Erster Corona-Test ist negativ

Angela Merkel in Quarantäne: So regiert die Kanzlerin jetzt

News Bilder des Tages (190611) -- GENEVA, June 11, 2019 (Xinhua) -- German Chancellor Angela Merkel attends the 108th s
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24. März 2020 - 10:42 Uhr

Von Heike Boese aus dem RTL-Hauptstadtstudio

Angela Merkel hatte Kontakt mit einem infizierten Arzt und ist jetzt in häuslicher Quarantäne. Aber kann die Bundeskanzlerin einfach krank machen?

Seit Angela Merkel am Sonntag Abend bekanntgegeben hat, dass sie sich nach dem Kontakt mit einem an Corona infizierten Arzt selbst in eine vorsorgliche Quarantäne begeben hat, fragen sich viele Deutsche, was das für die Arbeit der Bundeskanzlerin bedeutet. Kann sie Deutschland von zuhause aus regieren? Ja, das kann sie. Die Regierungschefin ist jetzt im Home Office, wie viele andere Arbeitnehmer auch. Die gute Nachricht: Der Kanzlerin geht's gut, sie hat keine Corona-Symptome. Auch der erste Corona-Test ist negativ, wie Regierungssprecher  Steffen Seibert mitteilte.

Regieren vom Küchentisch aus - geht das?

Per Telefon, per Video - im Grunde macht es Angela Merkel wie die meisten, die jetzt in ihren eigenen vier Wänden arbeiten. Noch am Sonntag hat sie bis in den späten Abend telefoniert und die wichtigsten Partei- und Fraktionsvorsitzenden persönlich informiert. Auch die Sitzung des Bundeskabinetts am Montag morgen hat sie per Telefon geleitet.

Und schon gestern nachmittag hatte Angela Merkel alle Ministerpräsidenten am Telefon, um über bundesweite Maßnahmen im Kampf gegen den Virus zu beraten. Da wusste sie noch gar nichts von ihrer möglichen Ansteckung - im Nachhinein ein großes Glück. Sonst hätten jetzt alle 16 Ministerpräsidenten in häusliche Quarantäne geschickt werden müssen…

Telefone und Computer sind abhörsicher

Im übrigen "regiert" Angela Merkel ja auch weiter, wenn sie im Urlaub ist. Dann wird ihr im Hotel ein provisorisches Büro eingerichtet. Das Arbeitszimmer in ihrer Wohnung sieht vermutlich ähnlich aus wie bei anderen auch - mit dem Unterschied, dass Telefone und Computer abhörsicher und besonders sicher vor Hackerangriffen sind. Wichtige Akten werden ihr in die Wohnung gebracht und später auch von dort wieder abgeholt. Mit dem Auto sind es nur ein paar Minuten zwischen Kanzleramt und ihrer Privatwohnung. Angela Merkel selbst sieht die Situation gewohnt pragmatisch. Am Sonntag hatte sie noch vor Journalisten erklärt, dass ihr Leben derzeit ohnehin eine Abfolge von Video- und Telefonkonferenzen sei.

Und so wie der Bundeskanzlerin geht es gerade vielen Politikern. FDP-Chef Christian Lindner arbeitet zuhause am Schreibtisch, leitet von hier die Videokonferenzen der Liberalen, bearbeitet Akten. Und gönnt sich höchstens zwischendurch einen kurzen Moment in der Märzsonne - mit dicker Jacke, heißem Tee und Laptop auf seinem Balkon. 

Auch Dietmar Bartsch, der Fraktionsvorsitzende der LINKEN im Bundestag, arbeitet überwiegend zuhause, Besprechungen mit den Abgeordneten, Zeitung- oder Radiointerviews - läuft alles telefonisch, nur für Fernsehinterviews muss er kurz seine Wohnung verlassen. Deutschland ist im Krisenmodus - und Corona macht vor niemandem halt.