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Corona-Skeptiker demonstrieren in Konstanz

Menschenkette am Bodensee

Corona-Skeptiker demonstrieren in Konstanz

Menschen bilden eine sogenannte Friedensmenschenkette, die durch Deutschland, Österreich, Liechtenstein und die Schweiz rund um den Bodensee führen soll.
Menschen bilden eine sogenannte Friedensmenschenkette, die durch Deutschland, Österreich, Liechtenstein und die Schweiz rund um den Bodensee führen soll.
DPA

Querdenker-Demonstration am Wochenende

Demonstrationen der Corona-Skeptiker bedeuten für den Reporter eigentlich immer: Pöbeleien, Aggressionen und Nazi-Symbolik überall. Bei der Querdenker-Demonstration war am Wochenende aber einiges anders.

von Daniel Spliethoff

Für „Frieden und Freiheit“

Konstanz statt Berlin, Bodensee statt Regierungsviertel. Die Initiative „Querdenken“ ist mit ihrer ersten Großdemonstration seit der Veranstaltung in Berlin am 29. August nach Baden-Württemberg gezogen. Vor rund einem Monat hatten die Bilder vom Angriff rechtsextremer Demonstranten auf den Reichstag für Entsetzen gesorgt – wohl auch bei manchen Querdenkern. Der Umzug nach Konstanz kann auch als Versuch gedeutet werden, am Tag der Deutschen Einheit nicht erneut Rechtsextremisten in Berlin ein Podium zu geben.

Für „Frieden und Freiheit“ wollen sie demonstrieren, das gesamte Wochenende über. Am Samstag hatten sich die Veranstalter eine Menschenkette um den Bodensee vorgenommen. Der grenzt zugleich an Deutschland, Österreich und die Schweiz. 250.000 Teilnehmer hatte Veranstalter Gerry Mayr aus Konstanz erwartet. Die Kette ist dann eher kurz und löchrig, am Ende waren es zusammen genommen wohl knapp 10.000, auf der Anschlusskundgebung sogar nur 1.500.

Inhaltlich gab es nichts neues: Die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung halten die Demonstranten für überzogen, die Lösungsvorschläge für die Corona-Krise könnten unterschiedlicher nicht sein. Die einen wollen gar nichts machen, andere stören sich vor allem an der Maskenpflicht für Kinder und einer glaubt sogar, den Deutschen mangle es chronisch an Vitamin B3. Praktischerweise handelt er mit entsprechende Präparaten – dass er zugleich ein Höhlenmenschen-Kostüm trägt, fällt in der bunten Menschenmenge kaum auf.

Rechtsextreme Symbolik streng verboten

Eines muss allerdings gelobt werden: Die Veranstalter haben jede Zurschaustellung rechtsextremer Symbolik streng verboten – Organisator Gerry Mayr grenzt sich überdeutlich von Neo-Nazis ab. Die Stimmung überhaupt ist an diesem Tag deutlich entspannter als in Berlin oder auch in Stuttgart, wo sonst die großen Querdenker-Happenings stattfinden. Immer wieder kommt es zu guten Gesprächen, Beleidigungen bleiben die absolute Ausnahme. Am Ende bleibt allerdings die Frage: Wo wollen die Querdenker eigentlich hin?

Corona wird uns noch eine ganze Weile begleiten und im kommenden Jahr sind Bundestagswahlen. Querdenken-Chef Michael Ballweg bewirbt sich gerade um das Oberbürgermeisteramt in Stuttgart, andere Parteien-Initiativen wie „Widerstand 2020“ sind bereits gescheitert. Nur eines steht fest: Es wird solange Corona-Demonstrationen geben, wie es die Pandemie gibt – bleiben sie so friedlich wie am Samstag in Konstanz, dann muss sich niemand darüber sorgen.