Hilfsorganisationen warnen vor Massensterben

Corona und die große Gefahr für Nordwest-Syrien und die Flüchtlinge

A Campaign To Prevent Corona Virus In Idlib Governorate
© Zuma / SplashNews.com

19. März 2020 - 12:39 Uhr

Was passiert, wenn sich das Corona-Virus ausbreitet?

Hilfsorganisationen warnen vor den dramatischen Folgen, sollte sich das Coronavirus in der umkämpften Bürgerkriegsregion Idlib in Nordwest-Syrien ausbreiten. Dann drohe ein Massensterben unter der Bevölkerung und den fast eine Millionen Flüchtlingen.

Hilfsorganisationen warnen vor Massensterben

Vor zwei Wochen waren die Eskalation in der Bürgerkriegsregion Idlib in Nordwest-Syrien und die daraufhin von Präsident Erdogan verkündete Öffnung der türkischen Grenze Richtung Griechenland das wichtigste politische Thema.

Das Coronavirus hat die Lage in Syrien und die Zuspitzung der Flüchtlingskrise aus den Schlagzeilen verdrängt. Doch an der Situation hat sich seitdem wenig geändert. Jetzt kommt die Bedrohung durch das Virus noch hinzu.

Angesichts dieser Lage richten Hilfsorganisationen einen dramatischen Appell an die Öffentlichkeit und warnen vor dramatischen Folgen einer Ausbreitung des Virus unter den Vertriebenen. Dirk Hegmanns, Regionaldirektor der Welthungerhilfe für Syrien sagt: "Dann muss man, so brutal sich das anhört, fast schon mit einem Massensterben rechnen. Da die russische Luftwaffe systematisch Kliniken zerstört hat, gibt es dort keine Gesundheitsversorgung." Im gesamten Nordwesten Syriens gebe es nur ganze 50 Beatmungsgeräte.

Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO ist extrem besorgt. Die Bevölkerung in der Region sei besonders gefährdet. Die Organisation arbeite daran, Ausrüstung für Corona-Tests in die Region zu bringen, um damit in der nächsten Woche beginnen zu können.

Offiziell ist niemand in Syrien an Corona erkrankt

18.03.2020, Syrien, Idlib: Eine Gruppe von Mitarbeitern der Gesundheitsdirektion verteilt Flyer, um die Bürger über das Coronavirus aufzuklären. Foto: Moawia Atrash/ZUMA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Eine Gruppe von Mitarbeitern der Gesundheitsdirektion verteilt Flyer, um die Bürger über das Coronavirus aufzuklären.
© dpa, Moawia Atrash, zeus

Offiziell hat Syrien bislang noch keine Coronavirus-Infektionen gemeldet. Dirk Hegmanns sagt, es lägen auch aus den von Assad-Gegnern kontrollierten Gebieten keine Zahlen vor. Gibt es sie wirklich nicht oder sind sie bislang nur nicht festgestellt worden?

Fest steht jedoch, sollte sich das Virus ausbreiten, dürften die Zahlen ähnlich exponentiell steigen, wie derzeit in Europa. "Ärzte ohne Grenzen" warnt, dass dies ohne zusätzliche Hilfen schnell zu einer kritischen Lage führen könne: "Die Erkrankung würde sich sehr schnell ausbreiten, vor allem in Lagern." Klinken und Gesundheitszentren wären von einem Patientenansturm überfordert. 

Um so mehr ist ein sofortiges Ende der Kämpfe in der Region Idlib erforderlich.

Vor zwei Wochen vereinbarte Waffenruhe wird zwar weitgehend eingehalten, ist jedoch noch nicht wirklich stabil. Immerhin sind die verheerenden Bombenangriffe der syrischen und russischen Luftwaffe auf Idlib beendet worden.

Leichte Entspannung an der türkisch-griechischen Grenze

Eine leichte Entspannung zeichnet sich an der türkisch-griechischen Grenze ab, seitdem der türkische Präsident Erdogan Migranten und Flüchtlingen nicht mehr suggeriert, die Grenze nach Griechenland sei offen. Dennoch kampieren weiterhin bis zu 12.000 Menschen in Grenznähe.

Und auch hier gilt das gleiche, wie in Nordwest-Syrien. Die medizinische Versorgung schlecht, das Coronavirus angesichts der vielen anderen Sorgen der Vertriebenen bislang kaum ein Thema. Und auch hier sind die Konsequenzen einer drohenden Ausbreitung des Virus kaum auszudenken.