Mutmaßlicher Salafist soll 45.000 Euro erschlichen haben

So dreist sacken Betrüger Corona-Hilfsgelder ein

23. Juli 2020 - 13:10 Uhr

Kleine Unternehmen kämpfen ums Überleben - Betrüger kassieren ab

Corona trifft deutsche Unternehmen hart: Jedes fünfte sieht seine Existenz bedroht. Bereits kurz nach Beginn der Krise sollten staatliche Soforthilfen unkompliziert das Schlimmste abfedern. Doch schnell witterten Betrüger ihre Chance und kassierten schamlos Geld ab, das ihnen nie zustand – während viele kleinere Unternehmen komplett leer ausgingen. So wollte ein Mann, der zur Berliner Salafistenszene gehören soll, mutmaßlich 45.000 Euro ergaunern. RTL-Reporter Torsten Misler hat ihn in der Hauptstadt aufgespürt und konfrontiert. Was der angebliche Betrüger zu den Vorwürfen sagt, sehen Sie im Video.

22 Millionen Euro Schaden durch Corona-Betrüger

Schnell und unbürokratisch sollten die Hilfsgelder in der Corona-Krise ausgezahlt werden. Das löste in kriminellen Kreisen eine regelrechte Goldgräberstimmung aus. In allen Bundesländern ermitteln die Behörden derzeit wegen Betrugs, der Schaden ist gigantisch: Der Deutschen Presse-Agentur zufolge belaufen sich die Schätzungen in ganz Deutschland auf knapp 22 Millionen Euro – und die Aufarbeitung hat gerade erst begonnen.

Staatsanwalt Oliver Eisenhauer aus Hannover
Staatsanwalt Oliver Eisenhauer erklärt die Maschen der Corona-Hilfen-Betrüger
© RTL

Neben Berlin, Bayern und Nordrhein-Westfalen soll auch Niedersachsen ein Abzocker-Hotspot sein. Hier versucht Staatsanwalt Oliver Eisenhauer, den Kriminellen auf die Schliche zu kommen. "Teilweise sind diverse Anträge unter dem gleichen Familiennamen gestellt worden – Vater, Mutter, Oma, Opa, Tante, Onkel. Das ist natürlich aufgefallen,"  erklärt er RTL deren Maschen. "Besonders dreist sind natürlich die Fälle, in denen Antragsteller gar kein Gewerbe ausüben."

Trotz Antrag: Ehrliche Unternehmerin geht leer aus

Kosmetikerin Beate Hertes
Beate Hertes litt ohnehin schon unter der Corona-Krise - und bekam dann wichtige Fördergelder nicht
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Eisenhauer geht davon aus: Die Zahl der aufgedeckten Fälle wird noch weiter steigen. Tipps bekommt er oft von Banken – wenn beispielsweise Hilfsgelder sehr schnell vom Konto verschwinden. Die Leidtragenden der Betrugsmasche: ehrliche Unternehmer, die dringend benötigte Hilfe beantragen.

So auch Beate Hertes, die in Leipzig seit 30 Jahren ein Kosmetikstudio betreibt. Sie beantragte eine Unternehmensberatung, um mit so wenig Schaden wie möglich aus der Krise zu kommen. Diese sollte eigentlich mit bis zu 4.000 Euro gefördert werden, wie das zuständige Amt versprach. Doch zu ihrem Schrecken erfährt sie irgendwann: Das Förderungsprogramm wurde eingestellt. Weil sie die Beratung schon in Anspruch genommen hat, sitzt sie jetzt streng genommen auf Kosten von etwa 2.000 Euro.

Unternehmensberater wütend: "Da krieg ich nen Hals!"'

Unternehmensberater Michael Heitkötter
Unternehmensberater Michael Heitkötter will Beate Hertes helfen - er ist wütend auf die Betrüger
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Die Ursache dafür, dass die Fördergelder dermaßen schnell eingestellt wurden, sieht Unternehmensberater Michael Heitkötter vor allem in dubiosen Lockangeboten im Internet, mit denen sich manche wohl nur schnell die Taschen füllen wollten. Dort stünde nirgendwo etwas davon, dass die Förderung der Unternehmensberatung ausschließlich für Firmen gedacht ist, die durch Corona in Not geraten sind. "Das ist die einzige Bedingung dieses Programms. Da krieg ich 'nen Hals!", ärgert sich Heitkötter. Er habe sogar Angebote von Firmenchefs bekommen, mit dem Programm gemeinsam zu betrügen.

In Beate Hertes Fall signalisiert das Amt nach unserer Nachfrage nun immerhin Kompromissbereitschaft: Es gebe andere Möglichkeiten der Förderung. Gegen den mutmaßlichen Betrüger, den unser Reporter in Berlin zur Rede stellte, ermittelt die Staatsanwaltschaft weiterhin. Und auch die Behörden in anderen Bundesländern dürften noch eine Menge zu tun haben: Der Deutschen Presse-Agentur zufolge gab es Anfang Juli bundesweit mindestens 5.100 Betrugsverdachtsfälle.