Wie können wir 2020 das Fest der Liebe feiern?

Corona und Weihnachten - wie geht das zusammen?

Auch im Jahr 2020 steht Weihnachten ganz plötzlich vor der Tür. Aber wie werden wir es feiern, in Zeiten der Corona-Pandemie?
© dpa, Friso Gentsch

14. Oktober 2020 - 13:20 Uhr

von Sebastian Huld und Kai Stoppel

Auch im Jahr 2020 steht Weihnachten ganz plötzlich vor der Tür. Aber wie werden wir es feiern, in Zeiten der Corona-Pandemie? Wer darf zu Besuch kommen und wie viele? Muss Oma zu ihrem eigenen Schutz ausgeladen werden? Und: Wie können wir überhaupt planen? Das sind Fragen, die viele Familien nun bewegen und über denen ein großes Fragezeichen schwebt…

Ab diesem Dienstag gilt der Winterfahrplan der Deutschen Bahn. Für viele Menschen in Deutschland bedeutet das: Feiertagspläne festzurren und nach einigem Hin und Her mit Eltern, Groß- und Schwiegereltern, mit Kindern, Enkeln und Geschwistern Ausschau nach günstigen Verbindungen halten. Weihnachtszeit ist Reisezeit, schließlich sollen bei dem Familienfest möglichst viele Menschen zusammenkommen und möglichst wenige allein bleiben. Doch wie schon über den Sommer- und Herbstferien schwebt auch über dem Weihnachtsfest das Corona-Fragezeichen.

Die Politik in Bund und Ländern tut sich derzeit erkennbar schwer damit, Antworten auf die wachsenden Infektionszahlen und immer weniger nachvollziehbaren Ansteckungsketten zu finden. Das zeigt sich in dieser Woche in der Debatte um kurzfristig verhängte Beherbergungsverbote und über eine mögliche Verlängerung der Weihnachtsferien. Hinweise aus der Politik, wie die übergroße Mehrheit der verantwortungsvollen Bürgerinnen und Bürger ihr Weihnachtsfest planen soll, bleiben bislang aus.

Gibt es wieder einen Verzichtsaufruf wie noch zu Ostern?

 Angela Merkel, Bundeskanzlerin, CDU, Generaldebatte zum Bundeshaushalt im Deutschen Bundestag, DEU, Berlin, 30.09.2020 *** Angela Merkel, Federal Chancellor, CDU, General debate on the federal budget in the German Bundestag, DEU, Berlin, 30 09 2020
Zu Ostern sagte Merkel: "Eine Pandemie kennt keine Feiertage."
© imago images/Jens Schicke, Jens Schicke via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Im Kanzleramt und bei den Ministerpräsidenten kann sich nach Informationen von RTL niemand begeistern für einen erneuten Verzichtsaufruf wie noch zu Ostern. Damals sagte Merkel: "Eine Pandemie kennt keine Feiertage." Auch wenn Ostern nach christlicher Lesart das wichtigere Ereignis ist, ist Weihnachten für die meisten Menschen das bedeutendere Fest. Dazu aufzurufen, diese Feierlichkeiten ausfallen zu lassen, ist nicht nur für Länderchefs schwer vorstellbar, deren Parteiname das Wort christlich enthält.

Auf Nachfrage beim Ministerium von Gesundheitsminister Jens Spahn gibt es ebenfalls keine Empfehlungen zu Reisen und Zusammenkünften während der Feiertage. Stattdessen verweist eine Sprecherin auf die Zuständigkeit der Länder für etwaige Infektionsschutzmaßnahmen. Diese geben aber derzeit ein uneinheitliches Bild ab. Gerade Flächenstaaten sind momentan bemüht, die Menschen aus den Ballungszentren mit hohen Corona-Inzidenzen vom Land fernzuhalten. Typischerweise kehren aber gerade zu Weihnachten Kinder und Enkel aus den Städten heim zu ihren Familien in den ländlichen Regionen. "Was man mit dem Beherbergungsverbot verhindern wollte, das würde dann durch die Besuche zu Weihnachten besonders gefördert", befürchtet der Epidemiologe Timo Ulrichs im Gespräch mit RTL.

