Trump sagt Verhandlungen über Corona-Hilfen ab

Virus greift im Weißen Haus weiter um sich

Trump ist zurück im Weißen Haus
© dpa, Alex Brandon, AB kay

07. Oktober 2020 - 9:24 Uhr

Trump sagt Hilfen mitten in Wirtschaftskrise und Wahlkampf ab

Abgelehnt. Keine weiteren Verhandlungen mit den Demokraten über ein neues Hilfspaket vor der Wahl. Erst wenn er am 3. November gewonnen habe werde ein großes Konjunkturpaket verabschiedet, verkündet Donald Trump per Twitter.

Wenig später ist ihm wohl aufgegangen, dass er damit zwar die Demokraten trifft, aber auch die vielen Menschen, die im Land um ihre Existenz bangen oder bereits ihre Jobs verloren haben. Die USA befinden sich in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Und so schiebt er hinterher, dass er bereit ist, sofort ein Gesetz über 1.200-Dollar-Schecks für jeden Amerikaner zu unterschreiben.

Wie krank ist Trump?

Einen Tage nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus ist noch immer unklar, wie gesund der Präsident wirklich ist. Er wird rund um die Uhr von Ärzten überwacht und betreut. Fest steht, dass Trump im Krankenhaus mit Remdesivir behandelt wurde. Experten sagen, dass Remdesivir-Patienten im Durchschnitt nach elf Tagen entlassen werden. Und auch, dass die kritische Phase der Erkrankung erst nach sieben Tage beginne. Zuverlässige Aussagen, ob Trump über den Berg ist, sind demnach erst zum Wochenende möglich, wie auch sein Leibarzt Sean Conley erklärt hat.

Weitere Corona-Fälle im Weißen Haus

Damit wird auch klar, wie leichtfertig es war, gestern auf dem Balkon des Weißen Hauses die Maske demonstrativ abzusetzen. Trump hat damit sein Umfeld im Weißen Haus gefährdet, das inzwischen ohnehin ein Infektionsherd geworden ist.

Nun hat es auch einen der wichtigsten Berater, Stephen Miller, erwischt. Fünf Tage habe er bereits selbstisolierend gearbeitet und sei dabei jeden Tag negativ getestet worden. Am Dienstag nicht mehr. Damit sind es jetzt 23 Mitarbeiter und Vertraute aus dem direkten Umfeld des Präsidenten, die in den letzten Tagen positiv getestet worden sind.

Milners Ehefrau ist Kommunikationschefin von Vizepräsident Mike Pence und gestern zusammen mit ihrem Chef nach Salt Lake City gereist. Dort findet im Abend ein TV-Duell der Vizepräsidentschaftskandidaten statt. Nach dem Positiv-Befund ihres Mannes ist sie vorsorglich wieder abgereist. Der anschließende Corona-Test bei Mike Pence: negativ.

Kippt das zweite TV-Duell?

Aufgrund der Infektionszahlen im Weißen Haus stellt der demokratische Herausforderer Joe Biden das zweite TV-Duell mit Donald Trump in Frage. Es ist für den 15. Oktober geplant. Es sollte abgesagt werden, wenn Trump seine Covid-19-Erkrankung bis dahin nicht überwunden hat. "Ich denke, wenn er immer noch Covid hat, sollten wir keine Debatte haben", so Biden bei einer Wahlkampfveranstaltung in Maryland. "Zu viele Leute wurden infiziert." Er stelle sich weiterhin auf ein TV-Duell ein, "aber ich hoffe einfach, dass alle Vorschriften eingehalten werden".

Unklar ist weiter, ob Trump womöglich bereits beim ersten Duell vor einer Woche ansteckend war. Das Weiße Haus und sein Leibarzt Sean Conley machen weiter keine konkreten Angaben dazu, wann der Präsident seinen letzten negativen Corona-Test hatte.

Michelle Obama klagt Trump an

Trump selbst spielt Corona weiter herunter. Gestern hatte er in einem Tweet Corona erneut mit einer normalen Grippe verglichen, an der jährlich viele Menschen sterben, manchmal über 100.000. Aber deswegen das Land herunterfahren? "Nein, das Land habe gelernt, damit zu leben, genauso wie wir es gerade lernen, mit Covid-19 zu leben", so Trump. Twitter hat diesen Tweet wenig später als "irreführend" eingestuft und mit einem Warnhinweis versehen.

Auch die frühere First Lady Michelle Obama, nach wie vor eine der einflussreichsten Frauen in den USA, hat sich nun in die Debatte eingeschaltet. Sie wirft Donald Trump Versagen im Kampf gegen Corona vor. "Im Moment herrscht in unserem Land wegen eines Präsidenten, der seinem Job nicht gewachsen ist, Chaos", so Obama. Inzwischen seien mit mehr als 200.000 Menschen mehr Amerikaner nach einer Corona-Infektion gestorben als in den Kriegen im Irak, in Afghanistan, in Vietnam und Korea zusammengenommen.

Diese Worte dürften dem Präsidenten nicht gefallen.

Noch weit verheerender jedoch sind die aktuellen Umfragen. Sie gehen nach dem Bekanntwerden der Corona-Erkrankung des Präsidenten weiter in den Keller. Joe Biden liegt inzwischen mit 14 bis 16 Prozentpunkten vor Trump.

Noch mehr Politik-News in unserer Videoplaylist

​Spannende Hintergrund-Reportagen zu gesellschaftspolitischen Themen wie Gesundheit, Schule oder natürlich auch zu aktuellen Corona-Maßnahmen, sowie interessante Interviews mit Politikern – das alles finden Sie in unserer Video-Playlist.

Politiker-Interviews im "Frühstart"

In der Interview-Reihe "Frühstart" treffen wir täglich spannende Gesprächspartner aus der Politik. In unserer Videoplaylist können Sie sich die Video-Interviews ansehen.