Corona-Talk bei "Anne Will"

Was kommt nach dem Shutdown?

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) versicherte bei "Anne Will", die Bundesregierung habe aus der Corona-Krise bereits gelernt.
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30. März 2020 - 9:07 Uhr

Wirtschaft und Gesundheit – beides muss geschützt werden

Der Shutdown, die Kontaktsperre – all das muss in der Coronavirus-Krise erstmal bestehen bleiben, darüber ist sich die Talkrunde am Sonntag bei Anne Will einig. Die Wirkung der Maßnahmen darf nicht gefährdet werden. Spannender und schwieriger ist die Frage, wie die Zeit danach aussehen könnte. Clemens Fuest vom Münchner Ifo-Institut fordert, dass man Schutz der Wirtschaft und Schutz der Gesundheit auf längere Sicht miteinander vereinbaren muss. In einer Woche Shutdown gingen 40 Milliarden Euro verloren.

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Darüber wurde bei "Anne Will" diskutiert

Wie könnte eine Coronavirus-Strategie nach den derzeitigen strengen Maßnahmen aussehen? Wie schafft man es, Menschenleben und Wirtschaft zu retten? Wann wird das Personal in Medizin und Pflege besser mit Schutzkleidung ausgestattet?

Die Gäste und ihre wichtigsten Aussagen

 Peter Tschentscher (SPD)
Peter Tschentscher (SPD), Erster Bürgermeister Hamburgs, warnt davor, Maßnahmen zu früh wieder zu lockern.
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  • Peter Altmaier (CDU), Wirtschaftsminister: versichert, die Bundesregierung habe aus der Krise bereits gelernt. "Das heißt, die Vorratshaltung von bestimmten notfallmedizinischen Geräten – Masken brauchen Sie bei jeder großen Virusinfektion, die im Land ausbricht – bis hin zu der Frage, wie man in bestimmten strategischen Bereichen die Menschen so bezahlt, dass wir den Pflegenotstand auch lindern können." Deutschland dürfe nach der Krise nicht so weitermachen wie vor der Krise.
  • Gerard Krause, Epidemiologe: lehnt das Tracking von Handydaten nach südkoreanischem Vorbild ab. Zum einen sei die räumliche Nähe allein, die das Tracking misst, nicht ausschlaggebend für das Infektionsrisiko. Dadurch würden Menschen unnötig verängstigt. Und bei so begrenzter Wirksamkeit sei es nicht verhältnismäßig, "weil hier doch ganz massiv in die Persönlichkeitsrechte eingegriffen wird. Und ich halte das gemessen an dem zu erwartenden Erfolg nicht für angemessen"
  • Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister von Hamburg: "Die Wirkung solcher Maßnahmen kommt erst mit einer bestimmten Verzögerung", und Deutschland dürfe diese Wirkung auf keinen Fall aufs Spiel setzen, indem man unvorsichtig sei und zu früh aus diesen Maßnahmen wieder rausgehe. "Deswegen muss man jetzt wirklich die Nerven behalten."
  • Susanne Johna, Pandemiebeauftragte der Bundesärztekammer: Ihre größte Sorge sei, ob man das dringend benötigte Personal, um all die Patienten zu versorgen, auch weiter gesund halten könne. Die dafür erforderliche Schutzausrüstung habe man nicht. "Die arbeiten mit Material, das reicht gerade bis zum nächsten oder übernächsten Tag", sagt Johna, ein Nervenspiel sei das.
  • Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung: "Wir müssen es schaffen, arbeiten zu gehen und uns vor Ansteckung zu schützen." Das sei kompliziert und müsse jetzt geplant werden, "damit wir Ende Mai, wenn die Fachleute sagen, es ist okay, und wenn die Politik so entscheidet, ein Konzept in der Hand haben".

Das Fazit

Bezogen auf die Frage, wann Deutschland die rigiden Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus lockern könnte, hat kein Teilnehmer der Talkrunde eine Antwort. Man müsse noch mindestens eine Woche abwarten, um zu sehen, ob und wie gut die Kontaktsperre und Schul- und Unternehmensschließungen greifen. Um die Zeit danach zu gestalten, müssten Politiker mit Experten zusammen ein gutes Konzept erarbeiten.

Der Wirtschaftsexperte Clemens Fuest mahnt an, dass man nicht den Schutz von Menschen dem Schutz der Wirtschaft gegenüberstellen dürfe. Die neue Strategie müsse beides verbinden. Wirtschaftsminister Altmaier erklärt, dass Deutschland auf zukünftige Epidemien besser vorbereitet sein müsse, Berufe in der Pflege müssten besser bezahlt und damit attraktiver werden.