Desiree Simon hat eine Botschaft an uns und die Politiker

Kassiererin über Corona-Wahnsinn: "Alte Menschen stehen mit Tränen in den Augen vor den Regalen"

21. März 2020 - 10:01 Uhr

Wegen Coronavirus: Verausgabung bis an die Grenze der Belastbarkeit

Seit vielen Jahren arbeitet Desiree Simon als Kassiererin in einem großen deutschen Supermarkt. Die 41-Jährige findet es erschreckend, wie sich das Verhalten der Kunden im Laufe der Corona-Pandemie verändert hat. Während sie und ihre Kolleginnen sich bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit verausgaben, sieht sie, wie die Menschen um sie herum rabiater und egoistischer werden. Vor allen mit Senioren erlebt sie traurige Situationen. Deshalb möchte Desiree Simon gern eine wichtige Botschaft an uns alle loswerden. Wir zeigen sie im Video.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

"Es macht mich traurig, dass jeder nur noch an sich selbst denkt"

Simon kann gut verstehen, wie ihr Kollegin Farine Kerekes sich fühlt. Die hatte über Twitter berichtet, wie entsetzt sie über Hamsterkäufe sei und das Verhalten "eine Schande für unsere Gesellschaft" genannt. 

Auch sie selbst kennt solche Situationen. Will sie nach Feierabend einkaufen, sehe die 41-Jährige leere Regale. "Man fühlt sich wie in der Nachkriegszeit, dass jeder alles nur hamstern will. Klopapier, Küchenrolle, Nudeln, Mehl. Alles, was überhaupt nicht nötig ist." sagt sie. Dabei werde die Lebensmittelversogung nicht zusammenbrechen. Während bei den einen die Speisekammern und Vorratskeller aus allen Nähten platzen, hätten vor allem diejenigen das Nachsehen, die es am härtesten tifft. "Da stehen alte und sozial schwächere Menschen mit Tränen in den Augen vor den Regalen und man kann denen nicht helfen", sagt Simon traurig. "Ich hätte niemals damit gerechnet, dass die Menschen ihre Solidarität so einfach über Bord werfen. Dieses Miteinander und Füreinander gibt es nicht mehr. Es macht mich traurig, dass jeder nur noch an sich selbst denkt."

"Bedankt euch so bei uns"

Andere Kunden gehen trotz hoher Ansteckungsgefahr noch immer mit ihrer ganzen Familie los, um einen Fernseher zu kaufen. Das macht es für andere schwieriger, den Sicherheitsabstand von zwei Metern einzuhalten. "Viele achten nicht drauf und nehmen es nich ernst", sagt sie und berichtet von wahnsinnigen Situationen. "Die kommen uns nah, haben ihren Pfandbon im Mund und lecken ihr Geld ab." Dabei sei es wichtig, dass ihre Kolleginnen gesund bleiben. Sie sei bereit, sich dieser Aufgabe zu stellen.

Die Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel sei aufbauend gewesen. Doch Desiree Simon hätte gern mehr als nur warme Worte: "Wenn das alles irgendwann vorbei ist, dann wäre es doch nett, wenn sie die Allgemeinverbindlichkeit für Tarifverträge wieder aussprechen würden. Damit es ein Ende hat, dass jeder einfach das bezahlt, was er für richtig hält." Berufszweige im Einzelhandel und in der Pflege seien schwer vernachlässtigt worden. "Bedankt euch so bei uns. Bezahlt uns - fair."

RTL.de empfiehlt

Anzeigen:

RTL.de-Doku: Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus

Das Corona-Virus hält Deutschland und den Rest der Welt in Atem. Wie konnte es zur rasanten Verbreitung kommen und was bedeutet der Ausbruch für unseren Alltag? Warum Wissenschaftler schon lange vor dem Ausbruch vor dem Virus gewarnt haben, erfahren Sie in der RTL.de-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus".

Auch interessant