Demokrat zum nächsten US-Präsidenten gewählt

Corona, Zusammenhalt, Klimaschutz: Was ändert sich unter Joe Biden?

08. November 2020 - 14:12 Uhr

Joe Biden startet am 20. Januar - bis dahin hat Trump weiter die Ruder in der Hand

Nach langem Warten, Zittern und Bangen steht es fest: US-Demokrat Joe Biden (77) wird der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Vier Jahre lang wurde das Land von Donald Trump beherrscht, viele würden sogar sagen, kaputtregiert. Die Wahl hat gezeigt: Die USA sind von einer tief gespaltenen Gesellschaft geprägt. Genau das will Biden als eins seiner Kernthemen angehen. Doch was wird sich noch ändern, wenn Biden ins Weiße Haus einzieht?

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In den USA

"Ich verspreche, ein Präsident zu sein, der danach strebt, nicht zu spalten, sondern zu einen", sagte Biden am Samstagabend (Ortszeit) in seiner Siegesrede in seinem Wohnort Wilmington im Bundesstaat Delaware. Trumps Anhänger bat er, ihm eine Chance zu geben, um gemeinsam für ein besseres Amerika zu arbeiten.

Er sei als Demokrat gewählt worden, aber er werde der Präsident des ganzen Landes sein und "genauso hart für alle arbeiten, die mich nicht gewählt haben", versprach Biden (77). "Lasst uns diese düstere Ära der Dämonisierung hier und jetzt zu Ende gehen lassen", sagte Biden. Seine Aussagen ließen sich als deutliche Kritik an Trumps aggressivem Stil verstehen.

Trump ist dafür bekannt, seinem Ärger vor allem über das Netzwerk Twitter Luft zu machen. Im Schnitt 43 Mal twitterte der Präsident am Tag. Privatpersonen, internationale Politiker und vor allem die Medien bekamen regelmäßig ihr Fett weg. Mehr als 180 Menschen hat er per Tweet beleidigt, mehrere davon öfter als einmal.

FILE PHOTO: The masthead of U.S. President Donald Trump's @realDonaldTrump Twitter account with a message about OPEC policy is seen on April 20, 2018.  @realDonaldTrump/Handout via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY/
Donald Trump  sorgte mit seinen Tweets regelmäßig für Furore. Selbst ehemalige Verbündete feuerte er teilweise via Twitter.
© REUTERS, Handout ., CLH//FW1F/David Clarke/FW1/susan

TVNOW-Doku: Die Geheimnisse des Donald Trump

Er wird geliebt oder gehasst: Noch nie hatten die Vereinigten Staaten einen so umstrittenen Präsidenten wie Donald Trump. Aber was steckt wirklich hinter dem Phänomen Donald Trump? Wie ist aus dem einstigen Geschäftsmann der mächtigste Mann Amerikas geworden? Was sind seine Tricks und wer ist seine große Liebe? Die Antworten auf diese Fragen deckt die Dokumentation "Die Geheimnisse des Donald Trump" – auf TVNOW.

Kann Joe Biden sein Versprechen von Einheit halten?

Auch wenn die Euphorie Über Bidens Sieg vor allem in den größeren Städten derzeit groß ist: Es darf nicht vergessen werden, dass fast die Hälfte der Wähler für ein "Weiter so" unter Donald Trump gestimmt hat. Kann Joe Biden die aufgeheizte Stimmung im Land wirklich wieder auf Normaltemperatur bringen? Das Land zu einen, das versprachen bereits viele Präsidenten vor ihm – sogar Donald Trump. Gelungen ist es bisher keinem.

Und auch vor Biden stehen große Herausforderungen: Denn wie viel er wirklich ändern kann, hängt auch davon ab, ob sich seine Partei, die Demokraten, die Mehrheit im US-Senat sichern kann. Falls nicht, wird das Regieren für Biden deutlich schwerer. Der Senat ist nämlich maßgeblich an der Gesetzgebung beteiligt und hat wichtige Kontrollfunktionen gegenüber dem Präsidenten. Über die Mehrheit für die kommenden zwei Jahre entscheiden voraussichtlich zwei Stichwahlen im Georgia Anfang Januar.

