Massen belagern das Rheinufer und missachten Corona-Regeln

Stadt greift knallhart durch: Kölner Rheinboulevard wird über Ostern gesperrt

03. April 2021 - 13:54 Uhr

Stadt Köln reagiert mit Geldstrafen und Sperrungen auf Corona-Verstöße

Das Wetter in Köln ist derzeit traumhaft: Die Sonne scheint den ganzen Tag und die Temperaturen klettern über die 20-Grad-Marke. Angesichts des Frühlingseinbruchs scheinen viele Menschen die Corona-Pandemie zu vergessen. Videoaufnahmen vom Rheinboulevard und der angrenzenden großen Treppe zeigen Hunderte Menschen, die dicht an dicht stehen und sitzen. Abstand? Fehlanzeige! Deshalb greift die Stadt jetzt knallhart durch. Verstöße gegen die Corona-Auflagen kosten 50 Euro. An den Osterfeiertagen und an Wochenenden wird der Rheinboulevard komplett gesperrt.

Inzidenz in Köln liegt bei 129,7

Die Polizei war am Rheinboulevard vor Ort und hat das Ordnungsamt bei den Kontrollen unterstützt.
Die Polizei war am Rheinboulevard vor Ort und hat das Ordnungsamt bei den Kontrollen unterstützt.
© RTL

Schon ab Mittwochabend will die Stadt durchgreifen. Die Sperrung gilt dann von 18.00 bis 2.00 Uhr. Über die Ostertage ist der Rheinboulevard schon ab 12.00 Uhr mittags dicht. Ob die Sperrung auch über die kommende Woche hinaus gilt, ist noch unklar. Das wolle man von der Corona-Lage abhängig mache, heißt es. Die Stadt Köln hat den Daten des Robert Koch-Instituts zufolge zuletzt 129,7 Coronaneuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche registriert (Stand 31. März 2021).

Gedränge auf Kölner Rheinboulevard - ohne Maske, ohne Anstand

Die hohen Zahlen scheinen nicht von ungefähr zu kommen. Als unser RTL-Team auf dem Reinboulevard dreht, hält niemand Abstand – es ist wegen der vielen Menschen gar nicht möglich. Ein Passant zieht seine Maske vom Gesicht, als er mit unseren Reportern redet. Er nimmt einen Schluck aus einer Flasche, die nach Kräuterlikör aussieht. Seine Ansicht: "Scheiß auf Corona, scheiß auf Maskenpflicht. Wir feiern hier ein bisschen eine Party, wir haben keinen Bock mehr auf Corona." Dass die Infektionszahlen genau deshalb steigen, scheint ihm nicht in den Sinn zu kommen. Wenige Meter weiter kontrolliert das Ordnungsamt, doch auch kümmert den jungen Mann anscheinend nicht. Sogar die Polizei ist vor Ort, um bei den Kontrollen zu unterstützen.

Am anderen Ende der Treppe des Rheinboulevards hat offenbar jemand einen Heiratsantrag gemacht. Auf dem Boden ist ein roter Teppich ausgerollt, überall liegt Glitzer, man sieht Herzchenballons. An der Mauer ein Transparent mit der Aufschrift: "Willst du mich heiraten?" Das Ordnungsamt löst die mutmaßliche Verlobungsparty auf. Aus dem Hintergrund hört man Menschen rufen: "Asozial". Die Beamten müssen sich auch noch beschimpfen lassen. Der Job als Mitarbeiter des Ordnungsamts oder bei der Polizei – kein leichter in diesen Tagen.

Das Ordnungsamt kontrollierte, ob sich die Menschen an die Corona-Regeln hielten.
Das Ordnungsamt kontrollierte, ob sich die Menschen an die Corona-Regeln halten.
© RTL

Schärfere Corona-Beschränkungen auch in anderen Bundesländern und Städten

Um unschönen Szenen wie diesen vorerst aus dem Weg zu gehen, hat die Stadt nun also eine Sperrung des stark besuchten Bereichs am Rhein veranlasst. Rechtsrheinisch weisen 20 Schilder auf die Maskenpflicht hin, linksrheinisch sind es 80 – das geht aus einer Mitteilung des Stadt hervor. "Die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung im öffentlichen Raum gilt von 10 bis 22 Uhr auf den Plätzen und Straßen, die in der Karte markiert sowie darunter aufgelistet sind", heißt es.

Auch andere Städte und Bundesländer haben Verbote über Ostern ausgesprochen. So ist es in Bayern verboten, Ausflüge mit dem Motorrad zu machen, das berichtet der "Bayerische Rundfunk". Hintergrund: Wenn Unfälle passieren, würden Intensivbetten belegt, die man für Coronapatienten bräuchte.

In Hamburg versucht man, die Pandemie mit einer Ausgangssperre in den Griff zu kriegen. Der Hamburger Senat hat am Mittwoch eine nächtliche Ausgangsbeschränkung beschlossen. Ab Karfreitag werde es zwischen 21.00 Uhr abends und 5.00 Uhr morgens nicht erlaubt sein, die Wohnung ohne triftigen Grund zu verlassen, heißt es. "Wir müssen jetzt eine deutliche Bremsung hinbekommen", sagte Bürgermeister Peter Tschentscher.

Auch interessant