Wissenschaftler plädieren für das Öffnen von Schulen und gelockerte Hygienemaßnahmen.

Corona-Schulstudie Sachsen: Schüler leiden stark unter Schulschließungen

Corona-Schulstudie
© DPA

03. August 2020 - 18:43 Uhr

Corona-Schulstudie aus Sachsen stellt Ergebnisse vor

Nach und nach enden die Sommerferien in Deutschland. Einige Bundesländer haben bereits eine Maskenpflicht außerhalb des Unterrichts angeordnet. Als erstes Bundesland hat in Mecklenburg-Vorpommern am Montag sogar bereits die Schule wieder angefangen. Eine Frage die alle beschäftigt: Wie soll der Unterricht in Zeiten von Corona weitergehen?

Die Ergebnisse einer Corona-Schulstudie könnten darüber Auskunft geben. Wissenschaftler der Universität Leipzig untersuchten in einer großen Corona-Schulstudie die Infektionslage an Schulen und die Verbreitung von Antikörpern. Zum Thema Schulschließungen zeigt Studienleiter Professor Dr. Wieland Kiess eine klare Haltung: "Wenn wir unseren Kindern schaden wollen, sind sie in der Tat effektiv!"

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Was bei der Corona-Schulstudie in Sachsen untersucht wurde

Für die Studie wurden in den Monaten Mai und Juni 2020 mehr als 2.300 Blutproben und 2.600 Rachenabstriche von Schülern und Lehrern aus Grundschulen und weiterführenden Schulen in Leipzig, Dresden, Zwickau, Borna sowie Werdau untersucht. Zusätzlich werden aus der deutschlandweit bisher größten Studie an einer Zielgruppe von Kindern im Alter von 1-18 Jahren erstmalig wissenschaftliche Ergebnisse zu den psychosozialen Auswirkungen von Schulschließungen auf die Kinder unter die Lupe genommen.

Infektionslage nach Schulwiedereröffnungen unbedenklich

Laut der Studie war die Corona-Infektionslage an sächsischen Schulen im Zeitraum der schrittweisen Wiedereröffnung unbedenklich. Keine der rund 2.600 Testpersonen habe eine aktive Infektion gehabt.  Jedoch konnten bei 14 Personen Antikörper gegen das Coronavirus festgestellt werden. "Wer da über Schulschließungen reden will, den kann ich nicht verstehen", sagt Studienleiter Dr. Wieland Kiess.

Aufgrund der Ergebnisse könne man davon ausgehen, dass  bis dato nur wenige Schüler und Lehrer an Corona erkrankt waren: "Es gibt zum aktuellen Zeitpunkt keinen Hinweis darauf, dass Kinder und Jugendliche besonders häufig den SARS-CoV-2 in sich tragen oder getragen haben. Es scheint sogar eher so, dass sich Kinder im Vergleich zu Erwachsenen seltener infizieren."

Um diese Erkenntnisse noch mal weitergehend zu bestätigen, wird die Studie fortgeführt. Im Herbst sollen Entwicklungen erneut bewertet werden.

Prof. Dr. Wieland Kiess, Studienleiter
Prof. Dr. Wieland Kiess, Studienleiter
© RTL

Konsequenz: Hygienemaßnahmen sollen gelockert werden

Angesichts dieser Ergebnis plädieren die Studienmacher für eine Lockerung der Hygienemaßnahmen in den sächsischen Schulen. Von Schulschließungen raten sie ab. Masken seien genauso effektiv wie Schulschließungen. Eine Maskenpflicht in Schulen hält Kiess aber ebenfalls nicht für notwendig. Jedoch soll die Lage weiter beobachtet und im Herbst neu bewertet werden.

Schulschließungen haben Auswirkungen auf Kinder- und Jugendpsyche

Als viel bedenklicher bewertet die Studie die psychischen Auswirkungen von Schulschließungen während der Corona-Pandemie. Besonders bei armen Familie führen die Schulschließungen laut Studie zu einem Fehlen von Tagesstruktur. Lebensqualität und Fröhlichkeit nehme bei Kindern und Jugendlichen ab. Eine weitere Gefahr: Kiess schildert, dass Fälle von Kindermissbräuchen weniger auffallen könnten. Deutschlandweit hätten einige seiner Kollegen diese Beobachtung gemacht. Ein Grund könnte sein, dass Betreuungs- und Lehrpersonal keinen persönlichen Kontakt zu den Kindern haben. Außerdem verbringen die Kinder viel mehr Zeit an ihren Smartphones.