Dass bei diesen Wiedersehen im größeren Familienkreis die AHA-Regeln eingehalten werden und permanent die Räume gelüftet werden, scheint unrealistisch. Möglicherweise bringt das Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten am Mittwoch neue Erkenntnisse. Dann sollen Reiseregeln und Obergrenzen für Zusammenkünfte ganz oben auf der Tagesordnung stehen.

Epidemiologe: Den Kreis so klein wie möglich halten!

Aus epidemiologischer Sicht muss Weihnachten zwar nicht ganz, aber anders als gewohnt ausfallen. Für Familienbesuche rät Ulrichs, den Kreis der Feiernden so klein wie möglich zu halten. "Wir werden Weihnachten dieses Jahr anders feiern, als wir es bisher gewohnt sind." Im kleinen Rahmen würden Familienfeiern sicher möglich sein, so Ulrichs. Größere Zusammenkünfte, wie etwa in Kirchen, sollte man jedoch besser meiden. "Es kann auch sein, dass wir ganz auf Gottesdienste verzichten müssen. Jedenfalls in der Art und Weise, wie wir sie bisher gekannt haben."

Mit Blick auf Treffen mit Familienmitgliedern höheren Alters rät Ulrichs zudem besonders darauf zu achten, sich vor dem Treffen nicht mit dem Coronavirus anzustecken. Sein Tipp: eine 14-Tage-Quarantäne vor dem Weihnachts-Besuch - eine Art "Vorquarantäne". Diese hatte auch der Virologe Christian Drosten in seinem Podcast empfohlen. Klar ist aber auch, dass eine Selbstisolation für viele Arbeitnehmer ebenso schwierig ist wie für Schüler. Zumindest aber kann sich jede und jeder bemühen, die Zahl enger persönlicher Kontakte möglichst klein zu halten.

...und in den Zügen knubbelt es sich dann ordentlich?

Doch auch im Fall einer halbwegs erfolgreichen Vorquarantäne stellt sich die Frage nach einer sicheren Anreise. Öffentliche Verkehrsmittel wie Bahn und Flugzeug sieht Ulrichs im Vorweihnachtsverkehr kritisch. "Eigentlich ist es auch in der Pandemie eine relativ sichere Sache, mit Fernzügen zu reisen. Aber unmittelbar vor den Feiertagen könnte es voll werden." Volle Züge stellten jedoch eine Gefahrenquelle dar. Ulrichs rät daher, die Anreise etwa mit der Bahn nach Möglichkeit so zu planen, dass man dem Hauptreisestrom entgeht.

Die Deutsche Bahn hingegen verweist auf die mit dem Fahrplanwechsel noch einmal gewachsenen Kapazitäten. "In diesem Jahr werden wir für die Reisezeit vor den Weihnachtsfeiertagen über eine noch größere Zugflotte verfügen", sagt ein Bahn-Sprecher zu RTL. Zugleich liege die Auslastung der Züge im Fernverkehr zurzeit deutschlandweit bei im Durchschnitt gerade einmal 40 Prozent.

Der Sprecher verweist zudem auf die Auslastungsanzeige im DB Navigator, der anzeigt, wie voll ein Zug ist. Wer aber heute ein Ticket für einen leeren Zug im Dezember bucht, kann sich nicht darauf verlassen, dass dieser Zug auch in ein paar Wochen noch halbwegs leer ist.

Ulrichs rät als Alternative zum Auto. Fliegen sei mit einem Risiko verbunden, weil man sich mit anderen Menschen in einem engen Raum aufhalte, wenn auch zeitlich begrenzt. Vorteil des eigenen Autos ist auch, dass man die Reise ohne Zusatzkosten spontan streichen kann. Denn je nach Entwicklung der Corona-Zahlen lässt sich ein abermaliger Lockdown nicht vollständig ausschließen. Auch, wenn ihn niemand will.

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