Corona-Schuljahr: GEW fordert neuen Rahmen für Abschlussklassen

„In diesem Schuljahr darf keiner sitzenbleiben“

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert, dass „eine Ausnahmesituation wie die Corona-Krise besondere Regelungen“ verlangt.
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14. Januar 2021 - 10:45 Uhr

GEW: Keine Prüfungen, die Vorleistungen müssten reichen

Wenn die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen dieses Jahr ihre Prüfungen ablegen werden, haben sie ein ganzes Corona-Schuljahr hinter sich. Ein einzigartiges Ende ihrer Schulzeit – im negativen Sinne. Denn durch zahlreiche Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sind die Lernbedingungen zurzeit schlechter als sonst.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert deswegen jetzt, dass "eine Ausnahmesituation wie die Corona-Krise besondere Regelungen" verlangt.
"In diesem Schuljahr darf niemand sitzenbleiben", sagte GEW-Chefin Marlis Tepe dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Abitur und Mittlerer Abschluss müssten auch ohne Prüfung auf Basis von Vorleistungen abgelegt werden können.

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Lehrkräfte sind gefordert

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sprach sich für eine flexible Bewertung der Leistungen und Umstände der Schüler durch die Lehrkräfte aus. "Einen generellen Corona-Bonus wird es aber nicht geben", sagte VBE-Chef Udo Beckmann dem RND.

Abschlussprüfungen: Zentral oder dezentral?

Mit Blick auf das Abitur verwies auch die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands auf die Kompetenz der Lehrerinnen und Lehrer vor Ort. Vergleichbarkeit durch zentrale Aufgaben sei zwar grundsätzlich richtig, sagte Susanne Lin-Klitzing dem RND. "Doch in diesem Schuljahr ist eben vieles anders als sonst gelaufen - und oft kann nur der Lehrer vor Ort genau beurteilen, was gelernt werden konnte und was nicht."

Diskutiert wird in diesem Zusammenhang auch die Frage nach verkürzten Sommerferien. Ralf Brinkhaus (CDU) hat sich im RTL-Frühstart dafür ausgesprochen. Mehr dazu im Video.

Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Peter-André Alt, forderte ein einheitliches Vorgehen der Länder beim Abitur. Notenboni müsse es für alle oder für niemanden geben, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Wenn man etwas unternimmt, dann bitte in Abstimmung." Wissenslücken bei den Abiturienten stellten die Universitäten voraussichtlich aber eher nicht vor große Probleme: Hochschulen könnten mehr der in den letzten Jahren etablierten Brückenkurse anbieten, die zu Semesterbeginn Nachhilfe in bestimmten Fächern bieten, so Alt.

Niedersächsisches Kultusministerium prüft Abituraufgaben

Das niedersächsische Kultusministerium möchte alle Prüfungsaufgaben noch einmal auf ihre Angemessenheit überprüfen und möglicherweise überarbeiten, hieß es in einem Schreiben an die Schulleitungen. Zudem sollen Inhalte, die dem vierten Semester zugeordnet sind, teilweise nicht prüfungsrelevant sein, um Unwägbarkeiten für den noch bevorstehenden Unterricht im kommenden Semester vorzubeugen.

Zentralabitur soll gesichert werden

Die Maßnahmen seien beschlossen worden, um die Durchführung des Zentralabiturs zu sichern, steht in dem Schreiben des Ministeriums vom Dienstag. Der Schulleitungsverband Niedersachsen hatte am Mittwoch einen grundlegenden Kurswechsel für das gesamte Schuljahr gefordert. Auf Abiturprüfungen solle verzichtet und dafür eine Durchschnittsnote gebildet werden. Auch auf Abschlussarbeiten in den Jahrgängen 9 und 10 solle verzichtet werden, hieß es in einer Stellungnahme des Schulleitungsverbandes Niedersachsen (SVLN). Sowohl bei Abiturienten als auch für die Jahrgänge 9 und 10 könnten aber freiwillige Prüfungsersatzleistungen durchgeführt werden.
Der Verein plädierte zudem dafür, Schulleitungen und ihre Stellvertretungen von der Unterrichtsverpflichtung im zweiten Halbjahr des Schuljahres 2020/21 vollständig zu befreien.

Quelle: DPA/ RTL.de