Flucht wegen Coronavirus

Wut auf die Reichen: High Society flieht aus New York

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© AP, Mary Altaffer, MA

30. März 2020 - 13:39 Uhr

Coronakrise spaltet die US-Amerikaner

Die Straßen, Plätze und Parks der Stadt, die niemals schläft, sind menschenleer. Die Corona-Pandemie hat die sonst so pulsierende Millionenmetropole New York fest im Griff. Wer es sich leisten kann, verlässt die Stadt und verbringt die Zeit an einem Ferienort. Das zieht derzeit die Wut vieler Durchschnitts-New-Yorker auf sich, die zuhause festsitzen und auf ihre Coronatests warten müssen.

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Donald Trump: „Das ist nicht fair“

 March 26, 2020, Washington, District of Columbia, USA: United States President Donald J. Trump speaks with during a press briefing on the Coronavirus COVID-19 pandemic with members of the Coronavirus Task Force at the White House in Washington on Ma
Das sei nicht fair, sagte US-Präsident Donald Trump.
© imago images/ZUMA Wire, Yuri Gripas via www.imago-images.de, www.imago-images.de

"Die Spannungen zwischen den New Yorkern, die sich in ihre Zweitwohnung zurückziehen können, und denjenigen, die das ganze Jahr über in den Städten leben, nehmen zu", schreibt die "New York Times". Wohlhabende New Yorker fliehen in ihre Sommerhäuser, wo das Leben derzeit angenehmer ist. Damit wollen sie der dicht gedrängten Stadt entgehen, die zu Amerikas Epizentrum der Coronavirus-Krise geworden ist, heißt es im Bericht.

Kürzlich haben Journalisten US-Präsident Donald Trump darauf angesprochen. Er räumte ein: "Das ist nicht fair", erklärte aber zugleich, das sei "vielleicht die Geschichte des Lebens".

US-Millionäre bevölkern die Urlaubsorte

Viele US-Millionäre verbringen die Zeit in den Hamptons auf Long Island.
Viele US-Millionäre verbringen die Zeit in den Hamptons auf Long Island.
© robertharding

Besonders groß sei der Andrang plötzlich in den berühmten Hamptons, dem Sommerspielplatz der New Yorker High Society. Dort seien die Straßen derzeit so voll wie nie. Bei den Einheimischen regt sich deshalb Unmut.

"Sie bevölkern die Tankstellen. Sie marschieren in die Supermärkte", wird Kim Langdon (48) aus Ashland von der Times zitiert. "Wenn sie infiziert sind und es nicht wissen, gefährden sie uns alle." Andere ziehen sich mit ihren Familien und Bediensteten gleich mit Yachten aufs Wasser zurück – in der Annahme, dass sicherste Ort vor dem Virus vor der Küste liegt.

US-Amerikaner kochen vor Wut

In den vergangenen Tagen wurden viele Einheimische besonders in den Sozialen Medien deutlicher. "Der beste Weg für den durchschnittlichen Amerikaner, herauszufinden, ob er Covid-19 hat, ist, einer reichen Person ins Gesicht zu husten und auf dessen Testergebnis zu warten", schrieb ein User.  Im Land der Mehrklassen-Medizin spiegelt dieser mehr als 185.000 Mal geteilte Tweet die Annahme, dass die Reichen auch in der Pandemie Vorteile haben.​

Als Beispiel nennt die Times den New Yorker Anbieter Sollis Health. Für einen Familien-Sockelbetrag von 8.000 Dollar pro Jahr gibt es ein kleines Privatkrankenhaus ohne Wartezeiten - Behandlungskosten sind da noch nicht eingerechnet. Auf seiner Internetseite wirbt das Unternehmen mit seiner Covid-19-Behandlung. Wenn Kunden getestet werden wollen, "schicken wir einen Mitarbeiter in Schutzausrüstung zu ihrem Haus, um sie zu untersuchen und wahrscheinlich eine Probe zu entnehmen". Bei akuter Erkrankung werde man seine Beziehungen zu den örtlichen Krankenhäusern nutzen, "um ihnen einen vorrangigen Zugang zu ermöglichen".

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio reagierte zornig: "Tests sollten nicht für die Reichen sein, sondern für die Kranken", wetterte er bei Twitter.