04.11.2020, USA, Phoenix: Anhänger von US-Präsident Trump demonstrieren vor dem Maricopa County Recorders Office. Foto: Matt York/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Auch wenn Joe Biden die Wahl gewonnen hat: Fast die Hälfte der Amerikaner hat für ein "Weiter so" unter Trump gestimmt. Schafft Biden es, das Land zu einen?
© dpa, Matt York, MY pat

Die Corona-Krise

Biden nimmt – im Gegensatz zu Trump – die Corona-Pandemie ernst – die Hunderttausenden Toten in den USA will er nicht einfach hinnehmen. Zuletzt wurde die Pandemie darum auch zu einem seiner großen Wahlkampf-Themen. Schon am Montag will Biden einen Expertenrat zur Eindämmung der Corona-Pandemie vorstellen, wie er in seiner Siegesrede ankündigte. Er werde im Kampf gegen das Virus keine Mühe scheuen. Die "führenden Wissenschaftler und Experten" würden ihm helfen, einen "Aktionsplan" zu entwickeln, der schon ab dem Tag seiner Amtseinführung am 20. Januar umgesetzt werden könne, sagte Biden.

Doch die Frage ist, ob das reicht. Bis Januar sind es noch einige Wochen und bis dahin ist Donald Trump weiter an der Macht. Und der Republikaner nimmt die Corona-Pandemie bekannterweise eher auf die leichte Schulter. Das führte zuletzt dazu, dass die Pandemie fast völlig außer Kontrolle geriet: Die US-Behörden meldeten zuletzt durchschnittlich 100.000 Neuinfektionen pro Tag.

 November 3, 2020, Scranton, United States: Joe Biden points to supporters at a stop in Scranton on Tuesday. .Joe Biden visits the Union hall in Scranton Pa. on election day. Scranton United States - ZUMAs197 20201103_zaa_s197_100 Copyright: xAimeexD
In der Corona-Krise will Biden einen gänzlich anderen Weg einschlagen als Trump.
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Internationale Beziehungen und Verhältnis zu Deutschland

Eins wird sich sofort ändern, sobald Joe Biden das Weiße Haus bezieht: Der Umgang mit internationalen Verbündeten und auch Gegnern. Weg von Trumps lautem Getöse via Twitter wird Biden zurückkehren zu diplomatischen Beziehungen auf Augenhöhe. Donald Trump hat in seiner Amtszeit Dutzende Internationale Abkommen aufgekündigt und ist aus zahlreichen Bündnissen ausgetreten. Darunter aus dem Pariser Klimaabkommen, der WHO und auch aus dem Atomabkommen mit dem Iran. Biden hingegen will die Beziehungen zu Verbündeten in aller Welt kitten und die USA in internationale Abkommen zurückführen.

In Deutschland sorgte der Sieg Bidens für Erleichterung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wünschte Biden "von Herzen Glück und Erfolg". "Unsere transatlantische Freundschaft ist unersetzlich, wenn wir die großen Herausforderungen dieser Zeit bewältigen wollen." Zuletzt war die früher so starke Freundschaft extremen Strapazen ausgesetzt. Es gab es kaum noch Kommunikation auf höherer Ebene, vom geplanten US-Truppenabzug erfuhr die Bundesregierung aus den Medien, und Deutschland zählte international zu den Lieblingszielen von Trumps Twittertiraden.

Biden steht vor einem gewaltigen Berg an Aufgaben

Fest steht: Donald Trump wird Joe Biden in vielen Bereichen einen Scherbenhaufen hinterlassen. Ein derart kompliziertes Land wie die USA vom einen auf den anderen Tag umzukrempeln, ist unmöglich. Einfach wird die Aufgabe des Demokraten also definitiv nicht. Es bleibt abzuwarten, ob er das Land wieder in geregelte Bahnen lenken – oder an der Herausforderung scheitern wird.

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