Keine Strafe trotz Corona-Verstoß

Kuss-Eklat in Bundesliga: Hertha-Spieler busseln sich ab

16. Mai 2020 - 21:43 Uhr

Hertha jubelt mit Körperkontakt

Sie sollten doch bitte jubeln, ohne sich zu umarmen, abzuklatschen, ja geschweige denn zu küssen. So lautete der eindringliche Appell der DFL vor dem ersten Geister-Spieltag in Corona-Zeiten. Den Spielern von Hertha BSC war's offenbar schnuppe. Bei ihrem 3:0-Sieg in Hoffenheim verstießen die Berliner reihenweise gegen die Corona-Richtlinien. Bestraft werden sie trotzdem nicht.

Kuss-Sanktionen "erübrigen sich"

Hoffenheim gegen Hertha, 58 Minute: Die Gäste aus Berlin gehen durch ein Eigentor in Fühung. Von der erbetenen Zurückhaltung nix zu sehen. Im Gegenteil Dedryck Boyata gibt seinem Mitspieler Marko Grujic einen fetten Schmatzer auf die Wange. Virologen-Herzkasper-Gefahr im Kraichgau.

Auch die Tore zum 2:0 und 3:0 feierten die Herthaner mit Jubeltraube und allem zipp und zapp. Beim 3:1 der Gladbacher in Frankfurt ging es ebenfalls verboten zärtlich zu: Marcus Thuram suchte nach seinem Treffer zum 2:0 mit seinem Borussen-Kollegen Ramy Bensebaini den Wangenkontakt und schien ihm sogar ein Küsschen aufzuhauchen.

Eine Strafe setzt es von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) trotz der Corona-Verstöße nicht. ​

BVB putzt Schalke: So lief der Geister-Spieltag

Hertha's Belgian defender Dedryck Boyata, left, talks to teammate Serbian midfielder Marko Grujic during the Bundesliga soccer match between TSG 1899 Hoffenheim and Hertha BSC Berlin in Sinsheim, Germany, Saturday, May 16, 2020. The German Bundesliga
Au Backe! Hertha-Spieler Dedryck Boyata warf jegliche Corona-Vorsicht über Bord und gab seinem Teamkollegen Marco Grujic einen Schmatzer auf die Wange.
© AP, Thomas Kienzle
Dortmund's Thorgan Hazard, left, celebrates with Erling Haaland after scoring his side's third goal during the German Bundesliga soccer match between Borussia Dortmund and Schalke 04 in Dortmund, Germany, Saturday, May 16, 2020. The German Bundesliga
Die Dortmunder Thorgan Hazard und Julian Brandt jubelten beim 4:0 über Schalke brav mit Sicherheitsabstand
© AP, Martin Meissner, AF

Der Torjubel von Spielern sei "nicht Bestandteil" des medizinisch-organisatorischen Konzepts, teilte ein DFL-Sprecher mit und betonte: "Zum Thema Torjubel wurden in Ergänzung zum Konzept lediglich Hinweise zur Orientierung gegeben – Sanktionen erübrigen sich daher."

Im "Covid-19 Organisations-Rundschreiben Sonderspielbetrieb" der DFL an die Vereine heißt es zwar: "Gemeinsames Jubeln, Abklatschen und Umarmungen sind zu unterlassen." Dieses Schreiben ist aber tatsächlich nicht Bestandteil des DFL-Konzepts, das von der Politik für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs genehmigt worden war.

Kalou löste Corona-Eklat aus

Herthas neuer Trainer Bruno Labbadia warb um Verständnis. "Ich hoffe, die Menschen draußen haben Verständnis dafür. Es ist nur eine Empfehlung, sich zurückzuhalten. Wir wurden sechsmal negativ getestet, zuletzt gestern. Emotionen gehören auch ein Stück weit dazu. Sonst brauchen wir das Spiel nicht zu spielen", sagte der Nachfolger von Jürgen Klinsmann. Auf seinen Spielern habe ein "unheimlicher Druck" gelastet.

Anfang des Monats hatte Hertha-Spieler Salomon Kalou mit einem Facebook-Video Aufsehen erregt. Unter anderem war im Video des 34 Jahre alten Offensivspielers zu sehen, wie bei dessen Teamkollegen Jordan Torunarigha eine Probe für einen Corona-Test genommen wurde.

Kalou filmte auch Gespräche in der Umkleidekabine unter anderem mit Teamkollege Ibisevic. Während der ganzen Video-Sequenz gibt Kalou immer wieder Mitspielern oder Vereinsmitarbeitern die Hand und verstößt damit gegen das Hygiene-Konzept. Kalou wurde suspendiert.

RTL.de/dpa/SID