbindet aber auch. Nachbarn helfen sich gegenseitig. In Foren wird Unterstützung angeboten. Nach Italien und Spanien feiern inzwischen auch die Deutschen diejenigen, die in der Krise das Leben aufrechterhalten.

Es sind die Kassiererinnen und die Krankenschwestern, die Busfahrer und Lieferanten, die plötzlich zur Stütze der Gesellschaft werden. Die Gesellschaft richtet ihren Blick auf die, die sonst kaum eine Lobby haben.

Das muss im Kampf gegen das Coronavirus noch besser werden:

Hat die Politik zu spät reagiert?

Am 27.1. gibt es den ersten bestätigten Corona-Fall in Deutschland. Beim bayrischen Autozulieferer Webasto wird ein Mitarbeiter positiv getestet. Der erkrankte Mann und andere betroffene Kollegen werden isoliert. Mehr passiert zunächst nicht. Ende Februar schießen dann auch im nordrhein-westfälischen Heinsberg die Infektionen in die Höhe. Es werden auf Heinsberg und Umgebung beschränkte Maßnahmen ergriffen. Das war's!

Erst am 11. März nimmt Bundeskanzlerin Angela Merkel Stellung zu den Bedrohungen durch das Coronavirus. Das Bundesgesundheitsministerium hatte bis zu diesem Zeitpunkt nur Empfehlungen zur Eindämmung ausgesprochen. Erst jetzt laufen konkrete Maßnahmen an. Dabei gibt es zu diesem Zeitpunkt weltweit tausende Corona-Tote. Auch in Italien, wo bereits ganz Städte abgesperrt werden, während bei uns noch Großveranstaltungen mit tausenden Menschen stattfinden.

Es fehlt ein einheitliches Vorgehen in Europa

Auf europäischer Ebene gibt es kein gemeinschaftliches Vorgehen mit abgestimmten Zielen und Vorgaben im Kampf gegen das Coronavirus. In Europa stemmt sich jedes Land für sich gegen die Krise. Zu lange hat man unterschätzt, was die Corona-Krise für die Menschen bedeutet. Dabei wäre gerade jetzt ein gemeinsames und schnelles Vorgehen wichtig. 

Machen die Maßnahmen so wirklich Sinn?

Schulen und Kitas sind bundesweit geschlossen. Bars, Fitnessstudios und Schwimmbäder auch. In Restaurants muss ein Abstand von mindestens 1,50 Meter eingehalten werden, während sich an den Supermarktkassen die Kunden drängeln und in der Bahn eng zusammenstehen. Ist das so wirklich sinnvoll? Oder müsste nicht konsequenterweise jeglicher Kontakt verboten werden?

50 Millionen Euro investiert die Bundesregierung in die Rückkehr deutscher Urlauber. Das ist gut so, aber sollten sie wirklich ohne Abstand in einer Linienmaschine auf engstem Raum sitzen und per Bus zur Gepäckausgabe fahren?

Und was ist mit den Gruppen, die die schul- und arbeitsfreie Zeit offenbar zum Urlaub machen mit Freunden nutzen? Müsste nicht verhindert werden, dass Gruppen im Freien gemeinsame Aktivitäten unternehmen?

Warum gab es kein echtes Notfallszenario?

Wie erhält man die medizinische Versorgung aufrecht, wenn Ärzte und Pflegepersonal in Quarantäne sind? Wie versorgen wir die Bevölkerung, wenn jeder Kontakt brandgefährlich ist? Dass ein solcher Virus kommen wird, war eigentlich immer klar. Die Experten sind sich da einig. Warum wirkt aber vieles improvisiert? Und warum ist unser Gesundheitssystem darauf nicht vorbereitet? Es fehlt an Intensivbetten und Personal. Desinfektionsmittel und Schutzmasken sind Mangelware. Selbst an Thermometern für schnelle Fiebertests mangelt es. Zehn Millionen Schutzmasken werden zwar ausgeliefert. Aber warum erst jetzt?

Leidtragende sind das Personal im Medizinsektor und Patienten. Die einen müssen unter unzureichenden Bedingungen arbeiten, die anderen werden ohne Test und völlig verunsichert nach Hause geschickt.

Wird wirklich kein Unternehmen pleitegehen?

Das jedenfalls behauptet Wirtschaftsmister Altmaier, obwohl gerade viele kleine Unternehmen schon jetzt wegen der Corona-Krise in die Insolvenz rutschen. Einnahmeausfälle bei laufenden Kosten sind für viele nicht zu stemmen. Das angeschobene Hilfspaket dürfte da für viele Betroffene zu spät kommen.

Verhalten wir alle uns wirklich richtig?

Das Virus zeigt unsere guten Seiten - und unsere schlechten. Viele Menschen helfen und sind solidarisch. Das ist gut. Aber es gibt eben auch diejenigen, die weiter machen, als gäbe es keine Pandemie. Sie treffen sich zum Feiern in Parks oder bei Corona-Partys. Das ist nicht nur unsolidarisch, sondern auch gefährlich.

Hamsterkäufe führen zu leeren Regalen. Toilettenpapier, Nudeln, Reis, H-Milch, Tiefkühlprodukte sind nahezu ausverkauft. Zwar gilt die Versorgung der Bevölkerung als gesichert, aber können wir uns darauf verlassen?

Ein Ausblick auf die Corona-Krise:

Was also nehmen wir mit von der Krise? Was lernen wir aus einer Welt, die plötzlich stillsteht? Vielleicht wird das Virus am Ende zum Treiber für Dinge, die jahrelang vergessen und vernachlässigt wurden. Werden die deutschen Schulen endlich modernisiert und technisch aufgerüstet? Wird das Arbeiten im Homeoffice zur Normalität? Führt die Entschleunigung zu einem neuen Zusammenhalt und neuen Ideen? Die Krise kann zu positiven Entwicklungen führen. Hoffen wir das Beste!

RTL.de-Doku: Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus

Das Corona-Virus hält Deutschland und den Rest der Welt in Atem. Wie konnte es zur rasanten Verbreitung kommen und was bedeutet der Ausbruch für unseren Alltag? Warum Wissenschaftler schon lange vor dem Ausbruch vor dem Virus gewarnt haben, erfahren Sie in der RTL.de-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Corona-Virus".