"Ich denke nicht, dass wir auf niedrigere Fallzahlen hoffen können."

Wird der Sommer wieder entspannter? Virologe Drosten rechnet eher mit 100.000 Infizierten pro Tag

22. Januar 2021 - 14:43 Uhr

Viele haben Hoffnung auf einen entspannteren Sommer

Die Lockdown-Regeln sind in die Verlängerung gegangen, immer noch ist die Zahl der Coronainfizierten und -toten hoch. Die Hoffnung ist bei vielen groß, dass sich die Lage entspannt, wenn es etwas wärmer wird. So war es vergangenen Sommer auch. Virologe Christian Drosten ist pessimistisch, dass es auch in diesem Jahr einen entspannten Frühling und Sommer geben wird. Sehen Sie im Video, was Drosten zur Sommer-Prognose auf einer Pressekonferenz am Freitag in Berlin sagte.

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Nach Ende des Lockdowns könnten die Zahlen in die Höhe schießen

"Dass wir 2020 einen so entspannten Sommer hatten, hatte wahrscheinlich damit zu tun, dass unsere Fallzahlen im Frühjahr unter einer kritischen Schwelle geblieben sind", sagt Drosten in einem Interview mit dem "Spiegel". Diesen Frühling und Sommer allerdings werden laut dem Virologen die Fallzahlen nicht sinken. Ganz im Gegenteil: Der Charité-Professor fürchtet, dass sich in diesem Sommer innerhalb kürzester Zeit viele Menschen infizieren. "Wenn die alten Menschen und vielleicht auch ein Teil der Risikogruppen geimpft sein werden, wird ein riesiger wirtschaftlicher, gesellschaftlicher, politischer und vielleicht auch rechtlicher Druck entstehen, die Corona-Maßnahmen zu beenden." Das könne im schlimmsten Szenario Fallzahlen von 100.000 pro Tag haben.

Wir müssen den R-Wert weiter senken

Wichtig ist es laut Drosten deswegen auch, den R-Wert weiter zu senken. Deutschland solle versuchen, durch die Verschärfungen des Lockdown auf einen Wert von 0,7 zu kommen. Dann würden sich die Fälle wöchentlich halbieren. Besonders wichtig ist es auch, dass es gelinge, die britische Mutation einzudämmen, sagt Drosten im "Spiegel". "Nach allem, was wir wissen, beginnt B.1.1.7 gerade erst, sich in Deutschland auszubreiten. Ich glaube, dass jetzt noch die einmalige Gelegenheit besteht, die Verbreitung dieser Variante bei uns zu verhindern oder zumindest stark zu verlangsamen." Würden wir es schaffen, die Variante unterhalb einer kritischen Marke zu halten, könnten wir zumindest hoffen, dass sie sich hier nicht so rasant ausbreitet.

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