Top-Wissenschaftler fordern neue Untersuchung

Corona-Ursprung: Ist doch ein Laborunfall schuld?

44 neue Corona-Infektionen soll es in Dithmarschen in Schleswig-Holstein innerhalb der letzten sieben Tage gegeben haben (Symbolbild).
44 neue Corona-Infektionen soll es in Dithmarschen in Schleswig-Holstein innerhalb der letzten sieben Tage gegeben haben (Symbolbild).
© iStockphoto, HIZIR KAYA

24. Mai 2021 - 10:35 Uhr

Wildtiermarkt-Theorie auf dem Prüfstand

Ist ein Laborunfall verantwortlich für mehr als 3,4 Millionen Tote weltweit? Bislang war die gängigste Theorie: Auf einem Wildtiermarkt in der chinesischen Millionenstadt Wuhan ist das Virus vom Tier auf den Menschen übergesprungen. Jetzt ziehen erstmals eine Reihe von renommierten Wissenschaftlern, einen Laborunfall als Ursprung des Coronavirus, öffentlich in Betracht.

Elite-Forscher: Laborunfallthese "tragfähig"

Laut der Laborunfalltheorie forschten im Institut für Virologie Wuhan Wissenschaftler an Sars und anderen Coronaviren. Dabei soll ein künstlich hochgezüchteter Erreger unbeabsichtigt aus dem Labor entwichen sein. Eine Theorie, die sich hartnäckig hält. Anfang des Jahres bezeichnete der Hamburger Physiker Roland Wiesendanger den Laborunfall in Wuhan sogar als "die mit Abstand wahrscheinlichste Ursache für die Corona-Pandemie". Im angesehen Wissenschaftsmagazin "Science", wurde jetzt ein Brief von 18 Forschern veröffentlicht, in dem zumindest weitere Bemühungen bei der Suche nach dem Ursprung von Covid-19 gefordert werden. Diese Laborunfallthese sei genau wie die Theorie eines tierischen Ursprungs, weiterhin "tragfähig". Die Wissenschaftler sprechen sich jedoch für keine der beiden Thesen aus. Sie bemängeln vielmehr, dass die Ermittler der Weltgesundheitsorganisation WHO der Laborunfallthese nicht genug Raum gegeben hätten. In dem nun veröffentlichten Brief fordern die Forscher eine neue, transparente und objektive Untersuchung, die von unabhängiger Stelle überprüft werden soll.

Brief als Wendepunkt?

"Das Blatt scheint sich zu wenden", sagt der Genetikprofessor Günter Theißen. Denn zu den Autoren des vom Wissenschaftsmagazin "Science" veröffentlichten Briefes würde erstmals auch eine Reihe als besonders erfahren und angesehen geltender Corona-Forscher zählen. Theißen selbst hatte zusammen mit etwa zwei Dutzend weiteren internationalen Forschern Anfang März in einem offenen Brief eine neue Untersuchung des Virus-Ursprungs gefordert.

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Verdächtige Gensequenz

Günter Theißen sieht starke Hinweise dafür, dass der Corona-Ursprung tatsächlich ein Laborunfall gewesen sein könnte. Grund dafür ist eine genetische Besonderheit von Sars-CoV-2, die es dem Virus ermöglicht, mit seinem Spike-Protein effektiv in menschliche Zellen einzudringen. Dass eine derartige Gensequenz auf natürlichem Wege entsteht, sei zwar nicht ausgeschlossen, allerdings auch nicht sehr wahrscheinlich. Einfach sei es jedoch, eine derartige genetische Veränderung im Labor zu erzeugen, sagt der Forscher. Und das Experimente, bei denen genau solche Gensequenzen eingebaut wurden, im Institut für Virologie in Wuhan stattgefunden haben, sei bekannt. Es fehle nur der Beweis, dass so etwas auch mit einer unmittelbaren Vorläufersequenz für Sars-CoV-2 geschah und dass ein solches Virus dann aus dem Labor entkam.

"Wahrheit wird siegen"

Die Laborunfalltheorie schien eigentlich so gut wie erledigt. Im März 2020 schrieben Forscher im Fachmagazin "Nature": "Wir glauben nicht, dass irgendeine Art von laborbasiertem Szenario plausibel ist." Die Weltgesundheitsorganisation, die in Wuhan nach der Herkunft von Sars-CoV-2 gesucht hatte, bezeichnete in ihrem Abschlussbericht den tierischen Ursprung des Erregers als "wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich". Ein Laborunfall hingegen sei "extrem unwahrscheinlich". Aber wird die Wahrheit über den Ursprung von Sars-CoV-2 jemals ans Licht kommen? Günter Theißen ist davon überzeugt: "Langfristig wird die Wahrheit siegen."