Welthunger-Index veröffentlicht

Corona verschärft den Welthunger

Corona verschärft den Welthunger
© dpa, Nadeem Khawer

12. Oktober 2020 - 12:12 Uhr

Index ist besorgniserregend

Der Welthunger-Index zeigt seit Jahren Fortschritte im Kampf gegen Unterernährung. Doch Corona könnte diese zunichte machen. Die Zahl der Hungernden ist gestiegen. Der neue Welthunger-Index, der jetzt veröffentlich wurde, ist besorgniserregend und gibt wenig Anlass zu Optimismus. Zwar hat es in den letzten Jahren durchaus regional kleine Fortschritte gegeben. Doch die seien insgesamt zu gering.

Corona-Epidemie stoppt viele Entwicklungsprogramme

Im Jahr 2015 hatten sich die Vereinten Nationen auf das Ziel geeinigt, den weltweiten Hunger bis 2030 zu besiegen. Im aktuellen Welthunger-Index heißt es nun, es sei "nicht wahrscheinlich, dass dieses Ziel erreicht werden kann".

Dass die Fortschritte insgesamt zu gering seien, ist angesichts der aktuellen Entwicklungen sogar noch arg untertrieben. Denn ausgerechnet seit 2015, dem Jahr des UN-Beschlusses, ist die Zahl der Hungernden wieder gestiegen. Nach 1990 war sie von 1,9 Milliarden bis auf 653 Millionen gesunken. Jetzt liegt die Zahl wieder bei 690 Millionen.

Und sie wird wohl weiter steigen. Denn der Ausbruch der Corona-Pandemie hat viele Entwicklungs-Programme über den Haufen geworfen. Der Welthunger kehrt mit aller Macht auf die Tagesordnung zurück und wird für die Länder südlich der Sahara zu einer zentralen Herausforderung. Der Einbruch der globalen Wirtschaft hat regional zum Teil verheerende Konsequenzen.

"Schon vor dem Ausbruch der COVID-19 Pandemie war die Hungersituation insbesondere in Afrika südlich der Sahara und Südasien alarmierend. Die Menschen leiden unter einer Vielzahl von Krisen durch Kriege, Dürren, Überschwemmungen, Heuschreckenplagen. COVID-19 wirkt wie ein Brandbeschleuniger", erklärt Marlehn Thieme, Präsidentin der Welthungerhilfe. Und weiter: "Wenn wir bei der Hungerbekämpfung weiter so machen wie bisher, werden es 37 Länder bis 2030 nicht schaffen, ein niedriges Hungerniveau zu erreichen".

Kinder sind besonders betroffen

Der Welthunger-Index stuft die Werte von "gravierend", über "sehr ernst" bis "niedrig" ein.

  • Im Bereich "niedrig" finden sich lateinamerikanische und asiatische Schwellenländer wie China wieder.
  • Große Hungerprobleme gibt es nach dem Welthunger-Index vor allem in Afrika, aber auch in asiatischen Ländern.
  • In der schlechtesten Kategorie "gravierend" findet sich aktuell kein Land, aber in elf Staaten ist die Situation "sehr ernst". Dazu zählen Tschad, Timor-Leste und Madagaskar. Auch Burundi, die Zentralafrikanische Republik, die Komoren, der Kongo, Somalia, Südsudan, Syrien und Jemen sind in dieser Kategorie.

Die Weltbank befürchtet, dass die Zahl der Hungernden im Jahr 2021 nicht nur weiter, sondern auch noch schneller steigen wird. Zu den aktuell 690 Millionen könnten dann weitere 150 Millionen Menschen hinzukommen.

Besonders betroffen sind Kinder. Für jeden Prozentpunkt, den das weltweite Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr sinkt, werden 700.000 Kinder dauerhafte Wachstumsverzögerungen erleiden. Erwartet werden für dieses Jahr vier bis fünf Prozent Verlust beim Welt-BIP.

Wie dringlich das Thema ist, zeigt auch die Vergabe des Friedensnobelpreises an das UN-Welternährungsprogramm. Die Welthungerhilfe hat dies heute noch einmal ausdrücklich begrüßt: "Dies ist ein Ansporn, für die Abschaffung des Hungers zu kämpfen und den betroffenen Menschen eine Stimme zu geben", so Präsidentin Thieme.

Und das UN-Ziel, bis 2030 den weltweiten Hunger doch noch zu besiegen, bleibt für die Welthungerhilfe weiter ganz oben auf der Tagesordnung.

Noch mehr Politik-News in unserer Videoplaylist

​Spannende Hintergrund-Reportagen zu gesellschaftspolitischen Themen wie Gesundheit, Schule oder natürlich auch zu aktuellen Corona-Maßnahmen, sowie interessante Interviews mit Politikern – das alles finden Sie in unserer Video-Playlist.

Politiker-Interviews im "Frühstart"

In der Interview-Reihe "Frühstart" treffen wir täglich spannende Gesprächspartner aus der Politik. In unserer Videoplaylist können Sie sich die Video-Interviews ansehen.